Dick Taylor in Aurich  Stones-Mitbegründer ist von hart bis zart ein wahrer Virtuose

Werner Jürgens
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Von Werner Jürgens
| 04.10.2024 12:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch mit 81 Jahren lässt es Dick Taylor immer noch ordentlich krachen. Foto: Werner Jürgens
Auch mit 81 Jahren lässt es Dick Taylor immer noch ordentlich krachen. Foto: Werner Jürgens
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Dick Taylor und Tallyman bescherten im Zwischenraum ein mitreißendes Konzerterlebnis. Es war ein furioses Programm mit vielen Pretty Things- und Stones-Klassikern.

Aurich - Seine Band The Pretty Things galt einst als die wildeste und härteste nicht nur innerhalb der britischen Musikszene. Maßgeblich dafür verantwortlich war vor allem Gitarrist Dick Taylor. Dass es der inzwischen immerhin 81-jährige Engländer nach wie vor ordentlich krachen lassen kann, bewies er bei einem mitreißenden Konzert im Auricher „Zwischenraum“, begleitet von den ebenfalls furios aufspielenden Tallyman.

Altmeister Dick Taylor und die Tallyman ließen bei ihrem Konzert im Zwischenraum viele alte Blues- und Rock-Klassiker neu aufleben. Foto:Werner Jürgens
Altmeister Dick Taylor und die Tallyman ließen bei ihrem Konzert im Zwischenraum viele alte Blues- und Rock-Klassiker neu aufleben. Foto:Werner Jürgens

Schon das Aufwärmprogramm, bevor der Star des Abends überhaupt die Bühne betreten hatte, war vom Allerfeinsten. Die Band Tallyman trieben den Stimmungspegel mit Cover-Versionen bekannter und weniger bekannter Titel von den Beatles, Jethro Tull, Traffic und Paul Carrack im Nu in die Höhe. Die sechsköpfige Truppe glänzte mit anspruchsvollen Arrangements, die neben Blues und Rock eine gehörige Prise Soul enthielten. Frontmann Jürgen Pluta sollte auch im weiteren Verlauf des Konzertes den Leadgesang übernehmen, nachdem sich Dick Taylor hinzugesellt hatte.

Dick Taylor offenbarte erstaunliche Bandbreite

Zu dessen Einstieg gab es mit „Roadrunner“ allerdings zunächst eine Instrumentalnummer, in der der Senior-Chef unmissverständlich klar machte, dass Punkrock-Riffs nicht erst in den 1970er Jahren erfunden worden sind. Bereits auf dem 1965 erschienenen Debüt-Album der „Pretty Things“ war dies das Auftaktstück. Und Dick Taylor demonstrierte in Aurich, warum es bis heute nichts von seiner Zugkraft verloren hat. Ohnehin brachte der Gitarrist sehr zur Freude der zum Teil von weit her angereisten Fans etliche Frühwerke, die ursprünglich allesamt um diese Zeit herum aufgenommen wurden. Die meisten davon hatte er zuletzt mit seinem 2020 verstorbenen langjährigen Weggefährten und „Pretty Things“-Sänger Phil May live gespielt, darunter „Judgement Day“, „She’s Fine, She’s Mine“ und „Buzz the Jerk“.

Zwei Rock-Veteranen, die sich exzellent ergänzen: Gitarrist Dick Taylor und Jürgen Pluta an den Keyboards. Foto: Werner Jürgens
Zwei Rock-Veteranen, die sich exzellent ergänzen: Gitarrist Dick Taylor und Jürgen Pluta an den Keyboards. Foto: Werner Jürgens

Dabei offenbarte Dick Taylor auf seiner elektrischen Gitarre eine erstaunliche Bandbreite, die von traditionellen Blues-Licks über kernige Power-Chords bis hin zum psychedelischen Sound à la Jimi Hendrix & Co. reichte. Was später unter dem Etikett „progressiv“ firmieren sollte, das praktizierten und zelebrierten die Pretty Things im Prinzip bereits ab Mitte der 1960er Jahre und übten damit großen Einfluss auf andere Musiker aus.

Schnellere Nummerndominierten

Allein hatten sie unter dem Strich vergleichsweise geringeren kommerziellen Erfolg als zum Beispiel die Rolling Stones, denen Dick Taylor als eines der Gründungsmitglieder angehört hatte. Als kleine Reminiszenz an diese Ära brachte er am Sonntag eine wunderbar gefühlvolle Interpretation des unter anderem auch von den Stones 1964 als Single veröffentlichten Blues-Klassikers „Little Red Rooster“. Gerade in solchen ruhigeren Momenten ließ der vermeintlich raue Bursche wiederholt seine sanftere, jedoch kaum minder virtuose Seite auf der akustischen Gitarre durchblicken.

Nichtsdestotrotz dominierten im Schlussdrittel seines Auftritts erneut die schnelleren Pretty Things-Nummern wie „Midnight to Six Man“ oder „Rosalyn“. Das vorläufige Finale bildete der „L.S.D.“, ein Song aus dem Jahre 1966, der laut offizieller damaliger Lesart für die Abkürzungen von englischen Pfund, Schilling und Pence stand, in Wahrheit aber natürlich von der Droge handelte. Ob sich die Beatles da nicht vielleicht doch was für ihr „Sgt.Pepper“-Album abgeguckt haben?

Dick Taylor bereute Abstecher nach Aurich nicht

Zur obligatorische Zugabe traten Dick Taylor und die Tallyman mit einer rasanten Bluesrock-Version von „Route 66“ dann noch ein letztes Mal aufs Gaspedal, um anschließend vom restlos begeisterten Publikum mit stehenden Ovationen verabschiedet zu werden.

Gila Altmann und ihr Zwischenraum-Team bedankten sich am Ende nicht nur bei Dick Taylor und den Tallyman für diesen gelungenen Konzertabend sondern ebenso bei Carl van der Walle. Von dem Fotografen sind im Zwischenraum bis Anfang November historische Aufnahmen von Rock-Legenden wie Jimi Hendrix oder „The Who“ zu sehen. Der gebürtige Auricher ist mit Dick Taylor befreundet und hatte sich von ihm ein solches Live-Konzert in seiner Heimatstadt gewünscht.

Taylor und auch die Tallyman haben den Abstecher nach Ostfriesland nicht bereut. Jedenfalls war von ihnen einhellig zu hören, dass sie gerne noch einmal wiederkommen würden.

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