Hamburg  Paralympics-Star Mester widerspricht Luke Mockridge: Keine Zusammenarbeit – weitere Tourabsagen

Alexander Barklage
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Von Alexander Barklage
| 10.09.2024 17:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mathias Mester nahm selbst an Paralympischen Spielen teil. Foto: IMAGO/Future Image
Mathias Mester nahm selbst an Paralympischen Spielen teil. Foto: IMAGO/Future Image
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Nach seinen abwertenden Äußerungen über Behindertensport muss Luke Mockridge weitere geplante Auftritte absagen. Der Neustart mit einem Fernsehquiz ist futsch. Außerdem dementiert der Para-Sportler Mathias Mester eine Zusammenarbeit mit Mockridge und kritisiert den Comedian scharf.

Die spöttischen Äußerungen über Behindertensport von Comedian Luke Mockridge ziehen weiterhin weite Kreise. „Es gibt Menschen ohne Beine und Arme, die wirft man in ein Becken - und wer als Letzter ertrinkt, der hat halt gewonnen“, hatte Mockridge unter anderem gesagt, in dem Podcast „Die Deutschen“. Auch seine schnelle Reaktion und eine Entschuldigung in einem Instagram-Post halfen ihm nicht. Seine geplante Sat.1-Show wird vorerst nicht ausgestrahlt.

In dem besagten Post erklärte Mockridge auch, dass er ein paar ausgewählte Gags über Behinderte mit seinem Bekannten Mathias Mester geschrieben habe. Mester ist kleinwüchsig und nahm selbst an Paralympischen Spielen teil, u.a. im Kugelstoßen. „Wir haben ein tolles Gespräch geführt“, so Luke Mockridge. „Und ich habe gesagt: ‚Sag mir doch, was das größte Problem eurer Community ist, weil dann kann ich das den Leuten auch erzählen.‘“ Mester so geantwortet haben: „Geil! Das größte Problem meiner Community ist Mitleid. Weil wir können alles machen, Kleinwüchsige können alles machen“, so der Sportler laut Mockridge.

Mester dementierte die Aussage von Mockridge in einem eigenen Instagram-Video: „Ich habe nicht mit Luke Mockridge an seinem Programm gearbeitet. Ich habe mit den diskriminierenden Äußerungen in Bezug auf die Paralympics nichts zu tun. Ich finde sie geschmacklos und grenzüberschreitend.“

Außerdem wird Luke Mockridge auch von einigen Bühnen verbannt. Ein geplanter Auftritt bei der Comedy-Show „NightWash“ sei kurzfristig abgesagt worden, sagte der Geschäftsführer des Veranstaltungsortes in Paderborn, Christian Stork. Der Abend mit mehreren bekannten Künstlerinnen und Künstlern der Comedy-Szene fand am Sonntag zwar statt - aber ohne Mockridge.

Auch das renommierte Bonner „Haus der Springmaus“ sagte zwei für Oktober geplante Auftritte des Comedians ab. Dies sei „in Absprache mit der Agentur und dem Künstler“ geschehen, heißt es auf der Website des Theaters. Der Vater von Luke Mockridge - der Kabarettist und Schauspieler Bill Mockridge - hatte das Improvisationstheater Springmaus 1982 gegründet. Zuvor hatte der Bonner „General-Anzeiger“ berichtet. 

Das Theater distanziere sich „mit aller Deutlichkeit von Äußerungen, die auf diffamierende und respektlose Art und Weise Menschen mit Behinderung lächerlich machen“ und werde solchen Aussagen keine Bühne bieten, heißt es in dem Internet-Statement. „Seit Theatergründung setzen wir uns dafür ein, Menschen mit Behinderung den Zugang zu unserem Theater zu ermöglichen, zu verbessern und würdevoll zu gestalten. Wir alle haben ein Recht, respektvoll und diskriminierungsfrei behandelt zu werden.“ 

Nach seinen abwertenden Äußerungen über den Behindertensport gehen weitere Veranstalter auf Distanz zu Comedian Luke Mockridge. Bis Dienstag waren sechs Auftritte im Rahmen seiner geplanten „Funny times“-Tour abgesagt. Weitere Veranstalter bestätigten auf Anfrage, dass sie in Gesprächen seien, ob geplante Auftritte des 35-Jährigen stattfinden sollen. Das Management des Comedians äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht.

Mockridge will seine Tour am Donnerstag im ostwestfälischen Bünde starten. Bis November waren ursprünglich mehr als 30 Auftritte in Deutschland und Österreich geplant, zahlreiche Shows sind nach Veranstalterangaben bereits ausverkauft.

Zuletzt hatten einige Veranstalter allerdings Konsequenzen aus Mockridges heftig kritisierten Äußerungen über Behindertensportler gezogen. Je zwei Shows in Gelsenkirchen und Bonn und je ein Auftritt in Siegen und Mainz wurden von den örtlichen Veranstaltern abgesagt. In Rheine im Münsterland wurde der Karten-Vorverkauf gestoppt, wie ein Sprecher der Stadthalle bestätigte.

„Es mangelt Luke Mockridge offensichtlich an jeglicher Demut gegenüber der Leistung der Paralympioniken und an Respekt gegenüber Menschen mit Behinderungen jeglicher Art. Wir empfinden seine Äußerungen als menschenverachtend und beschämend“, schrieb etwa der Gelsenkirchener Show-Veranstalter Emschertainment zur Begründung für die Entscheidung.

mit dpa-Material

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