Hamburg „Die Deutschen“: Das sind die Podcaster, die mit Luke Mockridge über Behinderte spotten
In dem Podcast „Die Deutschen“ äußerte sich Comedian Luke Mockridge abwertend über den Behindertensport und sorgte damit für Aufregung. Die Podcaster selbst standen zunächst weniger im Fokus. Doch nun wächst der Druck. Wer sind die beiden Gastgeber des Podcasts?
Nach seinen hämischen Bemerkungen über Para-Sportler ist der Comedian Luke Mockridge erneut in die Kritik geraten. „Es gibt Menschen ohne Beine und Arme, die wirft man in ein Becken – und wer als Letzter ertrinkt, der hat halt gewonnen“, hatte Mockridge in dem Podcast „Die Deutschen“ unter anderem gesagt. Doch auch die Macher des Podcasts, Comedian Nizar Akremi und Youtuber Shayan Garcia, haben sich sehr abwertend geäußert. Und das nicht zum ersten Mal.
Im Youtube-Video: Luke Mockridge im Podcast von Hosts Nizar und Schayan (Szene mit Para-Athleten ab Minute 41:12)
Lachend zieht Nizar die Arme an den Körper und wedelt mit den Händen. Unbeholfen tut er so, als würde er etwas greifen wollen – und bricht erneut in Gelächter aus. Zudem witzeln die drei Beteiligten darüber, wie praktisch es wäre, wenn Nizar sich eine geistige Behinderung bescheinigen ließe. Er könnte diese dann als Ausrede nutzen, wenn mal wieder Kritik an ihm aufkomme.
Während Mockridge nun die Konsequenzen seiner behindertenfeindlichen Aussagen tragen muss – Sat.1 hat seine Show schon vor dem Start wieder aus dem Programm genommen – standen die Podcaster selbst zunächst weniger im Fokus der Kritik.
Bisher halten sich die Macher von „Die Deutschen“ bedeckt. Im Gegensatz zu Mockridge haben sie noch keine Entschuldigung veröffentlicht. Doch nun wächst der Druck auch auf Nizar und Shayan.
Mehrere Sponsoren haben sich bereits von den Podcastern distanziert. So zum Beispiel die Sprachlern-App Babbel, wie der „Spiegel“ berichtet. Im Berliner Bezirk Reinickendorf darf Nizar Akremi auch nicht mehr auftreten, soll die Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner laut „Tagesspiegel“-Informationen entschieden haben. Auch mehrere Auftritte für sein Soloprogramm im September und Oktober wurden gecancelt.
Auf dem Instagram-Account haben die Podcast-Hosts ein Statement angekündigt – darin kündigen sie an, weiterzumachen und sich nicht der „woken cancel culture“ beugen zu wollen. Doch wer sind Nizar und Shayan eigentlich?
Der Podcast „Die Deutschen“ fällt wohl am ehesten in die Kategorie „Comedy-Laber-Podcasts“. Zwei oder mehr Menschen unterhalten sich über Gott und die Welt und bieten damit einen möglichst hohen Unterhaltungswert. Nizar Akremi und Shayan Garcia tun das sehr erfolgreich: In den Spotify-Podcast-Charts ranken die beiden Hosts aktuell auf Platz 33, in den Comedy-Charts sogar auf Platz 13. Ihre erste Liveshow im Oktober vergangenen Jahres in der Frankfurter Jahrhunderthalle war innerhalb von fünf Minuten ausverkauft.
Für ihren Erfolg spricht auch, dass Nizar Akremi und Shayan Garcia immer wieder prominente Persönlichkeiten für ihren Podcast gewinnen können. Unter anderem die Rapper Sido, Bushido, und Massiv waren schon zu Gast.
Der Name des Podcasts spielt auf die Migrationsgeschichte der Gastgeber an. Beide sind zwar in Deutschland geboren, doch die Eltern von Nizar kommen aus Tunesien, der Vater von Shayan aus dem Iran. Provozieren gehört für die Podcaster zum Tagesgeschäft: Nachdem die Folge mit Luke Mockridge aufgezeichnet wurde, schrieb Nizar auf X: „Luke Mockridge war heute im Podcast. Macht euch bereit, Woke Bubble. Wie es sich für einen Kobold gehört, habe ich eine ganz ekelhafte Seite rausgekitzelt. Ich freue mich auf das Rumgeheule.“
Über den Youtuber Shayan Garcia ist bisher wenig bekannt. 2017 startete er auf Youtube mit einem Format durch, in dem er Menschen auf der Straße alltägliche und belanglose Fragen stellt. Ihm folgen fast 700.000 Menschen auf der Video-Plattform, dazu kommen fast eine Million auf TikTok, 772.000 auf Facebook und 290.000 auf Instagram.
Nizar Akremi und ist schon länger im Geschäft. Im Alter von 17 Jahren bildete er zusammen mit seinem ehemaligen Schulkameraden Ken Miyao eine Band. 2004 nahm er an der vierten Staffel der Castingshow „Popstars“ teil. Den Durchbruch als Musiker schafften Nizar jedoch nie. Stattdessen widmete er sich der Comedy. Erst veröffentlichte er Witze-Videos bei Facebook und Youtube, dann trat er auch auf Bühnen auf und schaffte es sogar als Stand-up ins deutsche Fernsehen. 2020 begann er, mit einem Soloprogramm durch Deutschland zu touren.
Den ersten Shitstorm erntete Nizar im Jahr 2002. Passenderweise trug auch sein Programm den Namen „Shitstorm“. Auf einen Gag auf Kosten von Frauen, die unter den Taliban zu leiden haben, folgt eine Anekdote über jüdische Restaurantbesitzer, die ihn gebucht haben sollen: „Juden aus Israel, also so richtig original … mit so Löckchen und Hakennasen“, witzelt er – und rudert dann zurück. Das sei natürlich alles nur Spaß.
Schließlich setzt er aber noch einen drauf: Die Juden hätten „in diesem Land eine gewisse Narrenfreiheit“, wenn nicht sogar „die ultimative Macht“. Viele würden die Juden hassen, aber „es traut sich eben keiner zu sagen!“ Deshalb, so scherzt er, wäre er auch gern Jude.
Auch auf seinem X-Profil teilte er schon antisemitische Inhalte. So zum Beispiel auch ein Video, in dem der Schauspieler Dan Bilzerian sagt, dass es besser wäre, wenn Israel nicht existieren würde, dass Israel die Welt belügen und die eigenen Bürger umbringen würde, um einen Genozid an palästinensischen Menschen zu verüben.