Osnabrück Herbstferien ohne Hektik: Wie Familien die Ferienzeit stressfreier gestalten
Ferienzeit: Ein logistisches Puzzle für berufstätige Eltern. Während Kinder ihre Auszeit genießen, kämpft so manche Familie mit der Herausforderung, Beruf und Betreuung unter einen Hut zu bringen. Diese Ausgabe von „Mensch, Papa!“ zeigt Strategien, um die Ferien stressfrei zu meistern.
Die Blätter färben sich bunt, der Wind wird kühler, und die Tage werden kürzer – der Herbst ist da! Für viele Familien stehen kurz nach den Sommerferien schon die Herbstferien vor der Tür. Kinder erhalten in dieser Zeit eine wohlverdiente Verschnaufpause – und die wird für Eltern eine große logistische Herausforderung: Planen, Organisieren und versuchen, den eigenen Alltag irgendwie unter einen Hut zu bekommen.
Werfen wir zunächst einen Blick in die Statistik: Schulkinder haben zusammengerechnet etwa 15 Wochen Ferien, das entspricht 75 Werktagen. Viele Kitas und andere Betreuungseinrichtungen schließen ebenfalls zur Ferienzeit. Ein Arbeitnehmer in Vollzeit hat Anspruch auf mindestens 20 Urlaubstage im Jahr; durchschnittlich sind es in Deutschland 28. Hinzu kommen zehn bis zwölf gesetzliche Feiertage. Man muss kein Mathegenie sein, um zu merken: Das wird knapp. Auch, weil in immer mehr Familien mit kleinem Kind beide Elternteile arbeiten (müssen). In Paarfamilien mit einem Kind unter 3 Jahren galt das in 35 Prozent der Fälle. Letztmals hat das Statistische Bundesamt dazu 2019 Daten veröffentlicht. Der Trend dürfte sich aber fortgesetzt haben. Es gibt wieder mehr Familien in Deutschland: Im Jahr 2023 über 12,1 Millionen; 2019 waren es noch 11,66 Millionen. Als „Familie“ im statistischen Sinn gelten alle Eltern-Kind-Gemeinschaften.
Besonders hart trifft es Alleinerziehende. 1,5 Millionen Eltern ziehen ihre Kinder allein auf – 85 Prozent von ihnen sind weiblich. Seit 2010 ist der Anteil der arbeitenden alleinerziehenden Mütter in den ersten drei Lebensjahren des Kindes um 15 bis 20 Prozent gestiegen.
Was können berufstätige Eltern also tun, wenn die Kinder noch nicht allein zu Hause bleiben können? Einige Antworten sind naheliegend, fast alle haben Nachteile. Eltern nehmen sich zeitversetzt frei und verteilen den Urlaub aufs Jahr, wodurch oftmals keine gemeinsame Auszeit mehr möglich ist. Falls es ihnen möglich ist, bitten Eltern Großeltern um Unterstützung oder sie nutzen ein gutes Netzwerk aus Freunden und Bekannten. Ab einem gewissen Alter bieten sich Ferienfreizeiten an. Die kosten allerdings Geld und enthalten keine Garantie, dass den Kids die Zeit gefällt und sie bis zum Ende bleiben (wollen). Mit Kosten verbunden ist auch eine private Betreuung, z.B. mit einer Tagesmutter oder einem Au-pair. Doch wer kann sich das auf Dauer leisten? Wer in einer großen Stadt wohnt, hat vielleicht noch die Möglichkeit, sein Kind in einer anderen Einrichtung oder einem Ganztagshort betreuen zu lassen. Aber wer auf dem Land lebt, geht meist leer aus.
In unserer Familie ist die Ferien-Organisation ein Mix aus allem. Einige Tage teilen meine Frau und ich uns auf, an anderen reisen die Großeltern an und unterstützen uns. Es ändert jedoch nichts daran, dass wir eine Afterwork-Familie bleiben. Innerhalb der Woche beschränkt sich die Zeit mit den Kindern auf die oftmals stressigen Morgenstunden und den Zeitraum zwischen Kindergarten und Schlafenszeit. Das sind, je nach Abhol- und Ins-Bett-Geh-Zeit, im Schnitt drei bis vier Stunden. Je nach Tagesverfassung kann das ganz schön viel oder ganz schön wenig sein. Meistens eher wenig, müssen in dieser Zeit doch noch der Haushalt, der Einkauf, das Essen, die Hausaufgaben, diverse Arzttermine und vieles mehr erledigt werden.
Dieser Zeitdruck erzeugt Stress und kann im schlimmsten Fall alles überlagern. Doch zwei Ansätze helfen uns, das Stresslevel deutlich zu senken: Zum einen brauchen Eltern kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ihre Kinder ganztägig betreut werden. Kinder profitieren von einem abwechslungsreichen Umfeld, das ihre Entwicklung fördert. Zum anderen – und das ist für mich besonders wichtig – muss nicht jeder Tag etwas Besonderes sein. Das gilt in den Ferien genauso wie an Werktagen und Wochenenden. Um als Familie zusammenzuhalten, sind klare Strukturen, feste Routinen und vertraute Rituale entscheidend – auch während der Ferien. Sie geben allen Familienmitgliedern Stabilität, Orientierung und Sicherheit. Wenn Eltern die Familienzeit als Geschenk betrachten, auch in den stressigen Ferien, können sie diese bewusster genießen und mehr aus diesen Momenten schöpfen.