Stadt investiert 150.000 Euro Neuer Schwung für Norder Spielplätze
Norden plant eine Spielplatzoffensive. Neue Spielgeräte, multifunktionale Bewegungsangebote und Naturerfahrungsräume sollen entstehen, um den Spielplatzmangel in der Innenstadt zu beheben.
Norden - Für Kinder unter sechs Jahren muss alle 175 Meter ein Spielplatz zur Verfügung stehen, für bis Zwölfjährige alle 350 Meter. Festgelegt wird so was in DIN-Normen. Hintergrund ist der Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention, in dem es um das Recht auf Spielen für Kinder und Jugendliche geht. Vor allem der Innenstadtbereich, aber auch viele andere Quartiere in Norden erfüllen diese Normen nicht. Deshalb will die Stadt nun aufrüsten. Dabei werden aber nicht nur die Kinder bedacht – es sollen auch Mehrgenerationen-Spielmöglichkeiten entstehen. Entsprechende Pläne stellte jetzt Stadtbaurat Christian Pohl im Umweltausschuss vor.
Insgesamt gibt es im gesamten Stadtgebiet 59 öffentliche Spiel- und Bolzplätze. „Es gibt Stadtteile wie Norddeich oder das westliche Stadtgebiet, die gut versorgt sind. Insbesondere der Innenstadtbereich ist für Kinder bis zu einem Alter von zwölf Jahren stark unterversorgt“, sagte Tina Walther vom Fachdienst Umwelt und Verkehr. Überraschend: Sogar das Geld für diese Maßnahmen ist trotz klammer Haushaltslage vorhanden – denn weder im Jahr 2023 noch in diesem Jahr wurden die Mittel für die Spielplätze bisher abgerufen, erklärte Pohl. Und so hat die Verwaltung noch 150.000 Euro für den Bau und die Sanierung von Spielplätzen zur Verfügung.
Einige Angebote werden abgebaut
Für einige Spielplätze heißt das aber auch, dass sie ein Teil des Angebotes verlieren. Wie etwa für den Spielplatz Schulstraße, der in unmittelbarer Nähe zu einer Kindertagesstätte liegt. Das 2800 Quadratmeter große Gelände soll entsiegelt werden. Sämtliche Betonplatten werden ausgebaut, stattdessen Gras eingesät. Ein vorhandenes Basketballfeld mit Korb soll weichen. Stattdessen soll ein Fußballtor aufgebaut werden. Eine fehlende Stehwippe soll ebenfalls wieder aufgebaut werden.
In Norddeich an der Deichstraße gibt es zwar bereits einen Spielplatz für die unter Sechsjährigen. Tatsächlich genutzt wird dieser Platz aber kaum – zumal es in der Saison mit den Spielgeräten auf dem Strand eine große Konkurrenz gibt. Hinterm Deich stehen bisher nur ein Spielehaus und kleinere Wippgeräte. Nun soll das Angebot ausgebaut werden. Dafür wird die Fläche um das direkt anschließende Gelände am Kakteenweg ergänzt, erklärte Tina Walther. Entstehen soll auf der neuen Fläche ein Angebot für die Sechs- bis Zwölfjährigen. Beide Spielflächen sollen miteinander verbunden werden.
Multifunktionales Bewegungsangebot geplant
Radikal ist die Änderung für den Spielplatz Danziger Straße geplant. Das bisherige Angebot soll komplett abgebaut werden. Künftig soll hier ein multifunktionales Bewegungsangebot für Jung und Alt entstehen. Vorteil für diesen Plan: Der Spielplatz liegt direkt an einem Wanderweg. Verschiedene Bewegungselemente wie Trampoline, eine Slackline, eine Kletterwand und eine von mehreren benutzbare Stehwippe sollen hier aufgebaut werden.
Der Spielplatz am Siedlungsschloot in Süderneuland ist nur ein sehr kleiner Spielplatz. Das Angebot ist zudem in die Jahre gekommen. Bisher gibt es dort eine Nestschaukel, ein Spielhaus, ein Wipptier und eine Rutsche. Auch hier will die Stadt ein multifunktionales Bewegungsangebot schaffen, das über einen reinen Spielplatz hinausgeht. Ein Trampolin, verschiedene Balancier- und Hangelmöglichkeiten oder eine Brücke könnten hier entstehen.
Ein Naturerlebnisraum soll entstehen
Auf dem Spielplatz Siedland wird zurzeit eine Maßnahme der Kurverwaltung umgesetzt. Aus Mitteln der Kurbeiträge soll dort ein Angebot an Fitnessgeräten entstehen – ergänzend zu den bestehenden Spielgeräten. Der Spielplatz ist sehr groß und schon jetzt sehr vielfältig ausgestattet. Auch einen Bolzplatz gibt es dort. In diesem Bereich soll Platz für die Fitnessgeräte geschaffen werden.
