Gallimarkt in Leer eröffnet Bürgermeister Horst wird sehr persönlich
In seiner Rede zur Eröffnung des Volksfestes gab Claus-Peter Horst ungewohnte Einblicke in sein Leben. Tausende Zuschauer ließen sich das nicht entgehen.
Leer - Vor so viel Prominenz müsste man sich direkt verneigen. Aber den Bückling macht hier niemand: Die Menge steht geschlossen und erwartungsvoll vor dem Rathaus, als würden jeden Moment goldene Taler herabgeworfen. Oben drängen sich die Ehrengäste. Gerade noch hallte die Musik der Postkapelle durch die enge Straße, nun hört man entfernt ein „Bing bing“. Die Menge raunt, nun wird gleich der Gallimarkt eröffnet.
Es scheint, als ob dieses Ereignis jedes Jahr mehr Leute anlockt, das gute Wetter animiert vielleicht zusätzlich. Ein Ritual, das mittelalterlich scheint, es aber gar nicht ist. Die Stimmung trübt das nicht, gespannt warten alle auf die Begrüßung durch die Herolde mit ihrem Spruch „Radeau, Radeau, raditjes doe“. Seit die Stadt Leer eine Leinwand aufbaut, ist die Eröffnung bis auf die Brücke zu sehen. Zu hören sowieso.
Bürgermeister leicht nervös
Für Bürgermeister Claus-Peter Horst ist es die dritte Gallimarkt-Eröffnung seiner Amtszeit. Die Amtskette trägt er über einem schlichten Anzug, als er sich morgens mit seiner Frau Edith im Rathaus zeigt. Ist er nervös? „Ja, aber das ist wohl normal“, sagt er. Wie viele Hände er geschüttelt hat, bis er an das Pult auf der Rathaustreppe tritt, will man gar nicht wissen. Immerhin gibt Horst einige persönliche Details zum besten.
Seine Frau, so bekennt er, habe er tatsächlich auf dem Gallimarkt in der Schwarzwaldbude kennengelernt. „Haben Sie den Eindruck, dass die Bürgermeisterkette in diesem Jahr besser zur Geltung kommt?“, fragt er dann. Die Antwort folgt natürlich gleich, denn beim Besuch in der britischen Partnerstadt Trowbridge anlässlich der Krönung von König Charles III. sei ihm aufgefallen, dass die Kette des Kollegen Stephen Cooper auf Samt aufliegt.
Publikumsliebling ist Trevor Heeks
Das hat Horst sofort nachgeahmt, die Kette prangt nun auf schwarzem Samt. Klar, dass auf diese Anekdote der Auftritt von Towncrier Trevor Heeks folgt. 80 Jahre ist er kürzlich geworden, den Besuch in Leer lässt er sich trotz gesundheitlicher Einschränkungen nicht nehmen. Die Stimme jedenfalls lässt nicht nach: „Oo-oh yay“, ruft er, die Menge antwortet. „Ick liebe Gallimarkt“ – dieses Bekenntnis teilt er wohl mit den Menschen vorm Rathaus. „I pray for peace“, fügt er in diesem Jahr hinzu, er bete für den Frieden.
Schon der Leeraner Ehrenbürger Albrecht Weinberg bekam tosenden Applaus, der 99-jährige Holocaust-Überlebende ist ebenfalls an Horsts Seite. Jan Veen, der Ausrufer aus Winschoten überbringt wie in jedem Jahr die Einladung zum Adrillenmarkt – für Abwechslung ist gesorgt. Nun folgt ein weiteres intimes Detail aus dem Leben des Bürgermeisters: Seine Mutter, so berichtet er, habe ihn dazu gedrängt, zum Gallimarkt eine Übergangsjacke anzuziehen, damit er sich nicht verkühlt.
Bonmots mit Jacke
Diese Jacke wird nun zum Leitmotiv für mehrere Bonmots: Johannes Poppen, der aus dem Ruhestand geholt wurde, um wieder die Geschäftsführung im Modehaus Leffers zu übernehmen, wird von Horst als „personifizierte Übergangsjacke“ bezeichnet, die Belegschaft der Meyer Werft habe durch staatliche Hilfe quasi eine Übergangsjacke verpasst bekommen, „damit sie nicht im Regen steht“. Selbst die Ampelkoalition in Berlin wird bemüht: „Da läuft dann einer in einer roten Jacke, ein anderer in einem grünen Poncho und ein dritter trägt ein gelbes Markenjackett. Alle laufen in verschiedene Richtungen.“
Bei den Temperaturen am Mittwoch brauchte man eine solche Jacke eher nicht, es war vergleichsweise warm. „Fiev Daag free Markt“, darauf ist Verlass. Bis zum Sonntag darf gefeiert, Karussell gefahren und Berliner gegessen werden – natürlich gibt es noch viel mehr Möglichkeiten.