Hamburg  Verhaltensnoten in Italien: Schleimen, sonst setzt‘s was!

Sören Becker
|
Von Sören Becker
| 28.09.2024 09:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
In Italien soll nicht mehr nur die fachliche Leistung der Schüler zählen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
In Italien soll nicht mehr nur die fachliche Leistung der Schüler zählen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Artikel teilen:

In Italien soll das Verhalten von Schülern wieder benotet werden. Deutschland sollte sich daran jedoch kein Vorbild nehmen.

Italienische Politiker neigen dazu, rhetorisch ziemlich dick aufzutragen. Das sieht man mal wieder an der jüngsten Reform des italienischen Schulnotensystems. Von einem „Wendepunkt in der italienischen Gesellschaft“ (Premierministerin Giorgia Meloni) bis zu einem „Werkzeug der Repression“ (Schülervertreter Tommaso Martelli) gehen die Meinungen weit auseinander.

Was hinter der Aufregung steckt: Italienische Schulen sollen wieder das Verhalten ihrer Schüler benoten. Das gibt es auch in einigen deutschen Bundesländern, wie Niedersachsen. Doch die Konsequenzen sind weniger drakonisch: Eine schlechte Kopfnote kann in Italien bald mit einem Strafaufsatz in den Sommerferien, Sitzenbleiben trotz guter fachlicher Leistungen oder dem Ausschluss vom Abitur-Äquivalent belohnt werden.

Egal, was man von der neuen Note hält: Es ist vor allem erst einmal Unfug. Überprüfbare Kriterien, nach denen diese Noten verteilt werden, sind nicht in Sicht. Lehrer könnten sie also willkürlich erteilen. Der Mangel an objektiven Bewertungskriterien war auch einer der Gründe, warum Nordrhein-Westfalen die Kopfnoten nur drei Jahre nach ihrer Einführung wieder abgeschafft hat. Es steht zu befürchten, dass nicht nur ernste Vergehen mit einer schlechten Note bestraft werden.

Das sendet ein fatales Signal. Zieht sich Italien eine Generation von Schleimern heran? Denn auch wenn der Unterricht dann reibungsloser verläuft: Das Hinterfragen von Autoritäten gehört zur demokratischen Bildung.

Sicher: Ähnlich wie in der Bundesrepublik haben die Gewalttaten an Schulen in Italien zugenommen und es gibt Klagen über antisoziales Verhalten von Schülern. Doch diesen Problemen nur mit härteren Strafen beizukommen, greift zu kurz. Die Abschreckungswirkung von harten Strafen wird allgemein überschätzt. Gerade wenn es um Kinder und Jugendliche geht, die die Folgen ihres Handelns oft nicht abschließend abschätzen können.

Viel wichtiger ist es, dass ernste Vergehen auch in der Schule schnell, konsequent und anhand von nachvollziehbaren Kriterien geahndet werden. Eine Note, die erst am Ende des Schuljahres nach weitgehend subjektiven Kriterien vergeben wird, erfüllt diese Anforderungen nicht.

Ähnliche Artikel