Osnabrück  Jürgen Vogel glänzt als skrupelloser LKA-Agent in Thrillerserie „Der Informant“

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 10.10.2024 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
LKA-Mann Gabriel Bach (Jürgen Vogel) in höchster Alarmbereitschaft - steht der befürchtete Anschlag auf die Hamburger Elbphilharmonie kurz bevor? „Informant - Angst über der Stadt“, ab Donnerstag, 10. Oktober bei Arte und ab Mittwoch, 16. Oktober im Ersten. Foto: Bild: NDR
LKA-Mann Gabriel Bach (Jürgen Vogel) in höchster Alarmbereitschaft - steht der befürchtete Anschlag auf die Hamburger Elbphilharmonie kurz bevor? „Informant - Angst über der Stadt“, ab Donnerstag, 10. Oktober bei Arte und ab Mittwoch, 16. Oktober im Ersten. Foto: Bild: NDR
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In der neuen TV-Serie „Informant - Angst über der Stadt“ muss Jürgen Vogel einen Anschlag auf die Hamburger Elbphilharmonie verhindern. Zum Serienstart sprach er mit unserer Redaktion unter anderem darüber, wie Angst, Druck und Panik zu fatalen Fehlentscheidungen führen können.

Ein vager Hinweis versetzt die Hamburger Polizeibehörden in Angst und Schrecken. Islamistische Terroristen planen offenbar einen großen Anschlag in Hamburg. Mutmaßliches Ziel: Die Elbphilharmonie. Genaueres weiß man zwar noch nicht. Aber die Tatsache, dass dort in wenigen Tagen ein Konzert eines jüdischen Dirigenten mit einer muslimischen Konzertmeisterin stattfinden soll, lässt bei den Ermittlern alle Alarmglocken schrillen.

Schnell wird eine Antiterror-Task-Force aus LKA, BKA und BND zusammengestellt, die Informationen sammeln und eine Katastrophe verhindern soll. Aus Zeitnot wird auch der eigentlich in Ungnade gefallene und aufs Abstellgleis geschobene LKA-Mann Gabriel Bach (Jürgen Vogel) reaktiviert. Seine Kontakte zu potentiellen Informanten der migrantischen Community versprechen schnelle Erfolge. Skrupellos zwingt Bach den jungen und völlig unbescholtenen Raza Shaheen (Ivar Wafaei) zur Zusammenarbeit. Und löst damit eine unheilvolle Kette von Ereignissen aus, die sich zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung zu entwickeln droht.

Mit der spannend inszenierten und äußerst sehenswerten Miniserie „Informant – Angst über der Stadt“ gelingt Berlinale-Gewinner Matthias Glasner (Buch und Regie) eine gelungene Adaption der britischen Serie „Informer“ von Oscar-Preisträger Sam Mendes. Im Mittelpunkt der deutschen Fassung steht Vogel in seiner Rolle des alternden Beamten Bach, dem gegen seinen Willen die junge Kollegin Holly Valentin (Elisa Schlott) zur Seite gestellt wird.

Während die Rollenprofile der meisten anderen Charaktere relativ klar sind, liegt der Reiz von Bach in dessen undurchsichtiger Doppelbödigkeit. Er hat Familie, ist mit sich eigentlich im Reinen, schleppt aber auch Ballast aus einer früheren Tätigkeit als V-Mann im rechtsradikalen Milieu mit sich herum.

Vogel spielt diese Figur mit einer intensiven Präsenz, die vor allen Dingen die Doppelbödigkeit seiner Rolle herausstreicht. Privat wirkt er herzensgut. Beruflich kennt der LKA-Ermittler keine Skrupel, wobei Erpressung noch zu den harmloseren Mittel zählt, mit denen er zum Ziel kommen will. Wie realistisch ist so etwas eigentlich? „Da müsste man sicher diejenigen fragen, die tatsächlich beim LKA oder BKA arbeiten“, sagt Vogel im Gespräch mit unserer Redaktion. „Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass man in Notsituationen zu ganz vielen Mitteln greifen würde, um ans Ziel zu kommen.“

In der Serie laufen die Dinge in der Folge ziemlich schnell aus dem Ruder. Schauspieler Vogel erkennt darin auch Muster, die sich in unserer Wirklichkeit wiederfinden und warnt vor den Folgen: „An Bachs Handlungen und Entscheidungen zeigt sich auch, dass Angst, Druck und Panik nicht immer die richtigen Begleiter für wichtige Entscheidungen sind. Das sieht man ja auch in der Politik. Jeder, der mit Angst lockt, ist ja auch so eine Art ‚Nepper Schlepper Bauernfänger‘.“

In der Serie lässt Drehbuchautor Glasner, der seit Jahrzehnten mit Vogel zusammenarbeitet, den vielschichtigen Protagonisten Bach einen interessanten Satz über V-Leute in ihren Rollen sagen: „Ein guter Schauspieler spielt nicht. Er lebt seine Rolle“. Gilt das auch für Schauspieler? Für Vogel eine klare Sache: „Während des Drehs auf jeden Fall, [ich] kann die Rolle aber nach dem Drehtag gut wieder ablegen.“

Die bis in die Nebenrollen unter anderem noch mit Claudia Michelsen als Bachs Frau hervorragend besetzte Thrillerserie bietet durchgehende Spannung vor einem denkbar realistischen Hintergrund. Dabei bezieht sie ihren Reiz vor allen Dingen aus der Tatsache, dass hinter sämtliche Kulissen aller beteiligten Figuren geschaut wird und so eine einseitige Darstellung der Ereignisse vermieden wird.

„Informant – Angst über der Stadt“ läuft bei Arte Donnerstag und Freitag, 10. und 11. Oktober ab 20.15 im TV und komplett in der Arte Mediathek. Im Ersten am 16. und 17. Oktober im TV und komplett ab 11. Oktober in der ARD Mediathek.

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