Hannover Mehr Digitalisierung und Demokratiebildung: Niedersachsens neuer Schülerrat macht Druck
Niedersachsen hat einen neuen Schülerrat. In einem „Grundsatzprogramm“ fordern die Jugendlichen umfassende Reformen für moderne Bildung. Diese Punkte hält der neue Vorsitzende Matteo Feind Punkte für unverzichtbar.
Über einen leeren Terminkalender kann er sich nicht beklagen: Mindestens einen Termin pro Tag absolviert er im Amt, sagt Matteo Feind, der neue Vorsitzende des Landesschülerrats (LSR) Niedersachsen. Der 18-jährige Berufsschüler aus Hannover hat die Nachfolge der kommissarischen Vorsitzenden Louisa Basner angetreten – und steckt voller Tatendrang.
So hat der LSR zu Beginn des neuen Schuljahres erstmals ein „Grundsatzprogramm“ vorgelegt. Besonders wichtig sei die Demokratiebildung an Schulen, sagt Feind. In Zeiten zunehmender Radikalisierung über soziale Medien wie TikTok ginge es darum, zu sensibilisieren. Schon ab der Grundschule solle der Erwerb von Medienkompetenz zum Pflichtprogramm gehören. Schüler müssten lernen, in der Demokratie ihre Rechte und Pflichten wahrzunehmen. Der LSR fordert mehr Beteiligungsmöglichkeiten. Dazu solle in Gesamtkonferenzen und Schulvorständen der Sitzanteil für Schülervertreter erhöht werden.
Bei der Digitalisierung fordert der Schülerrat mehr Tempo ein: Pro Klassenzimmer soll ein Satz Tablet-PC zur Verfügung stehen. Außerdem steht eine digitale Lernplattform auf dem Wunschzettel. Frontalunterricht ist nicht mehr zeitgemäß, meint der Azubi. Weitere Forderungen des LSR: ein kostenloses Mittagessen für alle Schüler, Lernmittelfreiheit und ein kostenloses Deutschlandticket. In Hamburg sei das bereits möglich.
Auch eine Wiederbelebung der 2004 abgeschafften Orientierungsstufe, also der gemeinsame Unterricht bis Klasse 6, hat sich der LSR auf die Fahnen geschrieben. Eine frühe Differenzierung laufe dem sozialen Miteinander zuwider. Schulgebäude müssten barrierefrei sein, erklärt der neue Vorsitzende.
Feind bringt einige Jahre Erfahrung ins neue Amt mit. Er war bereits Schülervertreter in Hannover. Dort hat er gemeinsam mit weiteren Jugendlichen unter anderem durchgesetzt, dass in Schulen kostenlos Menstruationsartikel zur Verfügung stehen. „Andere Kommunen wie Lüneburg haben das übernommen“, erzählt er.
Im Amt als LSR-Vorsitzender hat er aber auch schon den ersten Rückschlag einstecken müssen. Die Forderung nach einem „Hitzefrei“ für die gymnasiale Oberstufe blitzte beim Kultusministerium in Hannover ab. Schüler der Sekundarstufe II hätten eine andere Belastung und würde selbst auf eine angemessene Flüssigkeitsaufnahme achten, schrieb das Ministerium. Schulleiter könnten zudem selbst „Hitzefrei“ anordnen.
Feind will dranbleiben. In der Sitzungswoche des Landtags hat der 18-Jährige Treffen mit den bildungspolitischen Sprechern von CDU, SPD und Grünen verabredet. Ihnen will er das 17-seitige Grundsatzprogramm des LSR vorstellen. Die Fraktionen sollen sich möglichst viele Punkte zu eigen machen.