Besonders soll auch der Spielplatz Schwanenpfad werden. Seit 15 Jahren gibt es auf dieser Fläche keine Spielgeräte mehr. Und auch künftig sollen hier keine klassischen Geräte wie Rutsche und Schaukel aufgebaut werden. Stattdessen will die Stadt Norden hier einen Naturerfahrungsraum anlegen. Mit Naturmaterialien, wie Substraten, über Hügelmodellierung, Mulden, natürliche Elemente zum Balancieren, soll das Angebot in dem westlichen Stadtteil erweitert werden. Die Kinder sollen dort die Möglichkeit bekommen, selber etwas zu bauen, selber mit den verschiedenen Materialien kreativ zu werden.
Politik hat noch eigene Wünsche
An anderer Stelle, wie am Spielplatz Albatrossstraße werden Angebote ersetzt oder erweitert. So ist an der Albatrossstraße das Wackelboot bereits abgebaut worden, stattdessen soll ein Sandbauplatz eingerichtet werden. Am Warfenweg wird der Ballfangzaun ersetzt.
Insgesamt waren die Norder Ratsmitglieder mit den Planungen zufrieden. Doch an der ein oder anderen Stelle brachten sie ihre Expertisen als Großeltern mit ein. So fehlten dem Ausschussvorsitzenden Andreas Hartig (Bündnis 90/Die Grünen) etwa die Möglichkeit für die Kinder, mit Wasser zu spielen. „Zu Patschen und zu matschen hat für die Kinder immer einen hohen Anreiz“, sagte Hartig. Andreas Göhrlich (ZoB) wünschte sich für den Spielplatz am Warfenweg eine Basketballfläche und eine Fläche, „wo die Leute vom Jugendhaus vorbeikommen können oder der Kinderschutzbund mal Kaffee ausschenken kann, dass die sozialen Institutionen an dem Spielplatz in Kontakt mit den Bewohnern treten können“.
Diskussion um Brombeeren
Unterschiedliche Auffassungen bei Politik und Verwaltung gibt es aber bei der Bepflanzung der Spielplätze. Während Wolfgang Hinrichs (SPD) und Günther Schwitters (SPD) Brombeersträucher für komplett ungeeignet halten: „Die Einsicht auf den Spielplatz ist weg, man verliert die Kinder aus dem Blick“, „Die Sträucher bestimmen mittlerweile über unsere Spielplätze“, sehen Christian Pohl und Tina Walther die Problematik nicht. „Ich hoffe, das Angebot ist austariert“, sagte Pohl. Der Wunsch nach mehr Einsehbarkeit sei aber bei der Verwaltung angekommen.
Erste Aufträge, wie für die Schulstraße, die Weserstraße und den Warfenweg wurden laut Verwaltung bereits erteilt. Für einige Plätze (wie am Kakteenweg, an der Danziger Straße und am Siedlungsschloot), bei denen größere Maßnahmen vorgesehen sind, müssen noch nachgeplant werden. Da die Lieferzeiten für neue Spielgeräte lang sind, geht die Verwaltung nicht davon aus, dass dort noch in diesem Jahr alle gestern vorgestellten Maßnahmen umgesetzt werden können.
Für Kinder sind das Spiel und die Bewegung in der freien Natur von immenser Bedeutung. Grundsätzlich soll auf öffentlichen Spielplätzen den Kindern zunächst der spielerische Aufenthalt im Freien mit den verschiedenen Spielarten, wie zum Beispiel Bewegungsspiel, Rollenspiel, das Spiel nach Regeln ermöglicht werden. Für die Hauptnutzergruppe, die Kinder ab 3 Jahren, ist ein Angebot aus verschiedenen Bewegungsformen, wie beispielsweise rutschen, schaukeln, wippen, klettern, besonders wichtig, um die Bewegungsabläufe zu lernen und zu trainieren, heißt es von der Verwaltung. Spielplätze haben neben ihrer Bedeutung als Flächen für Spiel und Bewegung, aber auch eine Bedeutung für das Stadtklima, die Biodiversität, die Gesundheitsvorsorge und den Ausgleich von sozialen Unterschieden in den Wohngebieten. Spielplätze sind, so heißt es in der Vorlage der Verwaltung, wertvoll zum Trainieren der Grob- und Feinmotorik der Kinder und Orte zur Selbsterfahrung. Sie sind aber auch Naturerfahrungsräume für die Begegnung mit Flora und Fauna und Orte zur Herausbildung eines eigenen Umweltbewusstseins. Aus diesem Grund werden Spielplätze nicht grundsätzlich intensiv unterhalten, sondern es werden Räume für die Entwicklung der heimischen Pflanzen- und Tierwelt gelassen.Die Bedeutung von Spielplätzen