Osnabrück  Frau von Vizekanzler Robert Habeck: Autorin Andrea Paluch möchte „unsichtbar bleiben“

Stefan Idel
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Von Stefan Idel
| 23.09.2024 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Kinderbuchautorin Andrea Paluch erklärt in ihrem neuen Buch, wie Demokratie funktioniert. Foto: dpa/Axel Heimken
Kinderbuchautorin Andrea Paluch erklärt in ihrem neuen Buch, wie Demokratie funktioniert. Foto: dpa/Axel Heimken
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Gemeinsam mit ihrem Ehemann Robert Habeck hat sie viele Romane und Kinderbücher verfasst. Im Interview spricht Andrea Paluch über ihr neues Projekt, ihren Mann und Social Media.

Kindern das Handy wegnehmen? Kinderbuch-Autorin Andrea Paluch hält das für utopisch.

Frage: Frau Paluch, Sie haben beim Tag der offenen Tür im Niedersächsischen Landtag Ihr Buch „Hier wird Politik gemacht“ vorgestellt. Das Kinderbuch ist quasi ein Reiseführer durch den Berliner Reichstag und die Demokratie. Wie kam es dazu?

Antwort: Die Idee kam, als ich selbst als Besucherin im Reichstagsgebäude war. Unter den Touristen waren sehr viele Familien mit Kindern. Und ich habe mich gefragt: Haben die Kinder das jetzt verstanden? Und wissen sie, wo sie eigentlich sind? Das Reichstagsgebäude ist ein großer Tourismusmagnet, aber gleichzeitig völlig unterentwickelt in der Darbietung dessen, was es da zu erzählen gibt. Und speziell für Kinder.

Frage: Aber es geht in dem Buch auch um die Frage: Wie funktioniert Demokratie?

Antwort: Ja, genau. Etwas so Komplexes einfach zu erklären, ist herausfordernd. Die Bilder von Illustratorin Stephanie Mariam helfen enorm, um diese Zusammenhänge zu verstehen. Und am Ende ist ein Buch entstanden, das eigentlich für alle Generationen gut ist.

Frage: Sie sind in der Region Hannover groß geworden. Die „Fliege Fritzi“ aus Ihrem Buch könnte doch auch einmal über den Niedersächsischen Landtag fliegen. Gibt es schon Nachfolgeprojekte?

Antwort: Mein Hauptaugenmerk galt dem Berliner Reichstagsgebäude. Es ging nicht darum, Demokratie bis in den letzten Winkel zu erklären. Über den Landtag in Hannover weiß ich noch zu wenig.

Frage: Sie haben auch ein Buch mit dem Titel „Die besten Weltuntergänge“ geschrieben. Das Echo in den sozialen Netzwerken fiel sehr kritisch aus. Wollten Sie Kindern Angst machen?

Antwort: Nein, in den Echoblasen wurden Erregungszustände geschaffen, ohne dass jemand in das Buch geschaut hätte. Denn eigentlich ist es ein Fantasiebuch. Wie sieht die Welt in der Zukunft aus? Da gibt es halt die Dystopien, die einem ganz schnell einfallen. Und es gibt Utopien, die oft schwer erarbeitet werden müssen. Das Buch fordert dazu auf, seine Fantasie zu benutzen, damit es gut werden kann.

Frage: Wie wichtig ist denn Social Media für Sie? Haben Sie beispielsweise einen Instagram-Account?

Antwort: Nein, den habe ich nicht. Ich bin frei.

Frage: Es gibt eine Diskussion darüber, ob Kinder im Grundschulalter schon ein Smartphone haben sollten. Wie sehen Sie als Kinderbuchautorin das?

Antwort: Ich glaube nicht, dass man die Zeit zurückdrehen kann. Ich denke, wir brauchen Regeln, um Ordnung in das Chaos zu bringen. Aber Kindern das Handy wegnehmen, das halte ich für völlig utopisch.

Frage: Sie haben einen bekannten Ehemann. Haben Sie mittlerweile auch einen Promi-Status? Werden Sie auf der Straße erkannt oder gar angesprochen?

Antwort: Ich möchte unsichtbar bleiben. Das ist meine Überlebensstrategie.

Frage: Gemeinsam mit ihrem Mann haben Sie zahlreiche Bücher verfasst. Einige erscheinen jetzt in einer Neuauflage.

Antwort: Auf den Lesungen bin ich meist allein. Aber ich rede natürlich über unsere gemeinsame Zusammenarbeit, die schon 20 Jahre zurückliegt. Über die literarische Zusammenarbeit spreche ich in der Öffentlichkeit gern.

Frage: Mit „Hauke Haiens Tod“ haben Sie die Geschichte von Storms Schimmelreiter weitererzählt. Das Buch wurde erfolgreich fürs Fernsehen verfilmt. Das Deutsche Theater in Berlin hat es auf die Bühne gebracht. Wie erklären Sie sich den großen Erfolg?

Antwort: Hauke Haien spielt in dem Buch eigentlich keine große Rolle, sondern all die Nebenfiguren. Die Sturmflut-Rahmenhandlung hat mit den Wetterereignissen vor dem Hintergrund des Klimawandels eine neue Aktualität bekommen. Das mag ein Grund sein.

Frage: Hatten Sie Angst, dass die filmische Übersetzung schiefgehen könnte?

Antwort: Ja, wir hatten mega Angst. Aber wir haben das Drehbuch von Daniela Baumgärtl und Constantin Lieb erhalten, haben uns mit Regisseur Andreas Prochaska getroffen und wurden auch zu den Dreharbeiten eingeladen. Ich finde, es ist überhaupt kein typisch deutscher Fernsehfilm geworden, sondern eher ein „Arthouse-Kinofilm“. Ich finde, am Ende wurde unser Buch super umgesetzt.

Frage: Sie haben auch die Umsetzung am Deutschen Theater in Berlin sehr gelobt. Können Sie sich einen Wechsel ins Dramaturgie-Fach vorstellen?

Antwort: Nein, da gibt es schon genug Leute, die das sehr professionell machen.

Frage: Verraten Sie denn, welches Ihr nächstes Projekt ist?

Antwort: Nein, das bringt Unglück.

Frage: Sie haben einmal gesagt, das Zeitkonto mit Ihrem Mann sei sehr klein geworden. Was groß ist es denn jetzt? Wie oft sehen Sie sich?

Antwort: Das kann ich ehrlicherweise nicht so genau sagen, weil es keine Regelmäßigkeiten gibt. Manchmal sehen wir uns täglich und manchmal auch wöchentlich nicht. Aber gefühlt ist das alles normal und richtig.

Frage: Es gab einen Vorfall, als wütende Landwirte Ihren Mann nicht von einer Fähre lassen wollten. Haben Sie manchmal Angst um Ihren Mann?

Antwort: Er ist gut geschützt. Insofern würde ich sagen, ich habe da keine Angst. Dagegen sind Kommunalpolitiker oder selbst Ehrenamtliche, die Plakate kleben, den Aggressionen einiger Leute krass ausgesetzt. Das geht gar nicht.

Frage: Sie sind parteipolitisch nicht engagiert.

Antwort: Ich finde, ein Politiker in der Familie reicht.

Frage: Wünschen Sie sich, dass ihr Mann Kanzler wird?

Antwort: Ich kenne die aktuellen Umfragewerte. Ich mache mir da jetzt nicht so große Gedanken.

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