Hamburg Ihr Kind in einem Porno? So schnell kann das passieren
Schutzlos gegen Hass im Netz – so fühlt sich einer Umfrage zufolge die Mehrheit der Deutschen. Was es neben einer neuen Gesetzeslage dringend braucht.
Es wird beleidigt, erpresst, bedroht und gelogen: Wie grausam Menschen im digitalen Raum miteinander umgehen, weiß jeder. Dass es vor allem Kinder und Jugendliche sind, die auf sozialen Netzwerken wie Whatsapp, Tiktok oder Instagram gemobbt werden, ist ebenfalls bekannt. Und trotzdem werden laut einer großen Mehrheit der Bevölkerung Opfer zu wenig geschützt und Täter nicht effektiv genug bestraft, wie aus einer aktuellen Online-Befragung des Civey-Forschungsinstituts hervorgeht.
Verbreitung und Folgen digitaler Gewalt werden in Deutschland noch immer völlig unterschätzt. Verbringen immer mehr Menschen ihre Zeit online, verlagert sich Kriminalität automatisch vom Analogen ins Digitale. Die Annahme, man befände sich dort in einem rechtsfreien Raum und agiere anonym, senkt die Hemmschwelle bei den Tätern.
Künstliche Intelligenz (KI) macht außerdem immer perfidere Mobbingmethoden möglich. Der Kopf einer Mitschülerin oder Lehrerin auf dem Körper einer Pornodarstellerin – mit KI-basierter Technologie ist so eine Montage schnell gemacht. Und das manipulierte Video mit ein paar Klicks im Klassenchat gepostet.
Im Extremfall mündet derartiges Mobbing im Suizid. Deswegen ist Medienerziehung in Schulen unerlässlich und sollte verpflichtend sein. Und selbstverständlich muss Medienkompetenz auch in jedem Elternhaus Thema sein. Dass Kinder und Jugendliche online früher oder später mit Brutalität, Grausamkeit und Pornografie konfrontiert werden, kann keiner verhindern. Umso wichtiger ist es deshalb, ihnen Maßnahmen an die Hand zu geben, mit denen sie richtig reagieren.
Ein Blick in die Nachbarländer zeigt, was noch alles möglich ist: So hat Frankreich als erstes Land weltweit einen digitalen Alarmknopf auf Plattformen wie Instagram und Tiktok eingeführt. Wer online gemobbt wird, wird durch das Klicken eines Buttons direkt mit einer Beratungsstelle verbunden. Täter sollen außerdem bei Online-Netzwerken gesperrt werden. Führen Fälle zum Tod, drohen zehn Jahre Haft. Auch in Österreich ist Cybermobbing ein eigener Straftatbestand.
Politik und Sicherheitsbehörden in Deutschland sollten sich daran ein Beispiel nehmen und dringend nachschärfen. Es braucht mehr Prävention, aber auch passgenauere Strafgesetze, damit Betroffene am Ende weniger hilflos gegenüber Hass im Netz sind. Denn am Ende kann er jeden treffen.