Nachruf Ehemaliger Auricher Bürgermeister Werner Stöhr verstorben
Am Sonntag ist der langjährige Auricher Bürgermeister Werner Stöhr gestorben. Er prägte viele Jahre die Entwicklung der Stadt Aurich.
Aurich - Im Alter von 80 Jahren ist am Sonntag der ehemalige Auricher Bürgermeister Werner Stöhr gestorben. Er prägte die Auricher Stadtpolitik in den 1980er- und 1990er-Jahren. Seine erste Amtszeit als Bürgermeister begann im Jahr 1980. Damals galt in Niedersachsen noch die sogenannte Zweigleisigkeit. Neben dem hauptamtlichen Stadtdirektor Thomas Friemann gab es in Aurich einen ehrenamtlichen Bürgermeister. Dieses Amt bekleidete Werner Stöhr bis 1991.
Seine zweite Amtszeit als Auricher Bürgermeister begann am 1. November 1996. Verknüpft mit diesem Datum ist die Einführung der Eingleisigkeit. Stadtdirektoren gab es nicht mehr, und Werner Stöhr wurde der erste hauptamtliche Bürgermeister der Stadt Aurich. Er blieb es bis zum Jahr 2001.
Erster hauptamtlicher Bürgermeister
Seit November 1976 war Werner Stöhr aktiv in der Auricher Stadtpolitik. Er war für die SPD-Fraktion Mitglied im Jugend-, Sport- und Sozialausschuss der Stadt und war Vorsitzender des Schul- und Kulturausschusses. Stöhr wurde im September 1978 zum ersten stellvertretenden ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. Bereits zuvor hatte Stöhr sich schon ab 1971 im Auricher Kreistag engagiert.
Eng verbunden mit Stöhrs Zeit als hauptamtlicher Bürgermeister ist Johann Stromann. Er leitet heute die Stabsstelle von Bürgermeister Horst Feddermann. Im Jahr 1996 war Stromann Stadtwahlleiter bei der Bürgermeisterwahl. Er bereitete gerade die Auswertung der Ergebnisse vor, um diese an den Kreiswahlleiter geben zu können, als er in das ehemalige Büro des Stadtdirektors gerufen wurde, wie er sich im Gespräch mit unserer Redaktion erinnert. „Herr Stöhr braucht ein Bürgermeisteramt“, wurde mir gesagt, so Stromann. Und ihm wurde die Leitung der neuen Abteilung angetragen, die wegen der gerade eingeführten Eingleisigkeit notwendig geworden war.
Stöhr stieß zahlreiche Projekte an
Stromann hat seine Laufbahn 1975 im Auricher Rathaus begonnen und so Werner Stöhr auch vorher schon in allen Ämtern kennengelernt. Er beschreibt ihn als Mann mit viel Überzeugungskraft, der viele Projekte in Aurich angestoßen und begleitet hat. Der Bau der Stadthalle 1980, des Carolinenhofs samt Kreishaus 1984, der neue, damals heftig umstrittene ZOB 1988 oder die neue Tiefgarage samt Markthalle in den Jahren 1990/91 sind Stichworte, die Stromann einfallen. „In der Zeit wurde Aurich umgewandelt zum Mittelzentrum.“ Die Stadt habe sich nach den beiden Gebietsreformen 1972 und 1976 sprunghaft entwickelt.
In der SPD engagierte Stöhr sich auf Stadt- und Kreisebene. Er war Vorsitzender des Stadtverbandes Aurich-Mitte und stellvertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Aurich. Für den SPD-Landtagsabgeordneten Wiard Siebels war er ein Förderer, wie Siebels im Gespräch mit unserer Redaktion sagt. Kennengelernt haben die beiden sich 1993, als Siebels in die Partei eintrat. Werner Stöhr sei später, bei seiner ersten Wahl in den Landtag 2008, Teil des Unterstützerteams gewesen. „Ich bin sehr traurig, er war ein guter und kluger Ratgeber“, so Wiard Siebels.
Initiator der Ihlower Gesamtschule
Nicht nur in der Politik war Stöhr Initiator von zahlreichen Projekten. Auch als Lehrer, er unterrichtete die Fächer Deutsch und Geschichte, war er bereit für neue Wege. Ab Februar 1980 war Stöhr Leiter der Hermann-Tempel-Schule in Ihlowerfehn. Zu dem Zeitpunkt war es eine Haupt- und Realschule mit Orientierungsstufe, wie der jetzige Schulleiter Günter Tautz auf Anfrage sagt. Die Idee, daraus eine Kooperative Gesamtschule (KGS) zu machen, sei von Stöhr ausgegangen, so Tautz. Ein Projekt, das mit der Eröffnung der KGS am 1. August 1996 vollendet werden konnte. Drei Monate später wurde Stöhr hauptamtlicher Bürgermeister in Aurich und musste die Schule deswegen verlassen.
Zuletzt hat Werner Stöhr sich im Jahr 2019 in die Politik eingemischt. Bei der Bürgermeisterwahl sollte es zum Stechen zwischen dem damaligen Ersten Stadtrat Hartwig Kuiper und Horst Feddermann kommen. Kuiper wurde von der SPD ebenso unterstützt wie von der CDU. Werner Stöhr machte aber Werbung für Feddermann – ebenso wie Wolfgang Ontijd (CDU), Bürgermeister von 1991 bis 1996. Beide waren mit ihren Parteien nicht einer Meinung, weil diese mit Kuiper einen parteilosen Bewerber favorisierten. Ihnen zur Seite stand Sigrid Griesel, Auricher Bürgermeisterin von 2001 bis 2006.