Berlin „Nord bei Nordost“: Drehorte, Stars und das Zwillingsformat „Nord bei Nordwest“
Der überaus erfolgreiche Küstenkrimi „Nord bei Nordwest“ bekommt einen Ableger. Zu sehen ist er erstmals am 1. Oktober 2024. Nicht nur der Titel „Nord bei Nordost“ ist spiegelsymmetrisch angelegt. Auch in der Liebesgeschichte ist alles genau andersrum als bei Hauke, Hannah und Jule, den Helden der ursprünglichen Reihe.
Die skurrilen Küstenkrimis der ARD-Reihe „Nord bei Nordwest“ erreichen bis zu 10 Millionen Zuschauer – „Tatort“-Niveau. Grund genug, es jetzt mit einer Auskoppelung zu versuchen: Am 3. Oktober zeigt das Erste den Krimi „Nord bei Nordost: Westend“, einen Pilotfilm, aus dem bei entsprechender Resonanz eine neue Reihe entstehen kann. In der ARD-Mediathek ist der Fall schon am 1. Oktober zu sehen.
Das Besondere: Der neue Krimi erzählt nicht die Geschichte von „Nord bei Nordwest“ und seinen Figuren weiter. Stattdessen wird alles, was das Schwesterformat ausmacht, gezielt ins Gegenteil verkehrt. So nämlich beschreibt Holger Karsten Schmidt sein Konzept. Der mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Drehbuchautor ist der kreative Kopf hinter beiden ARD-Formaten.
Statt im fiktiven Ostseeort Schwanitz, in dem „Nord bei Nordwest“ angesiedelt ist, spielt der neue Film im ebenfalls erfundenen Westend an der Mecklenburgischen Seenplatte. Und auch das Liebesdreieck ist auf den Kopf gestellt: Im Erfolgsformat steht Hinnerk Schönemann als Polizist Hauke zwischen zwei Frauen, nämlich zwischen seiner Kollegin Hannah (Jana Klinge) und der Tierärztin Jule (Marleen Lohse).
Diesmal steht eine Frau im Mittelpunkt – und zugleich zwischen zwei Männern: Nina Hagen (die von Cordelia Wege gespielte Polizistin heißt wirklich so) leitet das Revier in Westend und ist damit Chefin des kernigen Tim Engelmann (David Bredin) und des smarten Felix Bittner (Franz Dinda). Und gleich im Pilotfilm wacht sie neben jedem der beiden einmal im selben Bett auf.
Der Erfolgskrimi „Nord, Nord, Mord“ entführt seine Zuschauer an Sylts wunderbare Strandkulisse, „Nord bei Nordwest“ spielt im fiktiven Schwanitz in Schleswig-Holstein. „Nord bei Nordost“ wagt sich weg vom Meer. Das ebenfalls fiktive Örtchen Westend liegt an Mecklenburgs Binnengewässern. Gedreht wurde der Pilotfilm in Malchow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte), Plau am See, Gallin (Landkreis Ludwigslust-Parchim) sowie in und um Hamburg.
So wie in Schwanitz gibt es auch in Westend einen charismatischen Filmhund. Im Pilotfilm läuft er der Ermitterin einfach zu. Und auch wenn sie ihn zunächst wegscheucht, entsteht am Ende des Falls eine Bindung zwischen Polizistin und Hund.
