Potsdam BSW-Spitzenkandidat Robert Crumbach: Der Hoffnungsträger gegen die AfD in Brandenburg
Der Polit-Profi Robert Crumbach war lange in der SPD. Jetzt führt er das BSW in Brandenburg. Er kämpft gegen die AfD und für Arbeitsplätze in der Industrie. Wieso er die Politik in Potsdam in den kommenden Jahren prägen dürfte.
Er könnte der einzige Spitzenkandidat jenseits der AfD in Brandenburg sein, der bleibt, wenn die anderen nach der Wahl gehen oder auch gehen müssen. Dabei ist Robert Crumbach gerade mal seit Mai dieses Jahres Vorsitzender des BSW in der Mark und Spitzenkandidat der jungen Partei.
Zugleich ist der Arbeitsrichter aber auch der wohl erfahrenste Politiker, den Sahra Wagenknecht hier für ihr Bündnis gewinnen konnte. Vier Jahrzehnte SPD liegen hinter dem 61-Jährigen. Er war mal Justitiar im Potsdamer Sozialministerium, mal Referent der SPD-Landtagsfraktion, führte lange einen Ortsverein in der Landeshauptstadt.
Es gibt kaum einen Genossen in der märkischen SPD, mit dem Crumbach noch nichts zu tun hatte. Der Ex-Sozi kennt die Verhältnisse im Land, aber die Brandenburger kennen ihn bislang kaum. Denn auch von den meisten Laternenpfählen wirbt die Parteigründerin, nicht der etwas bullige Jurist. Sie sei eben „viel hübscher“ als er und habe „viel mehr Haare“.
Von seiner früheren Partei habe er sich entfremdet, es sei ein langer Prozess gewesen, sagt Crumbach. Letztlich habe die Arbeitsgerichtsreform, die Schließung seines Potsdamer Gerichts und „das Friedensthema“ zum Bruch mit den Genossen geführt. In der gegenwärtig angespannten wirtschaftlichen Lage möchte er sich vor allem für den Erhalt der neu entstandenen Industriearbeitsplätze einsetzen. Die Leute hätten noch immer sehr gut im Kopf, „wie die Deindustrialisierung Anfang der neunziger Jahre ablief – wir müssen aufpassen, dass uns so etwas nicht noch einmal passiert.“
Dann ist da der Wunsch nach Frieden. Der frühere Wehrdienstverweigerer ist davon überzeugt, dass auch das Land Brandenburg mehr Einfluss ausüben könnte, etwa über seine Bundestagsabgeordneten.
Vieles von dem, was Crumbach so sagt, klingt ausgesprochen pragmatisch und steht im Kontrast zu den populistischen Reden Wagenknechts. Auch kritisiert er die überaus strenge, geradezu handverlesene Aufnahmepraxis der Bundesspitze (in Brandenburg gibt es bislang nur knapp 40 Mitglieder, trotz langer Warteschlange, die Red.). Wo große Hoffnungen seien, könne auch große Enttäuschung entstehen. „Deshalb muss das schneller gehen.“
Zur rechtsextremen AfD grenzt er sich klar ab. Das sei keine Partei, erst recht mit den hier handelnden Personen, „mit denen man eine Zusammenarbeit auch nur erwägen kann“. Mitregieren wolle er nicht um jeden Preis, stellt Crumbach bei jeder Gelegenheit klar. Aber „wirkmächtig“ werde das BSW auf jeden Fall sein; und wird für eine stabile Regierung möglicherweise von SPD und CDU gebraucht.
Denn während Grüne, Linke, Freie Wähler und deren Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um den Einzug in den Landtag kräftig zittern müssen, werden der neuen Partei 14 bis 15 Prozent vorausgesagt. Schon bei der Europawahl schob sich das BSW in Brandenburg hinter AfD und CDU auf Platz Drei, knapp vor die SPD.
Sollte die AfD bei der Landtagswahl am kommenden Sonntag erstmals vor der SPD liegen, will Ministerpräsident Dietmar Woidke seinen Hut nehmen. CDU-Spitzenkandidat Jan Redmann wird kaum zu halten sein, wenn die Union unter 15 Prozent rutscht. Crumbach hingegen sieht dem Wahlabend ganz gelassen entgegen.