Berlin/Kiel „Kleingeistig“: Günther attackiert Unionskollegen Söder für Grünen-Aussagen
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther greift seinen bayerischen Kollegen Markus Söder hart an: Er nennt Söders Anti-Grünen-Kurs einen „strategischen Fehler“ – und spottet über den CSU-Chef.
Gute Freunde waren die beiden Unionsministerpräsidenten Daniel Günther aus Schleswig-Holstein und Markus Söder aus Bayern noch nie – doch jetzt hat der Kieler CDU-Mann den CSU-Vorsitzenden ungewohnt scharf attackiert. Grund dafür ist, dass Söder eine Koalition mit den Grünen nach der Bundestagswahl nächstes Jahr strikt ausgeschlossen hat.
„Sich so kleinzumachen, dass man sich in dieser Abgrenzung profilieren muss, halte ich für einen strategischen Fehler“, sagte Günther am Donnerstagabend auf einer Veranstaltung in Schleswig-Holsteins Berliner Landesvertretung.
Vielmehr würde die Union vor allem dann Stärke ausstrahlen, wenn sie ihr eigenes Profil herausstelle. „Wir müssen in die Wahlen gehen und damit werben, dass wir die besten Ideen haben – aber uns doch nicht abgrenzen und sagen: Ihr müsst uns wählen, weil die Grünen so fürchterlich sind. Was ist denn das für eine Kleingeistigkeit!“, rief Günther.
Er wünsche Söder stattdessen „ein bisschen mehr Breitbeinigkeit, dass er mal selbstbewusster auftritt“, witzelte Günther – wohlwissend, dass der Bayer sich gerade auf diese Eigenschaft vermutlich viel einbildet.
Dann zog Günther noch über Söders letztes Landtagswahlergebnis von 37,0 Prozent in Bayern her. „Ihm ist ja so ein bisschen was abhanden gekommen“, spottete er: „Früher hatten sie mal strahlende Wahlsiege. Heute hat Reiner Haseloff mehr Prozentpunkte geholt als Markus Söder.“ Und zwar 37,1 Prozent in Sachsen-Anhalt. Günther errang bei der letzten Landtagswahl sogar 43,4 Prozent – da kann man sich mal was trauen.
Seinen Parteichef Friedrich Merz, der die Grünen bei einem Besuch in Kiel kürzlich auch mal als Hauptgegner bezeichnet hatte, nahm Günther dagegen in Schutz. „Friedrich Merz hat diese Position ja ein Stück weit verändert“, sagte er.
Heute wolle Merz „koalitionsfähig mit allen demokratischen Parteien“ sein. „Er versucht ja gerade klarzumachen, dass wir die Grünen nicht zum Gegner machen dürfen, mit dem wir nachher nicht mehr zusammen regieren können“, sagte Günther. Er führt selber eine Koalition mit den Grünen.
Kritik übte Günther zudem am Umgang der CDU mit der Linkspartei und dem Bündnis Sahra Wagenknecht, kurz BSW. Dass seine Partei weiter am Beschluss festhalte, nicht mit der Linkspartei zusammenzuarbeiten, aber gleichzeitig Koalitionen mit dem putinfreundlichen BSW erwäge, sei „verrückt“ und zeige, „dass bei manchen schon das Koordinatensystem ein bisschen verschoben ist“, sagte Günther. Denn ein Hauptgrund für die Ablehnung der Linken sei Wagenknecht mit ihrer Kommunistischen Plattform gewesen – und Wagenknecht sei ja nun ausgetreten.