Auricher vor Gericht Polizist soll heimlich Frauen beim Sex gefilmt haben
Ein 30-jähriger Polizeibeamter aus Aurich, der in Emden arbeitet, steht vor Gericht. Er soll mehrere Partnerinnen heimlich beim Sex gefilmt haben. Außerdem wird ihm Bestechlichkeit vorgeworfen.
Aurich/Emden - Er soll bestechlich gewesen sein und Frauen durch heimliche Videoaufnahmen beim Sex erniedrigt haben: Ein 30-jähriger Polizeibeamter sitzt seit Freitag, 6. September 2024, auf der Anklagebank des Landgerichts Aurich. Der Auricher, der bei der Polizei in Emden beschäftigt ist, soll gegen Geld Informationen aus polizeilichen Datenbanken herausgegeben sowie bei 18 Treffen eine große Anzahl Sexvideos ohne das Wissen seiner Partnerinnen gedreht haben. Betroffen sind sechs Frauen. Angeklagt ist er wegen Bestechlichkeit, Verletzung des Dienstgeheimnisses und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Zusätzlich wirft ihm die Staatsanwaltschaft den Besitz kinder- und jugendpornografischer Aufnahmen in vier Fällen vor.
In der Anklageschrift sind 28 Taten aufgeführt, die er zwischen Mai 2017 und April 2022 unter anderem in Aurich, Emden und Oldenburg begangen haben soll. Der Polizeibeamte ist seit November 2022 vom Dienst suspendiert und bekommt derzeit die Hälfte seiner Besoldung, rund 1400 Euro.
Taten kamen durch Zufall ans Licht
Im Zuschauerbereich des Gerichtssaales verfolgte ein Dutzend Personen die Verhandlung. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Osnabrück hatte eine mehr als 20-minütige Anklageschrift zu verlesen. Die Taten waren durch Zufall ans Licht gekommen.
Ab dem 21. Mai 2017 soll sich der Polizist dreimal mit einer 17-Jährigen in Timmel getroffen haben. Den Oralverkehr habe er heimlich mit seinem Smartphone gefilmt. Ein viertes Mal soll sich ein ähnlicher Fall in seiner Polizeianwärter-Wohnung in Oldenburg ereignet haben. Anfangs habe er dabei noch Teile seiner Uniform getragen. Im August 2019 hielt der Polizist laut Anklage den Geschlechtsverkehr mit einer Frau, bei dem er zu Beginn seine Dienstuniform trug, ohne ihr Wissen in einem sechsminütigen Video fest. „Ich habe gerade einen Porno gedreht“, soll er danach einem Freund mitgeteilt haben.
Sie vertrauten ihm, weil er Polizist war
Vom Sex mit einer weiteren Geschädigten drehte er nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Anfang 2020 bei fünf Treffen in Oldenburg und Wittmund heimlich eine Vielzahl von Videos. In Norden soll er sich mit einem weiteren Mann und einer Frau zum Geschlechtsverkehr getroffen haben, den er auf dieselbe Weise festgehalten haben soll. Im Sommer 2020 traf er sich laut Anklage zweimal in seiner Oldenburger Wohnung mit einer Frau, die ihm nur vertraute, weil er Polizist war. Erneut soll er Sex-Aufzeichnungen angefertigt haben.
In weiteren acht Fällen soll es mit einer sechsten Geschädigten zu ähnlichen Taten gekommen sein. Tatort war öfters der Netto-Parkplatz in Hesel, wobei der Sex in seinem Auto stattgefunden haben soll – nicht nur parkend, sondern auch während der Fahrt. Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft dem Polizisten vor, im Juli 2021 im Dienst drei Videoaufnahmen von einer unter Drogen stehenden Person gemacht zu haben, deren Gesäß sich in der Gewahrsamszelle entblößt hatte.
Angeklagter legt Teilgeständnis ab
Der Polizist gestand über seinen Verteidiger die heimlichen Sex-Aufzeichnungen sowie den Besitz einiger kinder- und jugendpornografischer Dateien. Zum Vorwurf der Bestechlichkeit und dem Besitz eines Kinderpornos mit drei Jungen beim Sex gab er keine Einlassungen ab. Vielleicht erfolgen sie am kommenden Verhandlungstermin, denn sein Verteidiger Dr. Stephan Weinert war zum Prozessauftakt verhindert und ließ sich vertreten.
Der Ermittlungsbeamte, der die Geschädigten der Sexvideos vernommen hatte, war als Zeuge geladen. Der 34-jährige Beamte der Polizeiinspektion Osnabrück berichtete, er habe das Handy des angeklagten Polizisten ausgewertet: „Insgesamt waren es 93 Sexvideos mit einer Gesamtdauer von viereinhalb Stunden.“ Keine der Frauen habe gewusst, dass sie gefilmt wurde. „Sie wären damit auch nicht einverstanden gewesen“, so der Zeuge. Teilweise hätten sie gefesselt und mit verbundenen Augen auf dem Bett gelegen.
Frauen reagierten wütend und schockiert
Als der Ermittler die Geschädigten wegen der Videos kontaktierte, waren sie wütend, verletzt und schockiert. „Alle waren sehr aufgelöst, und es war eine sehr unangenehme Situation für sie. Sie konnten die Videos kaum anschauen, und wenn, dann ohne Ton“, sagte er. Die meisten Frauen hätten bei den Vernehmungen seelische Unterstützung benötigt. Sie mussten sich und den Angeklagten identifizieren. Ob seine Tätigkeit als Polizeibeamter bei den Frauen eine Rolle gespielt habe, wollte der Vorsitzende Richter Bastian Witte wissen. „Ja, es gab einen Vertrauensvorschuss“, antwortete der Zeuge. Die Videos von dem Inhaftierten in der Zelle hätten der Belustigung gedient.
Mit dem 30-Jährigen sind drei weitere Männer angeklagt. Es handelt sich um einen Freund des Polizisten, einen 29-Jährigen aus Bremen, dessen 32-jährigen Bruder aus Aurich sowie um einen 39-jährigen Wilhelmshavener. Den Brüdern wird Hilfeleistung bei Bestechlichkeit vorgeworfen. Der Wilhemshavener, von Beruf Rechtsreferendar, soll seine Dienstpflicht verletzt haben.
Flossen Informationen gegen Geld?
Anfang 2022 soll der Wilhelmshavener dem angeklagten Polizisten Geld gezahlt haben, damit er im Computer nachschaut, ob gegen ihn ein Untersuchungshaftbefehl wegen Handeltreibens mit Marihuana in nicht geringen Mengen vorliege. Der Kontakt soll durch die mitangeklagten Brüder vermittelt worden sein. Der Polizist habe die Daten des Wilhelmshaveners abgerufen und dem Freund aus Bremen mitgeteilt, dass kein Haftbefehl vorliege. Über dessen Bruder soll die Information an den Wilhemshavener weitergeleitet worden sein.
Im April 2022 soll der Wilhelmshavener den Polizisten über die beiden Brüder erneut kontaktiert haben. Dieses Mal sei es darum gegangen, ob gegen ein Mitglied des Motorradclubs „Bandidos“ ein Vollstreckungshaftbefehl vorliege. Auch darauf sei der Angeklagte eingegangen, heißt es. Für die Auskunft habe er 200 Euro kassiert.
Der Prozess wird am 27. September 2024 um 9 Uhr in Saal 003 des Landgerichts Aurich fortgesetzt.