Schnelle Hilfe im Notfall Kreis Aurich will Ersthelfer künftig per App rufen
Schnelligkeit ist bei Notfällen gefragt. Daher sollen die professionellen Einsatzkräfte im Landkreis Aurich ab dem kommenden Jahr Unterstützung bekommen.
Aurich - In einem Notfall zählt jede Sekunde. Schnell muss die Hilfe kommen, sonst kann es zum Beispiel bei medizinischen Notfällen schnell zu spät sein. Doch es kann bis zu 15 Minuten dauern, ehe die Profis vom Rettungsdienst vor Ort sind. Die zeitliche Lücke sollen demnächst Ersthelfer füllen, die direkt von der Kooperativen Leitstelle in Wittmund alarmiert werden. Im Laufe des kommenden Jahres werde die App „Katretter“ an den Start gehen. Das kündigte Marcel Schäfer, Geschäftsführer des Rettungsdienstes des Landkreises Aurich, am Mittwoch an.
Gemeinsam mit dem Rettungswagen und dem Notarzt sollen über die App Ersthelfer und sogenannte Mithelfer gerufen werden. Diese müssen sich im Vorfeld beim Landkreis Aurich registriert haben. Nicht nur für medizinische Notfälle soll das neue System benutzt werden. Auch bei Katastrophen oder Unfällen könnte so schnell auf viele Helfer zurückgegriffen werden.
Schnittstelle zur Leitstelle muss geschaffen werden
Bestechend ist die Idee der „Katretter“. Mit nur wenig Bürokratie könnten damit viele Menschen als mögliche Retter in der Not aktiviert werden. Entwickelt wurde das Ganze vom Fraunhofer Institut, das auch schon die App „Katwarn“ herausgebracht hat. Damit wird über die Smartphones vor Gefahren gewarnt.
Im Betriebsausschuss Rettungsdienst stellte Geschäftsführer Marcel Schäfer das neue Angebot vor, das wahrscheinlich ab Mitte kommenden Jahres installiert werden soll. Die Voraussetzung für die Nutzung des Systems sei, dass es eine Schnittstelle zum Einsatzleitsystem (ELS) der Kooperativen Leitstelle in Wittmund gebe. Und da liegt das Problem: Im kommenden Jahr wird es ein neues ELS für Wittmund geben. Das alte aber hat keine Schnittstelle zu „Katretter“. Deswegen hat sich die Einführung des neuen Dienstes um einige Jahre verzögert.
Mithelfer können auch Sandsäcke füllen
Wer sich als Ersthelfer registrieren lassen möchte, muss eine gewisse Vorbildung mitbringen. Im Idealfall sind das Ärzte, Pflegekräfte, Rettungssanitäter oder Medizinische Fachangestellte. Denn die Ersthelfer sollen in der Lage sein, Wunden zu versorgen oder Wiederbelebungsmaßnahmen, zum Beispiel bei einem Infarkt, einzuleiten.
Mithelfer hingegen kann beim „Katretter“ jeder werden. Denn diese sollen nur allgemeine Hilfeleistungen erbringen. Als Beispiel nannte Schäfer die Betreuung von Menschen nach Unglücken, die Begleitung von Zeugen bei Unfällen oder aber das Befüllen von Sandsäcken bei Hochwasser. Sie erfüllen also Aufgaben, mit denen sie die Profis von Rettungsdiensten, Polizei oder Feuerwehr entlasten.
30 Sekunden Zeit für die Reaktion
Für die freiwilligen Helfer ist das System kostenlos. Nötig ist neben der Registrierung lediglich die Installation der App auf dem Smartphone. Die Registrierung beim Landkreis Aurich soll erst erfolgen, wenn das System wirklich scharf geschaltet wird.
Wenn es so weit ist, alarmiert die Rettungsleitstelle in Wittmund bei Notrufen wie gewohnt Rettungswagen, Notarzt oder Feuerwehr. Zugleich werden künftig aber auch die registrierten Ersthelfer eine Pushnachricht auf ihr Smartphone bekommen. Darin wird der Einsatztyp mitgeteilt sowie die Entfernung zu Fuß und mit dem Auto.
Dann läuft der Countdown. Die angeschriebenen Ersthelfer haben 30 Sekunden Zeit, um den Einsatz zu bestätigen. Machen sie das, gibt die App weitere Informationen zum Einsatz heraus. Neben der genauen Adresse können das Kontaktdaten sein. Vor Ort angekommen, kann der Ersthelfer über die App Updates an die Leitstelle durchgeben.
Durch das neue System, so die Hoffnung von Marcel Schäfer, können Reanimierungsmaßnahmen bei medizinischen Notfällen deutlich schneller begonnen werden. Es gebe so bessere Überlebenschancen für Betroffene und weniger Spätfolgen.