Osnabrück  Krise bei VW: Die Autobranche kann den Karren nicht allein aus dem Dreck ziehen

Hannah Petersohn
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Von Hannah Petersohn
| 02.09.2024 16:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Sommerreise des niedersächsischen Ministerpräsidenten Foto: dpa | Hauke-Christian Dittrich
Sommerreise des niedersächsischen Ministerpräsidenten Foto: dpa | Hauke-Christian Dittrich
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Vom Zugpferd zum Sorgenkind: VW plant offenbar Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen. Der schleichende ökonomische Niedergang betrifft ganz Niedersachsen – mit dramatischen Folgen für die gesamtdeutsche Wirtschaft.

Niedersachsens Wirtschaft gab bislang eigentlich ein passables Bild ab: Sie konnte im vergangenen Jahr entgegen dem Bundestrend mit 0,2 Prozent ein leichtes Plus verbuchen. Ökonom Marcel Fratzscher bezeichnete Niedersachsen gar als „wirtschaftlich sehr erfolgreiches Bundesland“. 

Und jetzt das: Niedersachsens Schlüsselbranche, die Automobilindustrie, ist vom Zugpferd zum Problemkind mutiert. Allein bei VW fehlen Milliarden, der Autobauer plant massive Sparmaßnahmen. Betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen nicht ausgeschlossen.

Die Hiobsbotschaft kommt just zu dem Zeitpunkt, an dem eine aktuelle Studie der niedersächsischen Industrie ein Nullwachstum bescheinigt. Der Umsatz sei gesunken, die Arbeitslosenquote gestiegen. Die Situation sei alarmierend, die einstige Entwicklung gekippt, warnt Volker Schmidt, Chef von NiedersachsenMetall. Die Wirtschaft zwischen Harz und Nordsee leide dabei unter gesamtdeutschen Problemen: den hohen Energie- und Arbeitskosten, den Steuern und Abgaben und dem Bürokratieirrsinn. 

Für die Automobilbranche kommt ein schwächelnder Absatz noch obendrauf, die Hersteller sitzen auf massiven Überkapazitäten. Die Anpassungsgeschwindigkeit der Branche – die wirtschaftlich relevante Entwicklung vom Verbrenner zum E-Auto – lahmt. Kein Wunder, woher soll auch das nötige Geld dafür kommen? In der Folge fahren die Unternehmen ihre Investitionen zurück.

Die bisherige Überlebensstrategie der Autobauer: Sparprogramme und die Verlagerung der Produktion in kostengünstige Länder. Damit fließt das investierte Geld ins Ausland. Wenn die Politik es nicht endlich schafft, das Geschäft für die Unternehmen zu erleichtern, wird sich der aktuelle Trend verschärfen.

Das kann niemand wollen, schließlich sorgt der Zweig bisher noch für 22 Prozent der Industrie-Arbeitsplätze in Niedersachsen. Und: Ergreift diese „systemrelevante“ Branche weiterhin die Flucht und baut ab, schadet das am Ende nicht nur Niedersachsen, sondern Deutschlands gesamtem Wirtschaftswachstum.

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