Osnabrück  Tipps gegen Hörverlust: Wie Sie Ihr Gehör schützen können und warum Ohrenschmalz dabei sogar gesund ist

Hannah Petersohn
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Von Hannah Petersohn
| 09.10.2024 07:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ohren- und Lärmschutz sind wichtig, um das Gehör zu schützen. Aber es gibt noch andere Risiken, die einen Hörverlust auslösen können. Foto: IMAGO / Pond5 Images
Ohren- und Lärmschutz sind wichtig, um das Gehör zu schützen. Aber es gibt noch andere Risiken, die einen Hörverlust auslösen können. Foto: IMAGO / Pond5 Images
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Gehörschutz ist essenziell, um Hörschäden zu verhindern. Welche Maßnahmen langfristig noch helfen, warum Ohrenschmalz dabei eine Rolle spielt, inwiefern Medikamente das Gehör gefährden können und wie man Betroffene unterstützen kann.

Um sich vor einem Hörverlust zu schützen, müsse man unbedingt auf ausreichend Gehör- und Lärmschutz achten, erklärt Professor Dirk Beutner, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Universitätsmedizin Göttingen. Denn der häufigste Grund für die Beeinträchtigung eines gesunden Gehörs sei Lärm. „Vermeiden Sie Lärm, so gut es geht“, rät er. Das gelte sowohl für kurze als auch für dauerhafte Lärmbelastungen. 

Besonders kritisch sei Lärm ab 85 Dezibel, was der Lautstärke einer Hauptverkehrsstraße entspricht. Unternehmen sollten für Arbeitsplätze, an denen die Mitarbeiter vor Lärm geschützt werden, sorgen. Laut Beutner ist es wichtig, Musik in einer moderaten Lautstärke zu hören. Besonders bei der Nutzung von Kopfhörern betont er: „Lärmreduzierende Kopfhörer können helfen, die Lautstärke gering zu halten.“ Wer Musik mit herkömmlichen Kopfhörern hört, sollte darauf achten, die Lautstärke nicht zu stark aufzudrehen.

Allerdings kann Gehörschutz, der in den äußeren Gehörgang eingebracht wird, auch das Ohrenschmalz nach hinten schieben, ähnlich wie bei der Verwendung von Wattestäbchen. Dies führt dazu, dass das Ohr durch quellendes Ohrenschmalz, beispielsweise beim Duschen oder Schwimmen, verstopfen kann.

„Ohrenschmalz ist grundsätzlich etwas Gutes, da es durch seinen sauren pH-Wert das Ohr vor Bakterien schützt“, erklärt Beutner. Zu viel Manipulation im Gehörgang durch Wattestäbchen, Gehörschutz oder Kopfhörer könne jedoch Mikrorisse in der empfindlichen Haut des Ohres verursachen.

Sie sind bei fehlendem Ohrenschmalz eine Eintrittspforte für Bakterien und können Juckreiz auslösen. Das kann einen Teufelskreis in Gang setzen: Man verwendet mehr Wattestäbchen, vergrößert dadurch die Wunden, und Bakterien können noch leichter eindringen.

Ein weiterer Tipp des Experten: auf ototoxische, also gehörschädigende Medikamente, achten. Der Arzt oder Apotheker sollte erklären, ob verschriebene Medikamente das Gehör beeinträchtigen könnten. Besonders bestimmte Antibiotika, Chemotherapeutika und Schmerzmittel wie Aspirin können bei hoher Dosierung das Gehör schädigen und zu Tinnitus führen.

Wenn sich ein Hörverlust bemerkbar macht, sollten Betroffene sich frühzeitig vom HNO-Facharzt beraten lassen und ein Hörgerät in Betracht ziehen. „Hörgeräte fördern nicht nur das Hören, sondern erhalten auch die geistige Gesundheit, indem sie das Gehirn weiterhin stimulieren und so einem Abbau entgegenwirken“, erklärt Beutner. Bei einem gravierenden Hörverlust oder wenn Hörgeräte nicht ausreichen, sind Hörimplantate wie Cochlea-Implantate eine mögliche Lösung.

Doch nicht immer wollen sich Betroffene mit dem Thema auseinandersetzen. Die Scham, über einen möglichen Hörverlust zu sprechen, sei häufig groß. „Viele Menschen assoziieren Hörgeräte noch immer mit einem Stigma, weil sie als Zeichen von Behinderung wahrgenommen werden, während zum Beispiel Brillen als modisches Accessoire gelten“, erklärt Beutner. Hinzu kommt, dass Hörgeräte nicht in jedem Fall das Hören vollständig korrigieren können wie Brillen das Sehen. Das könne zu Enttäuschungen führen.

Angehörige können, so der HNO-Experte, Betroffene durchaus unterstützen. Es ist wichtig, das Thema offen anzusprechen und die Vorteile eines Hörgerätes zu betonen, auch in Bezug auf die geistige Gesundheit. „Oft hilft es, den Betroffenen zu einem Hörtest bei einem HNO-Facharzt und der Anpassung von Hörgeräten zu ermutigen.“ Wer dann einmal ein Hörgerät getestet hat, will es bei gutem Hörkomfort in den meisten Fällen nicht mehr missen, ist Beutner überzeugt. 

Wenn sich Angehörige oder Freunde unsicher sind, ob eine nahestehende Person unter einem Hörverlust leidet, können sie beispielsweise darauf achten, ob der Fernseher lauter gestellt wird oder die betroffene Person häufiger nachfragt, weil sie nicht alles verstanden hat. Das seien typische Anzeichen.

Abschließend betont Beutner: „Das Gehör ist empfindlich. Schützen Sie es rechtzeitig, bevor Schäden entstehen.“ Wichtig sei es, frühzeitig präventiv zu handeln, um im Alter keine Höreinschränkungen oder Folgeschäden wie eine Demenz zu erleiden.

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