Im wirklichen Leben heißt das Filmtier Gwena und ist „wie viele Filmhunde“ eine Promenadenmischung, erklärt Hauptdarstellerin Cordelia Wege im Interview mit unserer Redaktion: „Mischlinge gelten ja als klüger und lernbereiter und haben nicht die Zuchtschäden reinrassiger Tiere. In unserem Film hat Gwena übrigens noch gar keinen Rollennamen bekommen. Ich würde mich nicht wundern, wenn Nina sie am Ende einfach ‚Hund‘ nennen würde.“
Von der Zusammenarbeit mit dem Tier ist die Schauspielerin begeistert: „Tatsächlich passieren beim Drehen dann Dinge, die man nicht planen kann: Plötzlich legt die Hundedame ihr Pfötchen auf mein Knie oder leckt mir das Gesicht ab. Da dachte nur: Hoffentlich haben sie das gerade gefilmt!“
Von „einer klaren Abgrenzung zu ‚Nord bei Nordwest‘“ spricht Holger Karsten Schmidt im Presseheft. „Ich habe vieles aus Schwanitz in Westend ins Gegenteil verkehrt.“ Nina Hagens Affäre mit beiden Kollegen hebt er dabei als „Herausstellungsmerkmal von ‚Nord bei Nordost‘“ vor: „Ihr Idealmann wäre vermutlich eine Mischung aus Tim Engelmann und Felix Bittner. Den gibt es aber offenbar nicht. Also – Nina Hagen ist recht pragmatisch angelegt – nimmt sie eben beide. Eine Ménage-à-trois. Mit allem, was das innerhalb dieses Dreiecks mit sich bringt, aber auch, wie die Einwohner von Westend darauf reagieren. Zunächst sind es ja nur Gerüchte.“
Tatsächlich besteht die Spannung im ersten Fall nicht darin, ob Hagen mit beiden Männern schläft – sondern darin, ob die beiden voneinander wissen. Immer wieder greifen Blicke und Seitenbemerkungen zwischen Tim und Felix die schillernde Beziehung zur Chefin auf.
Nie aber erfährt man: Sprechen hier zwei Liebhaber augenzwinkernd über ein gut funktionierendes Arrangement? Oder sind Ninas gegensätzliche Liebhaber kurz davor, ein brisantes Geheimnis auszuplaudern? Schon für die Auflösung dieser Frage wünscht man sich einen zweiten Fall.
Autor Schmidt hat seine männlichen Hauptfiguren auf den Gegensatz hin konzipiert: hier der wendige Intellektuelle, dort der grobschlächtige, aber gutmütige Kerl. „Felix Bittner ist ein rationaler Charakter: Logik, hoher IQ. Man fragt sich, warum er eigentlich noch in Westend sitzt und nicht beim LKA eine Abteilung leitet“, sagt der Autor selbst.
„Tim Engelmann ist der ‚Bär‘, der tief im sozialen Netz in Westend verstrickt ist. Er kennt die Geschichte von nahezu allen Einwohnern. Kanuausflug, Party, Konzert, eine Nacht durchzechen – da ist er der richtige Mann für Nina. Aber manchmal blitzt seine sensible Seite auf.“
„Spröde“ nennt der Autor seine Hauptfigur. Im Pilotfilm spielt Cordelia Wege eine nach außen unterkühlte, schroffe Polizistin. Im Umgang mit den Opfern von Menschenhändlern ist sie unsentimental bis an die Grenze der Gefühlskälte. Und wo sie sich durchsetzen will, überschreitet sie alle Grenzen. Einen zugelaufenen Hund vertreibt sie erst erbarmungslos, bis er bei einem Unfall verletzt wird. Dann hilft sie ihm nicht nur, sie zwingt eine Allgemeinärztin sogar mit vorgehaltener Waffe, das Tier zu behandeln.
Angedeutet ist im ersten Fall auch schon eine spannende Backstory: Über mehrere Jahre war Nina Hagen aus Westend verschwunden. Mehr als dass sie „Sachen erledigen“ musste, gibt sie selbst dazu nicht preis. Dass es mit dem Mord an ihrer Mutter zu tun hat, liegt allerdings nahe.
Im kommenden Jahr geht es dann auch wieder mit dem Schwesterformat „Nord bei Nordwest“ weiter. Und in Schwanitz bleibt der Dreierflirt weiterhin spannend. Zur Erinnerung: In den letzten Folgen landeten Hauke und Jule im Bett. Das allerdings war nur ein Täuschungsmanöver der ARD-Produktion. Die Liebesnacht war Teil einer Traumsequenz, die fast die gesamte Folge „Die letzte Fähre“ ausfüllte. Beim Abspann stand wieder alles auf Anfang.
Widersprüchliche Signale senden auch die Ankündigungen zu den kommenden „Nordwest“-Episoden 25 bis 27: „Zum Leidwesen von Tierärztin Jule kommen Hauke und Hannah sich nahe“, heißt es vom Sender über die Folge „Haare? Hartmann!“. Wie aber passt das dazu, dass die Polizistin sich gerade gebunden hat? Im Jubiläumsfall 25 nämlich („Fette Ente mit Pilzen“) kehrt Hannah aus dem Urlaub zurück – und das laut Programmvorschau „frisch verlobt“.