Schule ohne Smartphones  Handys an Auricher Schulen – Balance zwischen Verbot und Erziehung

| | 01.10.2024 16:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein komplettes Handyverbot ist in Deutschland nicht zugelassen. Foto: DPA
Ein komplettes Handyverbot ist in Deutschland nicht zugelassen. Foto: DPA
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Smartphones an Schulen – Ja oder Nein? Viele europäische Länder sagen klar: Nein. Doch in Deutschland dürfen Schulleiter selbst über die Regeln entscheiden. Wie es an Auricher Schulen abläuft.

Aurich - Sollten Schüler ihre privaten Geräte in der Schule verwenden dürfen? In Deutschland gibt es - anders als in anderen Ländern - keine gesetzlichen Vorgaben für Verbote. Schulleiter im Landkreis Aurich sind sich bei ihrer Meinung zu Smartphones in der Schule dennoch relativ einig.

Rüdiger Musolf, Leiter des Auricher Gymnasiums Ulricianum, berichtet, dass es an seiner Schule eigentlich ein generelles Handyverbot geben sollte. Der Vorschlag sei allerdings als unverhältnismäßig eingestuft worden. „Wenn es nach mir ginge, wären die Handys ganz verboten. Aber das geht nun mal nicht. Deshalb schränken wir die Nutzung so weit ein, wie es geht", sagt Musolf. Es gibt am Ulricianum bestimmte Bereiche, in denen ein privates Smartphone genutzt werden darf. Im Unterricht dürfen ausschließlich die Tablets verwendet werden, die für Schüler ab der 8. Klasse verpflichtend sind. Den Schülern den richtigen Umgang mit digitalen Geräten beizubringen, ist dem Schulleiter sehr wichtig. Deshalb war er dafür, die Tablets in den Unterricht zu integrieren.

Auch die Jüngsten bereits digital ausgestattet

Eine ähnliche Herangehensweise gibt es an der Auricher Realschule. Schulleiterin Kathrin Peters berichtet, dass es an ihrer Schule ein Nutzungsverbot für Smartphones während des Unterrichts gibt. Die Mobiltelefone müssen in einem sogenannten Handyhotel abgelegt werden. „Am liebsten wäre es dem Kollegium, wenn die Handys zu Hause bleiben würden. Dann gäbe es keine Diskussionen mehr“, sagt die Schulleiterin. Es habe bereits Fälle von Cybermobbing oder unerlaubten Bildaufnahmen gegeben - daher das Verbot.

In einem solchen „Handyhotel“ müssen Schüler der Auricher Realschule ihre Handys während des Unterrichts lagern. Foto: Realschule Aurich
In einem solchen „Handyhotel“ müssen Schüler der Auricher Realschule ihre Handys während des Unterrichts lagern. Foto: Realschule Aurich

Genau wie das Ulricianum arbeitet auch die Auricher Realschule im Unterricht mit Tablets. Bereits ab der fünften Klasse besitzen die Schüler solche Geräte. Außerdem berichten sowohl Musolf als auch Peters, dass auch die jüngsten Schüler bereits Smartphones besitzen. Es gäbe an beiden Schulen kaum Schüler, die kein eigenes Handy hätten.

Hass und Beleidigungen durch Handys normalisiert

Eine etwas andere Meinung vertritt Günter Tautz, Leiter der IGS Ihlow. Früher, sagt er, hat er sich auch für ein generelles Handyverbot eingesetzt. „Mittlerweile frage ich mich aber, ob wir mit so einem Verbot die Probleme nur in den privaten Raum verschieben würden, anstatt sie zu lösen", sagt der Schulleiter. Auch die Ihlower Schüler arbeiten ab der 8. Klasse mit Tablets. An der Hermann-Tempel-Schule dürfen die Schüler ihre privaten Geräte nur in den Pausen und in bestimmten Bereichen auf dem Schulhof verwenden, sagt Tautz.

Cybermobbing habe es auch an der Ihlower Schule gegeben. „Teilweise haben Schüler sich in Whatsapp-Gruppen aufs Übelste beleidigt. Das fand ich wirklich erschreckend", sagt der Schulleiter. Ein so grober Umgang werde durch die Nutzung von digitaler Kommunikation teilweise normalisiert. Gerade deshalb hält es Tautz für sehr wichtig, über die Möglichkeiten und Gefahren von Smartphones aufzuklären. Er wünscht sich, dass es eine übergreifende Entscheidung zu diesem Thema gebe, die alle Schulen betrifft. So stünde nicht jede Schule allein vor der Aufgabe, ein eigenes Medienerziehungsprogramm zu entwickeln.

Generelles Handyverbot: Nicht juristisch tragbar

Die drei Schulleiter sind sich in vielen Punkten einig. Cybermobbing komme an jeder der drei Schulen vor und werde durch die Nutzung privater Geräte begünstigt. Deshalb sei eine Einschränkung zur Nutzung der Geräte wichtig. Wie sehr man einschränkt, ist von Schule zu Schule unterschiedlich. Eine übergreifende Regelung seitens der Landesregierung würde diese Unterschiede ausmerzen. Ob das allerdings zielführend im Hinblick auf die Probleme mit digitalen Endgeräten ist, steht noch zur Debatte.

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