Katastrophenschutz  Ihlow zieht Lehren aus Starkregen

| | 06.09.2024 15:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Stauwehr Klapphörn am Ihlower Forst hält normalerweise das Wasser in den Kanälen in Ihlowerfehn. Bei Starkregen ist die Bauweise mit Holzbohlen aber ein Hindernis. Fotos: Christin Wetzel
Das Stauwehr Klapphörn am Ihlower Forst hält normalerweise das Wasser in den Kanälen in Ihlowerfehn. Bei Starkregen ist die Bauweise mit Holzbohlen aber ein Hindernis. Fotos: Christin Wetzel
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Bislang ist Ihlow oft glimpflich durch Extremwetterereignisse gekommen. Anders im Juli. Dort gab es in mehreren Ortschaften Probleme. Wie die jetzt angegangen werden.

Ihlow - Der nasse Winter und die Starkregenereignisse aus dem Sommer haben in Ihlow Spuren hinterlassen. Inzwischen hat die Gemeinde die Baustellen aufgedeckt, wo etwas getan werden muss, um künftig zu verhindern, dass das Wasser in die Häuser kommt. Ein Überblick davon liegt der Redaktion vor und wurde auch kürzlich im Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Tourismus in Ihlow vorgestellt. In verschiedenen Ortschaften kam es zu Problemen, als es Mitte Juli zum Starkregen kam. Simonswolde, Barstede, Westerende-Holzloog und -Kirchloog, Ihlowerfehn und Ostersander wiesen alle Probleme auf. Was bereits getan wurde und was die Gemeinde noch vorhat.

Blick auf den Graben und das Baugebiet am Manneweg in Simonswolde. Es liegt in einer Senke und stand im Juli ebenfalls unter Wasser.
Blick auf den Graben und das Baugebiet am Manneweg in Simonswolde. Es liegt in einer Senke und stand im Juli ebenfalls unter Wasser.

Simonswolde: Hier stand vor allem das Baugebiet am Manneweg im Fokus. Es liegt in einer Senke. „Da wird es darauf ankommen, zu schauen, ob wir das Wasser aus dem oberen Bereich umlenken können“, sagt Gemeindebürgermeister Arno Ulrichs. Zwar gebe es ein Regenrückhaltebecken, aber das reiche nicht aus. Auch wurde erkannt, dass bei der Entwässerung nicht alle Rohre die gleiche Größe haben. Ein einziger Durchlass nur sei zu klein, mit einem Rohrdurchmesser 40 Zentimetern, während alle anderen mindestens 60 Zentimeter Durchlass haben. Aber diese eine Engstelle führte mitunter dazu, dass im Juli das Wasser in dem Baugebiet stand. Zusammen mit dem Entwässerungsverband sei auch überlegt worden, ob im Extremfall das Wasser ins nahe gelegene Sandwater gepumpt werden kann. Das müsse aber erst mit der Unteren Naturschutzbehörde geklärt werden, so Ulrichs. Aber es wäre auch nur in extremen Notsituationen angedacht.

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Ihlowerfehn: Hier stand in der Norderwieke das Wasser im Juli bis auf die Straße. Eine Ursache dafür wurde auch ausgemacht. Beim Stauwehr Klapphörn nahe des Ihlower Forsts wird normalerweise dafür gesorgt, dass das Wasser in den Kanälen in Ihlowerfehn bleibt. Doch es handelt sich hier um alte Bohlenbretter. „Wenn es Niederschlag gibt, kann man die gar nicht schnell genug entfernen“, so Ulrichs. Auch hier müsse nach einer Lösung geschaut werden, damit dies in Zukunft nicht manuell gesteuert werden muss.

Blick auf die Norderwieke in Ihlowerfehn. Hier stand das Wasser bei Starkregen bis fast auf die Straße.
Blick auf die Norderwieke in Ihlowerfehn. Hier stand das Wasser bei Starkregen bis fast auf die Straße.

Westerende: Sowohl in Kirchloog als auch in Holzloog gab es an verschiedenen Stellen Probleme. So stand das Wasser in verschiedenen kleineren Straßen, teils mitten in der Siedlung beispielsweise im Kringsweg oder auch auf den Flächen. Die Feuerwehr kam am „Alter Postweg“ zum Einsatz, wo noch mit Hilfe einer Pumpe eines Lohnunternehmens das Wasser abgepumpt wurde.

Neu-Barstede: Hier gab es vor allem Probleme, weil das Wasser aus Moordorf über den Ringkanal kam. Es habe deswegen auch schon am 19. August eine Besprechung mit der Gemeinde Südbrookmerland, den Feuerwehren und den zuständigen Landkreisbehörden gegeben. Ein Ergebnis aus der Besprechung: Die Gemeinde Südbrookmerland soll nun sogenannte Retentionsflächen für das Wasser suchen, so Ulrichs.

Ostersander/Bangstede/Ochtelbur: Hier kam es zu Problemen im Bereich der Kreisstraßen, wo die Kreisstraßenmeisterei zuständig ist.

Was sind die nächsten Schritte? Teils müssen die Gräben gereinigt werden, was in Teilen auch schon angegangen wird. Auch über die Anschaffung neuer Pumpen müsse nachgedacht werden, heißt es in dem Übersichtsplan der Verwaltung. Noch dazu würden Paletten mit Sandsäcken beim Bauhof gelagert. Auch die Problemstellen müssten regelmäßig überprüft werden. Ausnahmegenehmigungen für den früheren Beginn der Grabenunterhaltungen werden geprüft. Und es wird ein Alarmplan erstellt, der im Katastrophenfall zum Einsatz kommt. Die Gemeinde hat dafür im Rathaus bereits größere Bildschirme im Sitzungszimmer angeschafft. Außerdem sollen noch Satellitentelefone gekauft werden, damit im Notfall im Rathaus ein Kontrollzentrum die Einsätze koordinieren kann. Nicht alles werde innerhalb eines Jahres geschafft werden, so Ulrichs. Auch mittelfristige Lösungen müssten her. Ein Flutpolder, von denen die Nachbargemeinde Großefehn sogar zwei hat, wäre auch eine Lösung. Bislang war Ihlow immer gut weggekommen, bei Starkregen und Co, weshalb so ein Bau noch nicht angestrebt wurde. Aber auch über solch eine Lösung will die Gemeinde nachdenken. Allerdings gebe es in Ihlow große Nutzungskonkurrenzen um die Flächen, auch wenn es auf den ersten Blick viel freie Fläche gibt. Da müsse genau geschaut werden, wo ein Polder möglich wäre. „Ich fürchte, dass es früher oder später wieder Starkregen geben wird“, sagt Ulrichs.