Prozess am Landgericht Mutter erstochen – Rechtsmediziner erklärt Todesursache
Ein 38-jähriger Norder soll seine Mutter mit einem Küchenmesser getötet haben. Vor Gericht stellte der Rechtsmediziner nun den Obduktionsbericht vor.
Aurich/Norden - 37-mal zugestochen – ein 38-jähriger Norder hat seine Mutter am 15. Februar 2024 mit einem 31 Zentimeter langen Küchenmesser getötet. Beim Prozessauftakt gestand er die Tat, konnte sich aber nicht an einen Grund oder den genauen Verlauf erinnern. Der Angeklagte litt seit kurzem unter Verfolgungswahn.
Bei der Fortsetzung des Prozesses vor dem Auricher Schwurgericht am Dienstag, 20. August 2024, berichtete der Oldenburger Rechtsmediziner Dr. Lars Hagemeier über die Obduktionsergebnisse. „Es waren drei Verletzungen, die additiv zum Tod führten“, fasste er zusammen. Dazu gehörte starker Blutverlust mit Leerschlagen des Herzens. „Das beschreibt, warum es so schnell ging. Wir hatten drei Todesursachen. Wäre nur eine übrig geblieben, wäre sie trotzdem verstorben“, sagte er. Der Tod der Frau sei schnell eingetreten. „Eine Sekunde bis wenige Minuten nach Erleiden der Verletzungen dürfte sie verstorben sein“, lautete seine Einschätzung.
Opfer hat sich gewehrt
Insgesamt habe die Geschädigte „viele grausame Verletzungen“ erlitten. Einige sprechen dafür, dass sie sich gewehrt hat. Zeichen stumpfer Gewaltanwendung, etwa durch Fäuste, hat Hagemeier nicht gefunden. Ebenso wenig weitere Erkrankungen, an denen das Opfer konkurrierend hätte verstorben sein können.
Vor seiner Gutachtenerstattung wurde eine Zeugin vernommen. Der 18-jährige Sohn des Angeklagten ist ihr Enkel. Weil sich der Angeklagte anfangs überhaupt nicht und bis auf das letzte Jahr nur sporadisch um seinen Nachwuchs gekümmert hat, hat sie ihn nur wenig kennengelernt.
Sohn glaubte, von der Drogenmafia verfolgt zu werden
Der Kontakt zu seinen Eltern sei freundlich-distanziert gewesen, sagte die Diplom-Psychologin. Das spätere Opfer hätte sie am 14. Februar überraschend angerufen und sie gebeten, sofort zu ihnen zu kommen. Als sie gegen 19.30 Uhr bei ihnen geklingelt habe, hätte die Frau beim Türe öffnen „sehr angegriffen“ ausgesehen: „Sie hatte tiefe Schatten unter den Augen. Ich habe sie kaum erkannt.“ Sie hätte mit dem 38-Jährigen sprechen sollen, doch der habe sich auf dem Dachboden versteckt.
„Sie hat die Gelegenheit genutzt, um mir ihr Herz auszuschütten“, erzählte die Zeugin. Sie habe ihr von den Ängsten ihres Sohnes erzählt, der sich von der Drogenmafia verfolgt gefühlt habe, und ihm geglaubt – „hinter der Eingangstür stand ein Spaten zu Verteidigungszwecken“.
Mutter hatte Angst
„Sie hat noch betont, dass er ein wunderbarer Sohn sei. Sie hat praktisch nur gut über ihn geredet“, fuhr sie fort. Eines werde sie nie vergessen: „Sie sagte, wir haben große Angst, dass wir hier morgen alle mit durchgeschnittener Kehle liegen.“
Als sie nach zwei Stunden zur Tür gegangen sei, sei der Angeklagte vom Dachboden heruntergekommen und habe sich „höflich und korrekt“ benommen. „Er entschuldigte sich, dass er nicht mit mir geredet hatte, das wolle er am nächsten Tag tun“, berichtete die Zeugin. „Er sagte auch ganz ruhig, er möchte jetzt duschen und ein bisschen schlafen. Das klang sehr geordnet in dem Moment.“
Der Prozess wird am Donnerstag, 22. August 2024, um 9 Uhr in Saal 003 fortgesetzt.