Osnabrück  Wildunfall mit Reh, Wolf & Co.: Wann zahlt die Kfz-Versicherung?

Hannah Petersohn
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Von Hannah Petersohn
| 02.10.2024 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Erhöhtes Risiko für Wildunfälle im Herbst: Welche Versicherung übernimmt welchen Schaden? Foto: IMAGO / imagebroker
Erhöhtes Risiko für Wildunfälle im Herbst: Welche Versicherung übernimmt welchen Schaden? Foto: IMAGO / imagebroker
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Die Gefahr eines Wildunfalls ist im Herbst besonders groß. Experten geben wichtige Hinweise zur Vermeidung und erklären, wann Kasko- und Haftpflichtversicherungen greifen und warum eine erweiterte Wildschadenklausel wichtig sein kann.

Alle zwei Minuten kollidiert ein Autofahrer mit einem Wildtier, warnt der Verband der Versicherungswirtschaft (GDV). Zwischen Oktober und Dezember sei das Risiko besonders hoch. „Gerade in den kommenden Wochen sollten Autofahrer also besonders vorsichtig fahren“, sagt Jörg Asmussen, GDV-Hauptgeschäftsführer. Vor allem in der Dämmerung sollten Fahrer derzeit ihre Geschwindigkeit drosseln, um einem Wildunfall vorzubeugen.

Der GDV rät davon ab, die Tiere mit Fernlicht zu blenden, um sie zu verscheuchen. Das würde die Tiere nur verwirren, dadurch verlieren sie die Orientierung und laufen gerade zur Lichtquelle – tun also genau das, was man verhindern will. „Sinnvoller ist es, Wildtiere durch Hupen zu verscheuchen“, erklärt der Verband.

Doch wer übernimmt die Kosten, wenn es doch passiert und das Auto bei einer Kollision mit einem Tier beschädigt wird? Der Versicherungsexperte Oliver Mest erklärt, unter welchen Umständen eine Versicherung den Schaden übernimmt und was Autofahrer beachten sollten.

Die wichtigste Versicherung im Falle eines Wildunfalls ist die Kaskoversicherung. Eigene Schäden am Fahrzeug werden von ihr gedeckt, während Schäden an anderen Verkehrsteilnehmern, beispielsweise durch Ausweichmanöver, über die Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs abgedeckt werden. Auch Mitfahrer im Auto sind über die Police geschützt, falls sie durch einen Wildunfall verletzt werden.

Der grundlegende Schutz gegen Wildunfälle wird von der Teilkaskoversicherung abgedeckt. Diese springt in der Regel ein, wenn es zu einer Kollision mit einem Wildtier kommt. Allerdings gibt es Unterschiede im Versicherungsumfang. Standardverträge sehen oft nur eine Deckung bei Unfällen mit Haarwild vor, also Tieren, die unter das Bundesjagdgesetz fallen, erklärt Mest.

Dazu gehören unter anderem Rehe, Hirsche, Wildschweine und Füchse. Wer jedoch sicherstellen möchte, dass er auch bei einer Kollision mit anderen Tieren – wie beispielsweise Kühen, Hunden oder Wölfen – abgesichert ist, sollte auf eine erweiterte Wildschadenklausel achten. Solche Verträge decken Unfälle mit allen Tieren ab und bieten somit einen umfassenderen Schutz.

„Gute Verträge sehen vor, dass bei einer Kollision mit einem Tier immer gezahlt wird, egal um welches Tier es sich handelt“, erklärt Versicherungsmakler Mest. Wer oft in Gebieten unterwegs ist, in denen auch größere Nutztiere wie Kühe oder Pferde auf die Straße laufen könnten, sollte diese erweiterte Klausel in Erwägung ziehen.

Ein Wildtier auf der Straße löst oft eine Schreckreaktion aus. Viele Autofahrer weichen instinktiv aus, um eine direkte Kollision zu verhindern. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. „Es kann problematisch werden, wenn man einem Tier ausweicht und dadurch einen Unfall verursacht“, warnt Mest. In solchen Fällen muss nachgewiesen werden, dass es sich um ein größeres Tier gehandelt hat, damit die Teilkaskoversicherung den Schaden übernimmt. 

Gelingt dieser Nachweis nicht, greift nur die Vollkaskoversicherung. Das kann für den Versicherten jedoch teuer werden, da eine Regulierung über die Vollkasko in der Regel zu einer Hochstufung und damit zu höheren Versicherungsbeiträgen führt.

Besonders wichtig ist es daher, bei einem Wildunfall Ruhe zu bewahren und keine abrupten Ausweichmanöver zu unternehmen, die zu einem noch größeren Schaden führen könnten. „Ein sicheres Ausweichmanöver ist keineswegs garantiert“, warnt auch der GDV. „Das Ausweichen birgt in der Regel meist größere Gefahren als die Kollision mit einem Wildtier.“ 

Zusatzversicherungen, die spezielle Fälle bei Wildunfällen abdecken, gibt es nicht. „Aber es ist immer gut, wenn man alle anderen Verträge im Blick hat, die man abgeschlossen hat“, rät Versicherungsmakler Mest. 

Eine Rechtsschutzversicherung kann eine nützliche Ergänzung sein, so Mest, wenn sie auch eine sogenannte Wildschadenbeihilfe bietet. Diese unterstützt den Versicherten mit bis zu 1.050 Euro im Jahr. „Sie kann man zum Beispiel nutzen, um eine Selbstbeteiligung bei der Kaskoversicherung auszugleichen.“

Wenn es trotz aller Vorsicht zu einem Unfall mit einem Wildtier kommt, sollten Autofahrer schnell und besonnen handeln. Oliver Mest und der GDV geben klare Empfehlungen, welche Schritte unbedingt zu beachten sind:

Mit diesen Maßnahmen sind Sie auf der sicheren Seite und erleichtern die spätere Abwicklung mit der Versicherung. Auch wenn der Schock nach einem Wildunfall tief sitzt, helfen diese Schritte, den Schaden so schnell und reibungslos wie möglich regulieren zu lassen.

Ein Wildunfall kann jeden Autofahrer unerwartet treffen. Wer gut versichert ist und im Ernstfall richtig reagiert, kann jedoch viel Ärger und finanzielle Einbußen vermeiden. Der Abschluss einer umfassenden Teilkaskoversicherung, die auch Schäden durch Kollisionen mit anderen Tieren abdeckt, ist dabei entscheidend. Ebenso wichtig ist es, nach einem Unfall die richtigen Schritte einzuleiten und notwendige Nachweise zu erbringen, damit die Versicherung den Schaden ohne Probleme regulieren kann.

Hinweis: Ein Leser hat darauf aufmerksam gemacht, dass ein Hinweis missverständlich formuliert worden war. Die 112 Notrufnummer muss gewählt werden, sollte es zu einem Personenschaden gekommen sein. Ist das nicht der Fall, muss lediglich Polizei verständigt werden.

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