Starkregen in Aurich  Kampf der Flut: Mehr Gräben und neue Gewässer für Aurich

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 06.09.2024 13:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Awo-Heim in Popens musste wegen des Starkregens Mitte August teilweise evakuiert werden. Foto: Holger Janssen
Das Awo-Heim in Popens musste wegen des Starkregens Mitte August teilweise evakuiert werden. Foto: Holger Janssen
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Nach dem Unwetter Mitte August zieht die Auricher Verwaltung Bilanz. Und es gibt Vorschläge, mit welchen Maßnahmen Überschwemmungen vermieden werden könnten.

Aurich - Wassermassen beherrschten die Auricher Innenstadt Mitte August. Innerhalb kürzester Zeit war am Abend des 13. August mehr Niederschlag runtergekommen als sonst in einem ganzen Monat. Weite Teile der Innenstadt waren überflutet, das Awo-Heim in Popens musste teilweise evakuiert werden.

Ehlke Ubben zeigte als Leiter der Stadtentwässerung auf, welche Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen nötig sind. Foto: Heino Hermanns
Ehlke Ubben zeigte als Leiter der Stadtentwässerung auf, welche Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen nötig sind. Foto: Heino Hermanns

Kritik wurde vor allem in den sogenannten sozialen Medien laut. Die Gullys würden nicht regelmäßig gereinigt, die Stadt hätte die Infrastruktur vernachlässigt, war oft zu lesen. Ein Eindruck, dem Ehlke Ubben, Leiter der Auricher Stadtentwässerung, am Donnerstag im Umweltausschuss entgegentrat. Die Stadt besitze einen sogenannten Sinkkastenreiniger. Das ist ein Fahrzeug, mit dem die Gitter auf den Gullys hochgenommen werden. Mit einem Sauger wird dann der Sinkkasten gereinigt. Jährlich könnten damit 25.000 bis 28.000 Reinigungen vorgenommen werden, so Ubben.

Auricher Regenzeit im Juli und August

Es sei nun mit dem Betriebshof besprochen worden, dass vor Beginn der Regenzeit im Juli besonders gefährdete Bereiche eine Extra-Reinigung bekommen sollen. Gänzlich verhindern lasse sich aber auch damit die Verstopfung der Gullys nicht. Denn mit dem Regen sei vorher auch der Sturm gekommen und habe viel Laub von den Bäumen gerissen. Dieses setze sich schließlich zusammen mit Ästen vor die Abläufe.

In den Monaten Juli und August gebe es wegen der Wetterlagen die meisten Starkregenereignisse, so Ubben. „Und sie häufen sich.“ Im langjährigen Mittel gebe es im August 78 Millimeter Regen, das sind 78 Liter Wasser pro Quadratmeter. „Diese Menge hatten wir am 13. August in wenigen Stunden erreicht.“ Die Folge sei eine Überlastung des gesamten Systems gewesen.

Überschwemmungen wird es immer geben

Ubben betrachtet dabei die gesamte Kette „von der Dachrinne bis zur Nordsee“. Wenn es irgendwo hake, gebe es Überflutungen. Gefährdet seien im Stadtgebiet vor allem die Bereiche, die etwas tiefer lägen als die Umgebung. Dazu gehört die Gegend um das E-Center Parkkauf, wo es immer wieder zu Überschwemmungen kommt. Mitte August hatte es auch das Awo-Heim in Popens getroffen. Dort mussten Bewohner sogar in eine Notunterkunft ausweichen. Die Ursache für die Überschwemmung dort steht laut Ubben noch nicht fest.

Im Eckfehler Weg war die Kanalisation wie an vielen Stellen in Aurich überfordert. Foto: Romuald Banik
Im Eckfehler Weg war die Kanalisation wie an vielen Stellen in Aurich überfordert. Foto: Romuald Banik

Ganz verhindern könne man die Überschwemmungen nicht. So große Rohre könnte die Stadtentwässerung gar nicht in die Straßen legen. Es gebe aber kurzfristige und langfristige Maßnahmen, mit denen man die Folgen der Starkregenereignisse zumindest abmildern könne.

Gewässer sollen ausgebaut werden

Dazu gehöre die grundlegende Erkenntnis, dass Gräben Wasser besser ableiten können als Rohre. „Rohre stellen eine Bremse im System dar“, sagt Ubben. Hinzu kämen ungepflegte Gräben und Grundstücke, von denen ungeregelt das Wasser auf die Straßen laufe.

Neben zusätzlichen Reinigungsarbeiten müsse es das Ziel sein, Gräben wieder zu öffnen, wo das möglich sei. Das gelte auch für Privateigentümer. Wo es möglich sei, müssten sie, wie auch die Stadt selbst, Versickerungsmöglichkeiten schaffen. Langfristig müsse die Stadt schauen, wo auch in bestehenden Wohngebieten zusätzliche Regenrückhaltebecken gebaut werden können. Gräben müssten laut Ubben zusammengeschlossen werden, um Umleitungen für das Wasser zu schaffen. Und Gewässer müssten ausgebaut werden. Das aber ist laut Ubben eine Aufgabe der Entwässerungsverbände, die das Thema bereits bearbeiten würden. Derzeit würden Potenzialflächen für Polder gesucht.

Regenwassergebühr taucht wieder auf

Das alles kostet Geld, wie Volker Rudolph (GAP) feststellte. Starkregen lasse sich nur mit weniger Versiegelung begegnen. Und wer das auf seinem Grundstück nicht machen wolle, der müsse eben zahlen. „Die Regenwassergebühr wird auf der Tagesordnung bleiben, wir werden es irgendwann beschließen müssen.“ Denn die Kosten dürften nicht ausschließlich aus dem allgemeinen Haushalt bezahlt werden.

Eine Ansicht, die von Gerda Küsel (SPD) geteilt wurde. „Eine starke Versiegelung bedeutet starke Probleme. Wer soll das bezahlen?“ Erst Mitte Dezember vorigen Jahres hatte der Auricher Rat die Einführung der Regenwassergebühr abgelehnt – mit einer hauchdünnen Mehrheit von nur einer Stimme. Mit jedem Starkregenereignis, das scheint sicher, wird diese Debatte wieder aufflammen.

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