Straßenverkehr  Eltern fordern Tempo 30 vor Auricher Gymnasium

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 27.09.2024 16:03 Uhr | 3 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mittags herrscht ab 13.05 Uhr für zehn Minuten Hochbetrieb auf dem Gehweg an der Von-Jhering-Straße. Foto: Heino Hermanns
Mittags herrscht ab 13.05 Uhr für zehn Minuten Hochbetrieb auf dem Gehweg an der Von-Jhering-Straße. Foto: Heino Hermanns
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Von-Jhering-Straße und Emder Straße bilden zusammen eine vierspurige Bundesstraße. Um die Sicherheit für die Schüler zu erhöhen, fordern die Eltern dort ein Tempolimit. Was die Stadt Aurich dazu sagt.

Aurich - Tempo 30 auf der Von-Jhering-Straße sowie auf der Emder Straße fordern die Eltern des Gymnasiums Ulricianum. Im Bereich der großen Schule sollten die Autos gezwungen werden, langsamer zu fahren. Einen entsprechenden Antrag richtete der Schulelternrat im Juni an die Stadt Aurich. Diese könnte handeln, obwohl es sich bei den beiden genannten Straßen um eine Bundesstraße handelt. Denn seit 2016 sieht die Straßenverkehrsordnung Tempo 30 im unmittelbaren Bereich von Schulen als Regelfall vor – nicht als Ausnahme. Eine Vorgabe, die unabhängig davon gilt, ob es sich um Gemeinde-, Kreis-, Landes- oder Bundesstraßen handelt. Auch ein Nachweis, dass es an der Stelle eine besondere Gefahr gibt, ist nicht mehr erforderlich, führt der Schulelternrat in seinem Antrag aus.

Regelmäßig springt nach Schulschluss die Ampel in Höhe Friedhofstraße auf Rot und bremst die Autos. Foto: Heino Hermanns
Regelmäßig springt nach Schulschluss die Ampel in Höhe Friedhofstraße auf Rot und bremst die Autos. Foto: Heino Hermanns

Demnach könne nur im Ausnahmefall von Tempo 30 abgesehen werden. Daher drängen die Eltern darauf, auf der Von-Jhering-Straße zwischen dem Krähennestergang und der Einmündung der Bahnhofstraße Tempo 30 einzurichten. Ebenso sollte auf der Emder Straße zwischen der Julianenburger Straße und dem Wallster Weg die erlaubte Höchstgeschwindigkeit reduziert werden. Denn insbesondere morgens zwischen 7.15 Uhr und 7.45 Uhr sowie mittags ab 13 Uhr füllen laut den Eltern viele Jugendliche gleichzeitig die Gehwege um die Schule. Immer wieder müsse man feststellen, dass die Schüler unachtsam auf die Straße gerieten oder trotz Rotlichts die Straßen überquerten. Tatsächlich konzentriert sich der größte Schülerstrom an der Von-Jhering-Straße auf rund zehn Minuten, nachdem um 13.05 Uhr die Schulklingel den Unterricht nach der sechsten Stunde beendet hat.

Schulleiter regt Absperrung mit Hecke an

Unterstützt wird das Ansinnen der Eltern von Schulleiter Rüdiger Musolf. Er sieht in der viel befahrenen Bundesstraße ein echtes Problem, wie er auf Anfrage unserer Redaktion sagt. Als das Gymnasium errichtet worden sei, habe es sich noch um die ruhige „Gartenstraße“ gehandelt. Mit der Von-Jhering-Straße und der Emder Straße habe man eine potenzielle Gefährdung für die Schüler vor der Tür. Er lobte die Elternschaft, die „mit großer Akribie die Rechtslage geprüft“ hätten.

Neben einem Tempolimit gebe es weitere Möglichkeiten, so Musolf. Das habe eine Begehung mit dem Sicherheitsbeauftragten der Schule, Frank Lüngen, gezeigt. So könnte man eine bessere Beschilderung anbringen. Denkbar seien auch Absperrgitter auf dem Gehweg in Richtung der Fahrbahn. Sollte es dafür an Platz mangeln, könnte man sicherlich ein paar Zentimeter vom Schulgelände abzwacken. Musolf erinnerte daran, dass es bis in die 1980er-Jahre entlang des Gehweges vor dem Gymnasium noch Metallpfosten mit Absperrketten gegeben habe. Denkbar wäre vielleicht auch, eine Hecke zwischen Fahrbahn und Gehweg zu pflanzen.

Radfahrer könnten eingeschränkt werden

Bislang haben die Überlegungen von Eltern und Schulleitung weder die Stadt noch die niedersächsische Straßenbaubehörde (NLSTBV) überzeugt. Mitte September teilte die Stadt Aurich den Eltern in einem Schreiben, dass der Redaktion vorliegt, mit, dass es bei Tempo 30 keinen Sicherheitsgewinn geben würde. Denn der unmittelbare Zugang zum Gymnasium befinde sich nicht direkt an der Bundesstraße. Zudem gebe es drei Ampeln, die den Verkehr ausbremsen würden.

Zeitlich versetzt werden die Autos auch an der Ampel in Höhe der Bahnhofstraße gestoppt. Foto: Heino Hermanns
Zeitlich versetzt werden die Autos auch an der Ampel in Höhe der Bahnhofstraße gestoppt. Foto: Heino Hermanns

Auch von Absperrgittern hält die Stadt nicht viel. Denn dadurch würde der Gehweg schmaler. Und eine solche Absperrung könnte selbst zur Gefahr werden. Eine sehr starke Belastung des Gehweges würde nur zweimal am Tag für kurze Zeit vorkommen. Nachdenken könne man allenfalls darüber, Radfahrern die Nutzung des linksseitigen Gehweges, also entgegen der Fahrtrichtung des Straßenverkehrs, zu verbieten. Derzeit dürfen Radfahrer auch linksseitig fahren, wenngleich offiziell nur in Schrittgeschwindigkeit.

Straßenbehörde sieht Verkehrsfluss in Gefahr

Auch die NLSTBV möchte kein Tempolimit einführen, wie Sprecher Johannes Booken auf Anfrage sagt. Denn das Grundstück des Gymnasiums befinde sich zwar an der Bundesstraße, der Zugang zum Gebäude – und das sei mit Blick auf die Gefährdungslage relevant – jedoch nicht. Weiterhin habe die Erfahrung gezeigt, dass viele Verkehrsteilnehmer sich nicht an eine (vorübergehende) Reduzierung des Tempolimits halten würden. Booken verweist auf die Erfahrungen bei Oster- und Herbstmärkten auf dem Parkplatz der Sparkassen-Arena. „Darüber hinaus wäre eine grundsätzliche Anpassung des Verkehrsrechners erforderlich.“ Dies würde zu erheblichen Veränderungen im Verkehrsfluss des gesamten Stadtgebietes führen. „Zuletzt möchten wir betonen, dass es sich hierbei um eine Bundesstraße mit einer nicht zu unterschätzenden Verkehrsbedeutung handelt.“

Zur Sicherheit der Schüler soll auch der verbreiterte Übergang in Höhe der Bahnhofstraße dienen. Bereits am ersten Schultag Anfang August hätte die Ampel angepasst werden sollen. Das ist bislang nicht geschehen. Zwei große Löcher im Boden zeugen von dem ersten Versuch. Der Umbau der Ampelanlage soll nun in den Herbstferien in Angriff genommen werden, so Booken.

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