Bauleitplanung  Sportplatz in Marienhafe – Naturschützer schalten Anwalt ein

| | 11.10.2024 19:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Naturschützer sehen die Tierwelt am Tjücher Moortun in Marienhafe durch die geplante Sportstätte beeinträchtigt. Foto: Sarah Dirks
Naturschützer sehen die Tierwelt am Tjücher Moortun in Marienhafe durch die geplante Sportstätte beeinträchtigt. Foto: Sarah Dirks
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Der Nabu bekräftigt sein Nein zur geplanten zentralen Sportstätte in Marienhafe. Der Naturschutzbund hat weitere Pläne.

Brookmerland - Sein Nein zur geplanten zentralen Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe hat der Naturschutzverband (Nabu) bekräftigt. In einer weiteren Stellungnahme zu dem Projekt lehnen die Naturschützer dieses grundsätzlich ab. Auch schließen sie eine Klage gegen das inzwischen mehr als sieben Millionen Euro teure Bauvorhaben zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus.

Das teilte der zweite Vorsitzende des Nabu-Regionalverbandes Ostfriesland, Hermann Ihnen, auf Anfrage mit. Der Auricher ist zuständig für Stellungnahmen in Planverfahren. Wie er sagte, habe der Nabu in einer Stellungnahme zur Bauleitplanung für den neuen Sportplatz das Projekt erneut „deutlich kritisiert“. Die Stellungnahme habe ein Oldenburger Fachanwalt im Auftrag des Nabu-Landesverbandes eingereicht.

Rechtliche Schritte

Einzelheiten zum Inhalt des Papiers wollte Ihnen mit Blick auf das laufende Verfahren nicht nennen. Man hoffe auf einen „unbeeinflussten Abwägungsprozess“, soweit dieser angesichts der polarisierten Diskussion, in der auch die abwägende Brookmerlander Verwaltung sich mehrfach klar positioniert habe, überhaupt noch möglich sei. Je nach Ergebnis behalte sich der Nabu rechtliche Schritte vor, hieß es. Laut Ihnen werde der Naturschutzbund gegebenenfalls Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen. Auch schloss er eine Klage nicht aus. „Daran kann man denken. Das ist aber noch Zukunftsmusik“, sagte er.

Dass der Nabu einen Anwalt mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt habe, sei aus seiner Sicht nicht ungewöhnlich. „Wir haben mehrere laufende Verfahren, in denen wir anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen“, erklärte der Nabu-Vertreter.

Auf diesem Grünland am Tjücher Moortun in Marienhafe soll die neue Sportstätte entstehen und laut Verwaltung Mitte 2026 fertiggestellt sein. Foto: Thomas Dirks
Auf diesem Grünland am Tjücher Moortun in Marienhafe soll die neue Sportstätte entstehen und laut Verwaltung Mitte 2026 fertiggestellt sein. Foto: Thomas Dirks

Die neue Stellungnahme sei fristgerecht zum Ende der jüngsten öffentlichen Auslegung der Bauleitplanung zu der Sportstätte am Freitag, 20. September, eingegangen, hieß es. Wie berichtet, war es das zweite Mal, dass die Planunterlagen für die 50. Änderung des Flächennutzungsplans der Samtgemeinde und den Bebauungsplan 0228 der Gemeinde Marienhafe bekannt gemacht wurden. Grund für die erneute Auslegung waren formelle Fehler in der ersten öffentlichen Bekanntmachung vom 22. April bis 24. Mai dieses Jahres gewesen. Wie mehrfach berichtet, soll nördlich des Baggersees bis Mitte 2026 eine sieben Hektar große Sportstätte entstehen, die Naturrasenfußballfelder, einen Kunstrasenplatz und Leichtathletikanlagen umfasst.

Eingriffe in den Naturhaushalt

Bereits im Mai 2022 hatte der Nabu im Altkreis Norden im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung zur 50. Flächennutzungsplanänderung der Samtgemeinde und zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nummer 0228 in seiner Stellungnahme die Maßnahme aufgrund der „erheblichen Beeinträchtigung des Naturhaushalts“ abgelehnt und diese Kritik in einer ergänzenden Stellungnahme zu dem Projekt im Juli dieses Jahres erneuert (wir berichteten).

Die Nabu-Verantwortlichen kritisierten darin, dass die Eingriffe in den Naturhaushalt in den bisherigen Beratungen und bei der Entscheidung über den Standort „kaum bis gar nicht“ berücksichtigt wurden und verweisen auf die Bedeutung des Bereichs.

In der Dämmerung sind am Tjücher Moorthun in Marienhafe Fledermäuse aktiv. Sie könnten durch die nördlich des Baggersees (im Hintergrund rechts) geplante Sportanlage beeinträchtigt werden, befürchten Naturschützer. Foto: Sarah Dirks
In der Dämmerung sind am Tjücher Moorthun in Marienhafe Fledermäuse aktiv. Sie könnten durch die nördlich des Baggersees (im Hintergrund rechts) geplante Sportanlage beeinträchtigt werden, befürchten Naturschützer. Foto: Sarah Dirks

Denn laut einem Gutachten nutzen bis zu acht Fledermausarten, darunter seltene und stark gefährdete Spezies, den ehemaligen Baggersee und die angrenzenden Wiesen und Weiden intensiv als Jagd- und Balzquartier sowie als Flugstraße.

Vor diesem Hintergrund fordert der Nabu seit Beginn an bei einer Realisierung den Bau einer Schutzwand entlang der gesamten Fläche in ausreichender Höhe, um das Sportzentrum und den See von Lärm und Lichtemissionen abzugrenzen. „Leider wurde bei der jetzigen Planung diese Forderung nicht berücksichtigt“, hieß es in der Stellungnahme. Zudem wird die umfangreiche Flächenversiegelung im Außenbereich grundsätzlich abgelehnt.

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