Unternehmenskultur in Aurich Firmen in Schirum suchen direkte Nähe zueinander
Vor zwei Jahren haben die Wachstumsregion Ems-Achse und die Hochschule Emden/Leer im Gewerbegebiet Aurich-Schirum ein Pilotprojekt auf den Weg gebracht. Der Erfolg lässt sich schon jetzt ablesen.
Aurich - Seit etwas mehr als einem Jahr ist die Firma Oltmanns GmbH Schlosserei und Stahlbau im Auricher Gewerbegebiet Schirum IV ansässig. Dorthin war das Unternehmen aus Riepe gezogen, weil es expandieren wollte. Das war am alten Standort nicht möglich. Seine mit dem Umzug verbundenen Erwartungen hätten sich erfüllt, sagt Inhaber und Geschäftsführer Holger Bruns auf Anfrage der Redaktion.
Er sei sehr zufrieden, nicht zuletzt, weil man sich um seinen Betrieb kümmere. So habe der Verein Wachstumsregion Ems-Achse gemeinsam mit der Hochschule Emden/Leer im Juli 2022 einen Gewerbegebietecheck ins Leben gerufen. Sein Unternehmen sei eines von 100, die sich an diesem Pilotprojekt beteiligten. Davon verspreche man sich einiges, sagt der Chef der Firma Oltmanns, die Brücken, Krananlagen und Hallenkonstruktionen, aber auch Geländer, Balkone oder Carports baut. Die Redaktion hat sich für die Hintergründe dieses Checks interessiert.
Was will der Gewerbegebietscheck bewirken?
Mit dem Projekt wolle man Synergien ermitteln, die Firmen in Gewerbegebieten nutzen könnten. „Wir haben auf Basis von Recherchen und Netzwerkarbeit sowie vielen persönlichen Gesprächen mit Unternehmen vor Ort acht Handlungsfelder identifiziert und eine passende Umfrage hierzu entwickelt“, sagt Aiko Hinrichs. Der Projektmanager der Ems-Achse und wissenschaftliche Mitarbeiter der Hochschule Emden/Leer verweist auf die Möglichkeit, dass benachbarte Unternehmen Ressourcen wie Energie oder Material austauschen. Denkbar sei auch die gemeinsame Nutzung von Dienstleistungen, indem man etwa Aus- oder Weiterbildung zusammen organisiere. Das steigere nicht nur die Arbeitgeber-Attraktivität, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte. Die Vorteile: Kosten lassen sich perspektivisch senken, die Effizienz jedes einzelnen Unternehmens wird gesteigert.
In welcher Phase steckt das Projekt derzeit?
Laut Aiko Hinrichs werden derzeit Umfragebögen ausgewertet, die den Firmen zugesandt wurden. „Ziel ist es, den Unternehmen Handlungsempfehlungen zu geben“, sagt der Ems-Achse-Manager. Dazu soll ein in Arbeit befindliches Tool dienen
Was hat der Check bisher gebracht?
Durch die vielen Gespräche habe man festgestellt, dass sich die Geschäftsführer etlicher Firmen gerne kennenlernen würden. Man habe deshalb einige niederschwellige Aktionen initiiert. Das müsse man sich sehr praxisnah vorstellen, so Hinrichs. „Ich selbst habe ein sogenanntes Frischluftforum ins Leben gerufen. Das heißt, dass sich die Unternehmer zum gemeinsamen Spaziergang getroffen haben. So hat man mit mir als Projektmanager das Gewerbegebiet erkundet.“ Dabei sei aufgefallen, dass es einen Schilderwald in Schirum gebe, der optisch nicht sehr einladend sei. Das werde man demnächst mithilfe der Stadt vereinheitlichen.
Gibt es noch Ansiedlungsmöglichkeiten in Schirum?
Im Gewerbegebiet Schirum IV gebe es noch eine freie Fläche von rund 11.000 Quadratmetern, sagte Stadtsprecher Cord Cordes auf Anfrage. Aktuell seien dort 13 Grundstücke verkauft, davon habe man sechs bereits bebaut und in Betrieb genommen. Auf zwei Grundstücken werde aktuell gebaut. Fünf Grundstücke seien zwar verkauft, aber man habe noch nicht mit dem Bau begonnen. Das muss zwei Jahre nach Vertragsunterzeichnung passiert sein, sonst muss der Kauf rückabgewickelt werden. Auf diese Weise versucht die Stadt, Spekulationen mit dem Boden entgegenzuwirken. Der aktuelle Quadratmeterpreis für die Flächen im Gewerbegebiet Schirum IV beträgt 35 Euro.
Welche Erweiterung ist in Schirum I geplant?
In Schirum I will die Kunststoffrecycling-Firma B-Plast 2000 ihr bisher acht Hektar großes Areal noch mal erweitern. Die dafür erforderliche Fläche hat B-Plast-Chef Theo Bohlen bereits von einem Landwirt erworben. Sie soll unter Umständen nicht alleine von B-Plast 2000 selbst, sondern auch von anderen Firmen genutzt werden können.