Osnabrück Arbeiten beim Autobauer: Wie viel verdient man bei VW?
Der VW-Konzern steht vor massiven finanziellen Herausforderungen. Das Unternehmen nimmt auch den Haustarif in den Fokus. Aber wie viel verdienen VW-Top-Manager jährlich überhaupt und mit welchem Gehalt dürfen die anderen VW-Mitarbeiter rechnen?
Der Autobauer Volkswagen steckt in der wohl größten Krise seiner Unternehmensgeschichte. Bereits Ende letztens Jahres verkündete der Konzern ein umfassendes Sparprogramm. Im Januar dieses Jahres ließ Volkswagen Taten folgen und strich Inflationsprämie, Boni und die geplante Gehaltserhöhung von Managern. Aus Solidarität, erklärte Konzernchef Oliver Blume, wollten auch er und seine Konzern-Vorstandskollegen auf Geld verzichten.
„Mitglieder im Management tragen eine besondere Verantwortung für das Unternehmen und üben eine wesentliche Vorbildfunktion aus, die gerade in der aktuellen Situation zum Tragen kommt“, sagte damals die Unternehmenssprecherin. Dazu mag vielleicht nicht so recht passen, dass sich einige VW-Topmanager gerichtlich dagegen wehren, im Rahmen der Sparmaßnahmen auf ihren Porsche als Dienstwagen verzichten zu müssen.
Ein kurzer Blick in den Geschäftsbericht von 2023 zeigt die Vergütungen des VW-Chefs und weiterer Manager auf. Demnach kam Blume im vergangenen Jahr abzüglich der Versorgungsaufwendungen (Vorstandspensionen) auf 8.723.606 Euro.
Das Gehalt der anderen Manager schwankt zwischen 1,2 Millionen Euro, für Manager, die noch kein volles Jahr bei VW arbeiten, und 5,6 Millionen in 2023 (ohne Versorgungsaufwendungen). Addiert man die Gehälter der insgesamt zehn Vorstandsmitglieder kommt man auf über 40 Millionen Euro im Jahr 2023.
Und wie viel verdienen herkömmliche VW-Mitarbeiter? In den sechs westdeutschen Standorten der Volkswagen AG, Braunschweig, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter und Wolfsburg gilt der sogenannte Haustarif. Zusammen mit den VW-Töchtern Financial Services, Immobilien und der dx.one GmbH fallen unter diesen Tarif insgesamt 130.000 Menschen.
Für die Osnabrücker VW-Mitarbeiter gelten hingegen andere Zahlen, für sie gelten also nicht die Bestimmungen des VW-Haustarifs.
Im Haustarif werden 22 Entgeltstufen aufgeführt, allerdings wird mittlerweile nur noch bis Stufe 20 eingruppiert. Die Stufen 21 und 22 werden laut VW nicht mehr vergeben, haben aber Bestandsschutz. „Die Beschäftigten, die darin verdienen, wachsen also gewissermaßen raus“, sagt Heiko Lossie, Betriebsrat-Pressesprecher.
Die früheren Stufen 21 und 22 seien inzwischen durch den „Tarif Plus“ ersetzt worden. Dabei handelt es sich um eine ebenfalls tarifvertraglich geregelte, aber bereits übertariflich vergütete Gruppe von Spezialisten und Führungskräften. „Um mal ein Beispiel zu nennen: Eine Werksärztin könnte Tarif-Plus verdienen. Oder der Leiter einer Unterabteilung“, so Lossie.
Die meisten Beschäftigten in der Produktion sind laut Lossie in den Stufen 7 bis 9 eingruppiert und verdienen damit seit Mai zwischen 3.913,81 Euro und 4.303,94 Euro brutto monatlich.
Mitarbeiter aus der Werksicherheit, die die Tordienste in den Werken übernehmen und sich beispielsweise um den Besucherverkehr kümmern, werden in der Stufe 5 bezahlt und bekommen ein Monatsbrutto von 3.529,65 Euro.
Wer einen Bachelor-Abschluss vorweisen kann, steigt bei Stufe 13 mit 5.302,63 Euro brutto ein, Master-Absolventen beginnen in der Stufe 14 und bekommen 5626,47 Euro. „In der Stufe 15 werden viele Meisterinnen und Meister bezahlt, wobei das auch immer auf die Größe der Meisterschaft und die jeweilige Verantwortung ankommt. Meister werden daher auch höher als die 15 vergütet”, erklärt Lossie.
In der Regel starten sie nach der Meisterprüfung in der Entgeltstufe 13 und sind dann spätestens nach zwei Jahren in der 15 bei 5.951,40 Euro brutto im Monat und können sich dann entsprechend steigern.
Und wer schafft es bis in die Stufe 20 und kann mit 7.708,62 Euro monatlich rechnen? Erfahrene Fachkräfte und solche, die besonders nachgefragt sind, wie Ingenieure oder Programmierer.
Wie Angestellte von einer Stufe in die nächste rücken, sei etwas kompliziert, heißt es seitens des Betriebsrats. Demnach gebe es automatische Eingruppierungen nach Erfahrungsstufen und eine Eingruppierung nach Tätigkeitsbeschreibungen, die sich nach der Erfahrung, Verantwortung und nach den Kompetenzen richten.
