Pläne in Süderneuland  Anwohner wehren sich erneut gegen geplante Windkraftanlagen

| | 16.10.2024 10:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Ein Blick vom Addingaster Tief aus in Richtung Osteel. Im Hintergrund sind die Windkraftanlagen von Osteel zu sehen – und die sind „nur“ 100 Meter hoch. Foto: Rebecca Kresse
Ein Blick vom Addingaster Tief aus in Richtung Osteel. Im Hintergrund sind die Windkraftanlagen von Osteel zu sehen – und die sind „nur“ 100 Meter hoch. Foto: Rebecca Kresse
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Zum dritten Mal will die Stadt Flächen für Windkraftanlagen ausweisen. Angedacht sind diesmal 200 Meter hohe Anlagen. Das stößt im betroffenen Ortsteil Süderneuland auf erbitterten Widerstand.

Norden - Bereits zum dritten Mal nach 2009 und 2016 versucht die Stadt Norden eine Fläche in Leegland/Süderneuland für neue Windkraftanlagen auszuschreiben. Dafür soll nach Vorschlag der Verwaltung die 118. Änderung des Flächennutzungsplans „Windkraft“ beschlossen werden – sehr zum Ärger der Anwohner des benachbarten Wurzeldeichs. Die waren davon ausgegangen, dass das Thema endgültig vom Tisch sei. Schließlich gibt es zwei frühere Ratsbeschlüsse gegen die Windkraftanlagen auf der weitgehend naturbelassenen Fläche. Auch deshalb haben sich in den vergangenen Jahren weitere Familien am Wurzeldeich angesiedelt. Umso größer ist jetzt der Frust. Denn die nun geplanten Windkraftanlagen sollen sogar 200 statt wie früher geplant 100 Meter hoch werden. Das bestätigte Stadtbaurat Christian Pohl. Auch wenn das Verfahren noch in einer frühen Phase ist, regt sich schon jetzt der Widerstand bei den Anwohnern.

Darunter Insa Heeren, die mit ihrem Grundstück direkt an die betroffene Fläche im Leegland grenzt. „Wir haben ganz klar ein Interesse, weil wir hier wohnen. Ich bin auch kein Windkraftgegner. Wir brauchen alternative Energien. Es muss nur einfach geguckt werden, wo die Anlagen hinkommen“, sagte Insa Heeren im Gespräch mit unserer Zeitung. Hannelore Dröss flehte in öffentlicher Sitzung geradezu darum, die Natur vor Ort nicht zu zerstören. Auch ihr Nachbar Christof Hentschel, Pfarrer der katholischen Gemeinde in Norden, ist wenig begeistert von den neuerlichen Plänen der Stadt. Beide fürchten zum einen die negativen Auswirkungen der 200 Meter hohen Anlagen – insgesamt sollen drei dieser Anlagen auf einer Fläche von 45 Hektar entstehen. Außerdem halten sie die Natur zwischen dem Gewerbegebiet Leegemoor und dem Wurzeldeich angesichts der dort vorhandenen Artenvielfalt für schützenswert und wichtiger als neue Windkraftanlagen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Landkreis Aurich sein von der Bundesregierung festgelegtes Teilflächenziel für die Ausweisung von Windkraftanlagen längst erreicht hat.

Im Windpark Ihlow stehen schon 200 Meter hohe Anlagen. In Norden sind diese Höhen bisher noch nicht üblich. Foto: Aiko Recke
Im Windpark Ihlow stehen schon 200 Meter hohe Anlagen. In Norden sind diese Höhen bisher noch nicht üblich. Foto: Aiko Recke

Stadtbaurat verschaffte sich einen Eindruck vor Ort

Wer mit dem Fahrrad über den Wurzeldeich fährt – eine vom Tourismus Service ausgewiesen Radroute – und am Addingaster Tief stehenbleibt, findet tatsächlich ein Stück unberührter Natur. Frösche quaken, Vögel zwitschern, Insekten krabbeln durch das hohe Gras. Immer wieder ziehen Vögel, darunter auch Greifvögel wie der Adler, über den Wiesen ihre Kreise. Igel sind hier genauso zu finden wie Rehe. Es gibt Ponykinder und Angler. Am Wochenende sind unentwegt Radfahrer unterwegs. Es ist ein kleines Stück Naherholung unweit der Stadt. Sollten die Anlagen gebaut werden, wäre es damit vorbei, denn zusätzlich zu den Windkrafträdern müsste quer durch das bisherige Feuchtgebiet eine Zuwegung zur Bewirtschaftung der Anlagen gebaut werden.