Osnabrück Mockridge-Eklat: Wie die Podcaster reagieren und warum auch Mario Barth in der Kritik steht
Im Podcast „Die Deutschen“ sorgte Comedian Luke Mockridge mit Aussagen über Para-Athleten für Aufregung. Nun haben sich die Gastgeber Nizar Akremi und Shayan Garcia geäußert – und gehen in die Offensive. Aber wer sind die beiden? Und was hat Mario Barth damit zu tun?
Nach seinen hämischen Bemerkungen über Para-Sportler hat sich der Comedian Luke Mockridge zwar schnell entschuldigt – der Shitstorm war allerdings nicht mehr aufhalten. „Es gibt Menschen ohne Beine und Arme, die wirft man in ein Becken – und wer als Letzter ertrinkt, der hat halt gewonnen“, hatte Mockridge in dem Podcast „Die Deutschen“ unter anderem gesagt. Während Mockridge bereits die Konsequenzen tragen muss – Sat.1 hat seine Show schon vor dem Start wieder abgesetzt, sein Tour-Auftakt wurde abgesagt – geraten nun auch die Gastgeber Nizar Akremi und Shayan Garcia selbst in den Fokus.
Auch wenn die Schlagzeilen zwar alles andere als positiv sind, ist ihr Bekanntheitsgrad damit geradezu explodiert. Die Hosts dürfte es freuen. Nie zuvor war ihr Format derart in den Schlagzeilen wie in diesen Tagen. Auf ihrem Instagram-Account haben die Podcaster nun ein zwölfminütiges Statement veröffentlicht.
Zunächst kündigte Garcia das vermeintliche Ende ihres Podcasts an: „Wir haben zu viele Menschen verletzt, deshalb müssen wir die Reißleine ziehen.“ Dann aber krachte Akremi lachend dazwischen: „Niemals! Hier wird gar nix beendet. Jetzt geht es erst richtig los“, um daraufhin Kritikern und der „woken cancel culture“ den Kampf anzusagen: „Wir werden uns euch niemals beugen“, so Akremi.
Am Ende des Videos wandten sich Nizar und Shayan an „die Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, die zutiefst verletzt sind und sich in ihrer Menschenwürde verletzt gefühlt haben“, wie Garcia sagte. „Es tut uns wirklich aufrichtig leid. Es war nie unsere Absicht, euch zu verletzen.“ Bei den Kritikern, die sich „am Shitstorm ergötzt haben“, wollten sie sich ausdrücklich nicht entschuldigen.
Einen „Fehler“ machen, sich „entschuldigen“ – alles wieder gut? Nicht ganz. Denn die Hosts haben sich nicht zum ersten Mal abwertend und diskriminierend geäußert. Aber wer sind Nizar Akremi und Shayan Garcia?
Nizar Akremi ist schon länger im Geschäft. Nach dem Versuch einer Musik-Karriere widmete er sich der Comedy und veröffentlichte Witze-Videos bei Facebook und YouTube, schaffte es sogar als Stand-up ins deutsche Fernsehen. 2020 begann er, mit einem Soloprogramm durch Deutschland zu touren.
Auch antisemitische Ausfälle sind bei Nizar nicht ungewöhnlich. Seinen ersten Shitstorm erntete er bereits 2002. Auf einen Gag auf Kosten von Frauen, die unter den Taliban zu leiden haben, folgt eine Anekdote über jüdische Restaurantbesitzer, die ihn gebucht haben sollen: „Juden aus Israel, also so richtig original … mit so Löckchen und Hakennasen.“ Natürlich alles nur Spaß. Und er setzt noch einen drauf: Die Juden hätten „in diesem Land eine gewisse Narrenfreiheit“, wenn nicht sogar „die ultimative Macht“. Viele würden die Juden hassen, aber „es traut sich eben keiner zu sagen!“
Über den YouTuber Shayan Garcia ist bisher wenig bekannt. 2017 startete er auf YouTube mit einem Format durch, in dem er Menschen auf der Straße alltägliche Fragen stellt. Auf YouTube folgen ihm knapp 700.000 Menschen, dazu kommen fast eine Million auf TikTok, 772.000 auf Facebook, 290.000 auf Instagram.
Im Youtube-Video: Luke Mockridge im Podcast „Die Deutschen“ (Äußerungen zu Para-Athleten ab Minute 41:12)
Der Name des Podcasts „Die Deutschen“ spielt auf die Migrationsgeschichte der Hosts an. Beide sind zwar in Deutschland geboren, Nizars Eltern kommen aber aus Tunesien, der Vater von Shayan aus dem Iran. Provokation gehört für die beiden zum Geschäftsmodell: Nachdem die Folge mit Luke Mockridge aufgezeichnet wurde, schrieb Nizar auf X (ehemals Twitter): „Luke Mockridge war heute im Podcast. Macht euch bereit, Woke Bubble. Wie es sich für einen Kobold gehört, habe ich eine ganz ekelhafte Seite rausgekitzelt. Ich freue mich auf das Rumgeheule.“ Shitstorm mit Ansage.
Auch der Berliner Comedian Mario Barth war bei „Die Deutschen“ zu Gast. Und auch er gerät nun wegen abwertender Äußerungen in die Schusslinie. Das umstrittene Video ist zwar inzwischen gelöscht, dafür nimmt Barth in einem Clip auf Instagram aber ausführlich Stellung.
Barth hatte im Podcast einen Menschen im Rollstuhl imitiert, den er bei einem seiner Auftritte kennengelernt hatte. Daraufhin musst er sich den Vorwurf gefallen lassen, sich, ähnlich wie Mockridge, über einen Menschen mit Behinderung lustig gemacht zu haben. In seinem Statement erklärt der Comedian: „Ich hatte und habe einen Hardcore-Fan. Manni. Manni war in jeder Show“, erklärt er. Als er irgendwann einmal mit ihm ins Gespräch gekommen sei, habe „Manni“ zu ihm gesagt: „Das Geilste wäre, wenn du mal mich so ein bisschen verarschst, ein paar Witze über mich machst.“ Genau das habe er sich dann für eine Show vorgenommen, so Barth.
„Ich habe dann einen Witz nach dem anderen für Manni herausgebracht – und Manni hat sich kaputt gelacht“, so Barth. Das Publikum sei zwar etwas irritiert gewesen, gesteht er. Er sei sich jedoch sicher: „Für Manni war es der schönste Moment in seinem Leben, weil er war Teil der Gesellschaft. Er war wahrgenommen.“ Tatsächlich erscheinen die Ereignisse so in einem anderen Licht als im Video-Zusammenschnitt auf der Instagram-Seite des Podcasts „Die Deutschen“. Für Luke Mockridge und die beiden Podcast-Hosts dagegen ist die Sache vermutlich noch nicht vom Tisch.
(mit Material von dpa)