Zusätzlich zum Gehalt gibt es für alle eine leistungsorientierte Vergütung (LOV), die bei monatlich 150 Euro beziehungsweise 1800 Euro im Jahr liegt.
Darüber hinaus erhalten Mitarbeiter einen jährlichen Tarifbonus, die sogenannte Ergebnisbeteiligung. Die Summe ergibt sich aus dem Gewinn der Marken VW Pkw und VW Nutzfahrzeuge und wird zwei Jahre zurückgerechnet. Dieser Bonus ersetzt frühere Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld. In diesem Jahr liegt der Bonus bei 4735 Euro und zwar unabhängig von der jeweiligen Tarifstufe.
Bislang gab es zudem die sogenannte „Tarifliche Zusatzvergütung / T-ZUV“, eine Extrazahlung, die einmal im Jahr ausgezahlt wird und 27,5 Prozent des durchschnittlichen Monatsbruttos beträgt. Im Rahmen des Sparprogramms wurde allerdings festgelegt, dass Angestellte ab kommendem Jahr die Extrazahlung in sechs zusätzliche freie Tage (bei einer Vollzeitstelle) umwandeln müssen. Zuvor hatten VW-Mitarbeiter die Wahl zwischen Geld und freien Tagen.
Die Ausbildungsvergütung steigt mit jedem Jahr. So erhalten Azubis im ersten Jahr 1.186,69 Euro, im zweiten Jahr 1.227,99 Euro, im dritten 1.355,13 Euro und im vierten Ausbildungsjahr bekommen sie 1.437,73 Euro brutto monatlich.
Dual Studierende erhalten 395 Euro für die Semesterbeiträge sowie einen grundsätzlichen Jahresbonus von 500 Euro. Seit Mai dieses Jahres erhalten alle Dual Studierenden, unabhängig von Semester oder Jahrgang, monatlich 1261,50 Euro.
In der Regel arbeiten VW-Mitarbeiter mit einer Vollzeitstelle 35 Stunden in der Woche. Allerdings gibt es Ausnahmen, die sich aus der Tarifhistorie ergeben: Jene Angestellten, deren Vertrag vor 2005 geschlossen wurde, arbeiten 33 Stunden (im Produktionsbereich) beziehungsweise 34 Stunden (in der Verwaltung). In allen Verträgen ab 2005 gilt die 35-Stunden-Woche.
Wer einen Tarifplus-Vertrag hat, für den gilt eine 40-Arbeitsstunden-Woche. Dabei gelten Überstunden durch die anteilig am Management orientierten Bonuszahlungen als abgegolten. Wer aber durch die Schichtpläne regelmäßig mehr arbeitet, einfach weil das qua Plan grundlegend so vorgesehen ist, der hat ein Anrecht auf Mehrbezahlung. Allerdings sind das nur wenige Ausnahmen.
Aus kundigen Kreisen heißt es, dass Mitarbeiter pro Monat im Sinne einer Faustformel etwa 400 Euro für Nachtschichten oder Sonntagsarbeit erhalten. Allerdings gibt es an den meisten Standorten gar keine Nachtschicht mehr.
Wer einen Haustarifvertrag von VW hat, bekommt neben den 30 Urlaubstagen auch Heiligabend und Silvester frei, wenn diese Tage Werktage sind. Normalerweise ist es bei IG Metall-Verträgen so, dass Angestellte jeweils einen halben Urlaubstag nehmen müssen. So kommen VW Mitarbeiter auf offiziell 31 Urlaubstage bei einer 5-Tage-Woche.
Seit einem Jahr bietet das Unternehmen ein Bike Leasing durch Entgeltumwandlung an, also eine Art Job-Rad. Zudem können Mitarbeiter ein Werksangehörigenleasing in Anspruch nehmen, und wenn sie kaufen statt leasen, ist der Preis für einen Verbrenner beispielsweise um 20 Prozent reduziert.
VW bietet seinen Mitarbeitern eine sogenannte Grundversorgung für die Altersvorsorge an, die mit künftigen Tariferhöhungen mitwächst. Dabei handelt es sich um einen fixen Betrag, den das Unternehmen je nach Entgeltstufe leistet. Wie hoch dieser ausfällt, konnte das Unternehmen auf Nachfrage nicht sagen.
Darüber hinaus gibt es für jeden Mitarbeiter gut 100 Euro monatlich für die betriebliche Altersvorsorge. Auch dieser Betrag steigt, wenn der Tarif erhöht wird. „Das ist auch wichtig, weil das Rentenniveau immer mehr unter Druck gerät“, erklärt Lossie.
Zudem ermöglicht VW freiwillige Ansparungen im Rahmen der sogenannten „Beteiligungungsrente 2“, dabei handelt es sich um eine Entgeltumwandlung, auf die ein Zins in einer bestimmten Höhe garantiert wird. Angestellte können zudem auf Wunsch Sonderzahlungen wie den Tarifbonus oder Jubiläumsgratifikationen automatisch in die Altersvorsorge einfließen lassen.