Tiny House im Kreis Leer In Flachsmeer gibt es erste Fläche für drei Minihäuser
Wir haben uns in einem der ersten Tiny Häuser in Westoverledingen umgeschaut. Und wir haben erkundet, was für eine Genehmigung eines solchen Mini-Heims wichtig ist.
Westoverledingen/Kreis Leer - Romantisch, minimalistisch – und praktisch: Tiny Häuser werden immer häufiger als Lösung für Wohnraumknappheit angeführt. Doch die Umsetzung ist nach wie vor schwierig. Denn für Tiny Häuser gelten die gleichen Vorgaben wie für normale Wohnhäuser. In Flachsmeer wurde am Schützenweg 16 ein erstes Grundstück für drei Minihäuser genehmigt. Die Häuser liefert die Firma „Tiny House Wohnträume“ aus Leer.
„Viele Menschen wollen minimalistischer leben. Ihnen ist ihr ökologischer Fußabdruck wichtig“, sagt Heiner Stickfort, Chef des Unternehmens. Leben im Tiny Haus sei zum einen eine Lebenseinstellung, betont er. Zum anderen aber auch Werkzeug gegen Wohnraumnot. Für Menschen, die zeitweise hier arbeiteten und sonst in teuren Ferienwohnungen untergebracht würden, sei ein Minihaus ebenfalls eine Möglichkeit.
Was ist mit der Baugenehmigung?
„Dieses Grundstück, auf dem insgesamt drei Häuser stehen werden, ist etwas Besonderes“, so Stickfort. „Es ist das erste, auf dem Tiny Häuser im Oberledingerland genehmigt wurden.“ Die Hürden dafür sind hoch. Aber, so Stickfort: „Unsere Häuser erfüllen alle Voraussetzungen der Niedersächsischen Bauordnung.“ Ein Architekt passe die Entwürfe entsprechend an, so dass Dämmung, Abstände, Raumgrößen eingehalten werden.
Der Landkreis Leer verweist darauf, dass in Flachsmeer die Bau-Regularien nicht überprüft wurden. Bei bestimmten Maßnahmen habe der Bauherr die Wahl zwischen Mitteilungsverfahren und Baugenehmigungsverfahren, erläutert Kreis-Sprecher Jens Gerdes. Das sei zum Beispiel möglich, wenn ein Baugrundstück in einem Baugebiet liegt, das durch Bebauungsplan als Wohngebiet ausgewiesen ist. Das ist in Flachsmeer der Fall.
Wann gibt es Kontrollen?
Am Schützenweg in Flachsmeer sei durch eine Mitteilung die Errichtung von drei Tiny-Häusern angezeigt worden. „In diesem Verfahren erfolgt keine präventive Prüfung der Bauvorlagen und es wird keine Baugenehmigung erteilt. Der Architekt übernimmt die Verantwortung dafür, dass das Vorhaben dem Baurecht entspricht.“ Das sei bei Tiny-Häusern, die zum Dauerwohnen bestimmt sind, das gleiche wie bei anderen Wohngebäuden. So seien Mindestgrößen für Aufenthaltsräume, die lichte Höhe von Aufenthaltsräumen und die Mindestgröße der Fenster geregelt.
Sollte der Bauaufsicht irgendwann angezeigt werden, dass die Anlage nicht dem Baurecht entspricht, erfolge eine Überprüfung durch die Bauaufsicht. Gegebenenfalls handele es sich um eine Ordnungswidrigkeit.
Wie steht die Politik zum Tiny House?
Die Leeraner CDU-Kreistagsfraktion fordert derweil eine Vereinfachung der Baugenehmigungs-Verfahren für Tiny-Häuser. „Eine Baugenehmigung für ein Mini-Haus zu bekommen, gestaltet sich im Landkreis Leer sehr schwierig“, sagt der CDU-Kreistagsabgeordnete Andreas Rademacher (Schwerinsdorf). Der Kreis solle außerdem prüfen, ob für Tiny-Häuser nicht eine Aufstellgenehmigung reiche und ob derartige Bauvorhaben überhaupt genehmigungsfrei sein könnten. „Wir sehen aufgrund der Krise im Wohnungsbau dringenden Handlungsbedarf. Zumal der Bau von Einfamilienhäusern zunehmend teurer wird“, so Rademacher. Mini-Häuser könnten eine kostengünstige Alternative sein.
Das „Tiny House Wohnträume“-Projekt in Flachmeer hat kürzlich auch der SPD-Landtagsabgeordnete Nico Bloem (Weener) angeschaut. Sein Fazit: „Tiny-Häuser haben eine Zukunft. Vor allem für Urlauber und Projektarbeiter sind sie eine spannende Alternative.“ Bei dem Gespräch war auch der SPD-Fraktionschef im Gemeinderat von Westoverledingen, Gerhard Wiechers, dabei. Bloem wies darauf hin, dass das Land Niedersachsen die Bedingungen für das Aufstellen von Tiny Häusern erleichtert habe.
Wer sind die Kunden?
Trotzdem sei es derzeit noch schwierig, Baugenehmigungen zu bekommen und Grundstücke zu finden, sagt Firmenchef Heiner Stickfort.
Er könne sich seine Tiny Häuser im Tourismus vorstellen, zum Beispiel auf Campingplätzen. Zudem bestehe Interesse bei Menschen, die sich eine gewisse Zeit in der Region aufhalten, um hier zu arbeiten. Und: „Die meisten Kunden, die sich bei uns nach einem Tiny House erkundigen, sind Individualisten, keine Hippster.“ So seien etwa Paar dabei, die sich verkleinern wollen und viel reisen möchten, nachdem die Kinder aus dem Haus sind.
Welche Ausstattung hat so ein Tiny House?
Beim Besuch der Reaktion im Tiny House in Flachsmeer, erzählen Stickfort und seine Mitarbeiter Marion Klaasen und Frank Schöne von ihrem Konzept: „Unsere Häuser sind nicht typisch rustikal-romantisch, sondern heller, luftiger, moderner.“ In dem Musterhaus zeige das Unternehmen, was es könne. Normalerweise koste das Modell rund 150.000 Euro. Weil es ein Ausstellungsstück ist, wird es preiswerter. Dafür beinhaltet es allerhand Extras: Etwa das das motorisierte Bett, das auf Knopfdruck unters Dach gehoben werden kann und dann den Blick aufs Sofa freigibt. Es seien aber auch kleinere, sprich: preiswertere, Modelle im Angebot. Die Palette fängt bei 5,40 Metern Länge an, das größte ist 8,40 Meter lang. Das Tiny House in Flachsmeer misst 7,25 Meter und damit eine Grundfläche von Knapp 18,5 Quadratmetern.
Wie komfortabel das Häuschen wird, liegt ganz beim Kunden. Viele Dinge sind wählbar. Man kann mit Strom heizen, mit Wärmepumpe oder Gas. Installiert werden könne eine Infrarotheizung, eine Fußbodenheizung oder sogar ein Kamin. Es gibt Sonnenkollektoren auf dem Dach. Das Haus ist mit einem kompletten Bad ausgestattet. Es gibt einen Arbeitsplatz im „Obergeschoss“ und einen großen Küchenbereich. „600 bis 800 Stunden bauen wir an einem Tiny House“, so Stickfort.