Endlich wieder ein Heimsieg für Kickers Kickers beendet „Gerede vom Heimfluch“
Emden besiegt den Bremer SV nach einer Durststrecke auf eigenem Platz mit 3:1. Im Gästetor stand ein 40-jähriger Doktor mit Kickers-Vergangenheit.
Emden - Trotz eines überragenden Saisonstarts mit Platz zwei als Regionalliga-Aufsteiger herrschte vor dem Mittwoch-Spiel gegen den Bremer SV nicht nur eitel Sonnenschein beim BSV Kickers Emden. Nach einer Oberliga-Saison ohne Heimpleite (16 Siege, ein Remis) und sieben Punkten aus den ersten drei Heimspielen sorgten drei Heimpleiten in Serie für ein völlig ungewohntes Gefühl. „Manche redeten ja schon von einem Heimfluch“, sagte Mittelfeldmotor Kai Kaissis, nachdem Emden manches „Gerede vom Heimfluch“ mit einer guten Leistung und einem 3:1-Erfolg gegen den Bremer SV beendet hatte.
Kickers-Trainer Stefan Emmerling griff vor dem Spiel nicht in die „psychologische“ Trickkiste. Die drei verlorenen Heimpartien hätten schließlich auch anders laufen können. „Ebenso wie manches erfolgreiches Auswärtsspiel auch.“ Aber die Trikotkiste wurde dann zur Trickkiste. Statt im üblichen Hellblau lief Kickers erstmals in dieser Saison im „dritten“ Trikot auf. Mir dem dunkelblauen Jerseys hatte Betreuer Ingo Poppen die richtige Idee – auch wenn es nach 33 Minuten zunächst ein Déjà-vu gab. „Man nimmt sich so viel vor, kommt gut ins Spiel und liegt dann auf einmal wieder zurück. Das ist dann etwas Kopfkino“, erzählte Kai Kaissis nach dem Spiel.
Kickers liegt wieder zurück
Die Bremer gingen mit ihrer ersten Offensivaktion nach 23 Minuten in Führung. Das übliche „wie aus dem Nichts“ formulierte Gäste-Trainer Sebastian Kmiec so: „Das gab der Spielverlauf nicht her.“ Denn Kickers dominierte, besaß durch David Schiller eine gute Chance (2.) und zwei weitere Halbchancen. Ausgerechnet der Ex-Emder Nikky Goguadze, der in Ostfriesland auch schon für Germania Leer und GW Firrel gespielt hatte, traf dann für die Bremer.
Nach einer Ecke entwischte er Bewacher Tido Steffens und verlängerte den Ball technisch sauber mit dem Fuß aus der Luft nehmend ins lange Eck. Kurz darauf rettete Tim Dietrich mit einer Grätsche in höchster Not (29.).
„Wir haben uns nach dem 0:1 zum Glück nicht entmutigen lassen, die Ruhe bewahrt“, sagte der Mann, der die Partie wieder in die Emder Richtung drehte: Tobias Steffen. Er war es, der nach einem Dribbling kurz vor dem Bremer Strafraum einen Freistoß herausholte. Und der „Zauberfuß“ war es auch, der diesen dann aus 22 Metern sehenswert über die Mauer ins obere linke Eck schlenzte (33.).
Ein alter Bekannter im Bremer Tor
Kurz darauf hätte das 2:1 einmal fallen können, Sekunden später müssen. Tido Steffens stibitze einem Bremer den Ball und scheiterte vor dem Tor aus ganz kurzer Distanz an Gästekeeper Tobias Duffner. Für Duffner war es die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. In der Saison 2008/2009 gehörte er als Ersatzmann zum Emder Torwartteam in der 3. Liga. Die Bremer holten den Doktor (Sportwissenschaft, Sportökonomie) im Januar aus der Fußball-Rente zurück – mit 40 Jahren.
Duffner musste nach 56 Minuten dann ein zweites Mal hinter sich greifen. Nach einer guten Kombination drückte Tobias Steffen den Ball nach einer scharfen Schiller-Hereingabe über die Linie (56.). Und dann half Dr. Duffner, das Schiller nach langer Zeit auch mal wieder treffen konnte. Der Routinier ließ den Ball nach einer harmlosen Schiller-Fanke durch die Hände gleiten. „Wir wollten, dass David nach dem Wechsel öfter auf den Flügel ausweicht. Das hat gut geklappt“, freute sich Trainer Emmerling, der die letzten 20 Minuten als „kleinen Makel“ eines verdienten Heimsieges sah.
Doch all das war nach dem Abpfiff für die Emder nach dem Ende einer kleinen Misere nur nebensächlich. Nach dem Sieg und vor dem nächsten Heimspiel – bereits an diesem Samstag gegen Jeddeloh (18 Uhr) – sagte David Schiller abschließend: „Ich bin einfach glücklich.“
Tore: 0:1 Goguadaze (23.), 1:1 Steffen (33.), 2:1 Steffen (56.), 3:1 Schiller (60.).
Kickers Emden: Bergmann, Podolski (90. Eilerts), Dietrich, Herbst, Engel, Kaissis (86. Stöhr), Siderkiewicz, Steinwender (73. Abbey), Steffen (73. Eickhoff), Steffens (86. Schmidt), Schiller.