„Ich schlage euch tot“  Wittmunder soll Nachbarn terrorisiert haben

Bettina Keller
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Von Bettina Keller
| 09.09.2024 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vor dem Landgericht Aurich geht es um Todesdrohungen und Beleidigungen. Foto: Archiv/Ortgies
Vor dem Landgericht Aurich geht es um Todesdrohungen und Beleidigungen. Foto: Archiv/Ortgies
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Er soll seine Nachbarn ein Jahr lang immer wieder wüst beschimpft und mit dem Tode bedroht haben. Ein 48-jähriger Wittmunder steht in Aurich vor Gericht.

Aurich/Wittmund - Rund ein Jahr lang soll ein 48-jähriger Wittmunder seine Nachbarn in der Wohnung unter ihm drangsaliert haben. Es kam laut Staatsanwaltschaft zu Todesdrohungen, heftigen Beleidigungen und Sachbeschädigungen. Jetzt sitzt er auf der Anklagebank des Landgerichts Aurich. Beim Prozessauftakt am Montag, 9. September 2024, schwieg der Mann zu den Vorwürfen.

Es handelt sich um ein sogenanntes Sicherungsverfahren. Das heißt, es wird geprüft, ob der Angeklagte dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt werden muss. Derzeit ist der Wittmunder im Maßregelvollzugszentrum Niedersachsen in Moringen (bei Göttingen) untergebracht, etwa vier Autostunden von Aurich entfernt. Dass er sich zu den Vorwürfen nicht äußern wolle, unterstrich der Wittmunder, noch bevor Oberstaatsanwalt Helge Ommen überhaupt die Anklageschrift verlesen hatte.

„Nutten, Schlampen, Dreckschweine“

Konkret werden dem 48-Jährigen zwölf Taten vorgeworfen, die er zwischen März 2023 und März 2024 begangen haben soll. Auf der gemeinsamen Auffahrt des Hauses stehend soll er seinen Nachbarn „Ich bringe euch um“ und „Nutten, Schlampen, Dreckschweine, ihr zahlt eure Miete nicht“ zugerufen haben. Außerdem fiel laut Anklageschrift die Äußerung „Ihr Asis, haut hier ab, ich kündige euch“ und „Ich werde euch töten und die Bude einschlagen. Ich hole einen Hammer und erschlage euch“.

An einem anderen Tag soll sich der Wittmunder zum Küchenfenster der Mieter begeben und gesagt haben: „Ich bin der Teufel und werde euch umbringen. Ich zünde jetzt gleich eure Wohnung an und schlage euch tot.“ Daraufhin habe er seinen Schlüsselbund gegen ihr Auto geworfen, heißt es weiter. Im Oktober 2023 soll der Beschuldigte bei der Familie geklingelt haben, um Tabak zu schnorren, wobei es erneut zu Bedrohungen und Beleidigungen gekommen sein soll. Kurz darauf habe der 48-Jährige den mit einem Schloss gesicherten Zählerkasten im Flur seines Hauses beschädigt und die Tochter der Mieter mit den Worten „Ihr seid alle Nazis“ beleidigt. Beleidigungen habe es auch wenig später bei einem Streit über die zu Lüftungszwecken offenstehende Haustür gehagelt.

Er schlug mit dem Hammer gegen die Wand

Im März 2024 randalierte er laut Anklage in seiner Wohnung und begab sich dann zur Wohnungstür der Nachbarn. Dort habe er gedroht, einen Hammer zu holen und den Familienvater zu erschlagen. Tatsächlich soll er das Werkzeug geholt und damit gegen die Wand neben der Tür geschlagen haben. Auch gegen die Wohnungstür soll er leicht gepoltert haben, um dann unter Beleidigungen wieder nach oben zu verschwinden. Die Familie reagierte verängstigt.

Außerdem wird dem Angeklagten vorgeworfen, in einem Supermarkt in Wittmund einen Einkaufswagen mit Waren im Gesamtwert von 82,80 Euro gefüllt zu haben und dann über die Obst- und Gemüseabteilung getürmt zu sein, ohne zu bezahlen. Er wurde gestellt. An einer Tankstelle soll er Tabak und Zubehör gestohlen haben, in einem Schuhgeschäft Schuhe für knapp 90 Euro.

Er hielt sich für den Duke of Wales

Weil der psychiatrische Gutachter Professor Dr. Wolfgang Trabert aus Emden verhindert war, bezog sich das Zeugenprogramm am ersten Verhandlungstag auf die Nebenschauplätze – die Ladendiebstähle. Die Nachbarn werden erst beim nächsten Termin als Zeugen vernommen.

Ein Polizist berichtete im Zeugenstand: „Er sagte, er habe keinen Ladendiebstahl begangen, denn der Laden gehöre seiner Mutter.“ Der Mann habe ziemlich wirre Angaben gemacht, etwa, dass er Maxwell Wales heiße und sich in England befinde. Die Kassiererin, die den Wittmunder bei dem Diebstahl im Supermarkt beobachtet hatte, bestätigte dies. „Mir kam das komisch vor“, sagte sie. Oberstaatsanwalt Ommen wollte wissen, ob der Beschuldigte den Eindruck vermittelt habe, ihm sei das Unrecht bewusst. Das verneinte die Zeugin.

Nach dem Vorfall mit dem demolierten Zählerkasten gab sich der Wittmunder gegenüber einem Polizisten als Duke of Wales aus. Das schilderte der damals eingesetzte Beamte. An der Tankstelle, wo er Tabak, Filter und Blättchen geordert hatte, verlangte der Mann von der 53-jährigen Kassiererin: „Schreib’s auf die Rechnung.“ Sie habe den Eindruck gehabt, dass er „nicht ganz klar war, dass irgendetwas nicht stimmte“. Er habe Selbstgespräche geführt und sei anders als vorher gewesen.

Der Prozess wird am 17. September um 13.30 Uhr in Saal 003 des Landgerichts Aurich fortgesetzt.

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