Autohersteller in der Krise  Azubis im VW-Werk Emden bangen um ihre Übernahme

Pia Pentzlin
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Von Pia Pentzlin
| 04.09.2024 17:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das VW Werk in Emden ist mit rund 8000 Arbeitsplätzen einer der größten Arbeitgeber in Ostfriesland. Foto: Penning/DPA
Das VW Werk in Emden ist mit rund 8000 Arbeitsplätzen einer der größten Arbeitgeber in Ostfriesland. Foto: Penning/DPA
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Der Autohersteller VW schließt Werksschließungen und Entlassungen nicht mehr aus. Tausende Mitarbeiter im VW-Werk Emden fürchten um ihren Job – und die Auszubildenden fürchten um ihre Übernahme.

Emden - Mit Volkswagen hat der größte Autobauer Deutschlands in dieser Woche neue Sparpläne veröffentlicht. Der Konzern spricht von Überkapazitäten – es würden schlichtweg zu wenig Autos verkauft. Als Folge schließt der Konzern Werksschließungen in Deutschland nicht mehr aus. Auch betriebsbedingte Kündigungen seien möglich. Das könnte auch das VW-Werk in Emden betreffen. Bei der für diesen Donnerstag geplanten Betriebsversammlung dürfte es daher sehr laut werden, kündigte Betriebsratschef Manfred Wulff an. Während Tausende Mitarbeiter um ihre finanzielle Existenz fürchten, bangen die Auszubildenden um ihre Übernahme.

Auszubildende in Emden sind entäuscht

„Wir Azubis fühlen gerade große Hoffnungslosigkeit und Zukunftsangst“, sagt eine Auszubildende aus dem Emder Werk, die anonym bleiben möchte, im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie selbst arbeite in der Werkzeugmechanik und stelle sich nun die Frage, wie sicher ihre Ausbildung noch ist. Zwar sei sich die 25-Jährige sicher, ihre Ausbildung abschließen zu können – aufgrund der finanziellen Schieflage des Autoherstellers und eines möglichen Stellenabbaus sehe sie aber ihre Übernahme gefährdet: „Wenn die Tarifverträge von VW angefochten werden, geht es auch an die Übernahmeregelung der Azubis“.

Das enttäusche die Auszubildenden, denn immerhin sei das der Grund, warum viele überhaupt eine Ausbildung bei Volkswagen anstreben. Statt einer Zukunftssicherheit stehe nun eine große Ungewissheit im Raum, so die Auszubildende. „Wir haben Azubis, die Mitte 20 oder Mitte 30 sind, wir stehen mitten im Leben, haben teilweise Familien zu versorgen“, beklagt die angehende Werkzeugmechanikerin. Sie selbst habe ein kleines Kind zu Hause. „Das schlägt in Emden vielen auf den Magen“, gibt sie im Gespräch Einblick. In den Pausenräumen gebe es kaum noch ein anderes Thema.

Eine Milliarde Euro hat VW in den Umbau des Emder VW-Werks investiert. Seit 2022 werden dort überwiegend E-Autos gefertigt. Foto: Schuldt/DPA
Eine Milliarde Euro hat VW in den Umbau des Emder VW-Werks investiert. Seit 2022 werden dort überwiegend E-Autos gefertigt. Foto: Schuldt/DPA

Die Angestellten erhalten Informationen überwiegend aus der Presse

Die künftige Werkzeugmechanikerin nennt ein konkretes Beispiel: Große Sorgen gebe es derzeit gerade unter den Produktionstechnologen und den dazugehörigen Auszubildenden. „Das ist ein brandneuer Beruf“, sagt die Auszubildende. Derzeit gebe es diesen Beruf in der Region nur bei Volkswagen in Emden und bei der Meyer Werft in Papenburg. „Wenn die Azubis nach Abschluss der Ausbildung nicht übernommen werden, stehen sie ohne Job da“, sagt die 25-Jährige. Denn die Meyer Werft bilde in diesem Bereich selbst aus. Den Nachwuchskräften bleibe im Ernstfall also nichts anderes übrig, als die Region zu verlassen. „Und wir Ostfriesen wollen hier nicht weg“, sagt die VW-Auszubildende.

Besonders wütend macht die Angestellten auch, dass sie von ihrem Arbeitgeber selbst kaum Informationen erhalten. „Wir erfahren auch nur alles aus der Presse“, versichert die 25-Jährige. Letztendlich wisse man nur, dass es Veränderungen geben werde – aber nicht, welche und wie weitreichend diese sein werden. Die Kommunikation sei vonseiten des Konzerns sehr intransparent. „Das verunsichert uns alle natürlich noch mehr“, sagt die Auszubildende.

Einige Auszubildende erhoffen sich in Emden einen Standortvorteil

Im Gespräch ist sich die Auszubildende jedoch sicher, dass bei weitem nicht alle Angestellten und Azubis um die Zukunft des Emder Werks fürchten. „Viele bewahren sich ihre Hoffnung“, sagt sie. „Warum sollte VW ein Interesse haben, Geld in ein Werk zu investieren und es dann zu schließen?“, fragt sich die Auszubildende im Gespräch. Auch sie selbst erhoffe sich durch die reine Produktion von Elektroautos einen Standortvorteil für das Werk in Ostfriesland. „Wir sind in Emden die Zukunft von VW. Das Werk zu schließen, wäre ein Fehler“, so die Auszubildende. Der Emder VW-Nachwuchs hoffe nun auf neue Informationen bei der Betriebsversammlung am Donnerstag.

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