Sydney  Superstudent Jamie Beaton: Wie ein 29-Jähriger bereits neun Universitätsabschlüsse erreichte

Barbara Barkhausen
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Von Barbara Barkhausen
| 20.08.2024 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
„Strebt wirklich danach, der Beste der Welt in einem Bereich zu sein“, rät der Überflieger Jamie Beaton. Foto: Jamie Beaton
„Strebt wirklich danach, der Beste der Welt in einem Bereich zu sein“, rät der Überflieger Jamie Beaton. Foto: Jamie Beaton
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Jamie Beaton hat neun Abschlüsse von den besten Universitäten der Welt in der Tasche. Sein Lebenslauf hat dem 29-jährigen Neuseeländer auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn den Spitznamen „Thanos von LinkedIn“ eingebracht. Beaton hat auch eine Botschaft für alle, die gerade auf der Highschool sind.

Der Lebenslauf von Jamie Beaton liest sich „absurd“, wie das ein Internetnutzer vor kurzem auf der Kurznachrichtenplattform X formuliert hat. Tatsächlich ist der Bildungsweg des Neuseeländers kein gewöhnlicher. Beaton hat in seinen 29 Lebensjahren bereits neun Universitätsabschlüsse von renommierten Universitäten auf der ganzen Welt gesammelt, darunter mehrere der sogenannten Ivy-League-Universitäten, der US-amerikanischen Eliteuniversitäten, deren Studienplätze hart umkämpft sind.

Dass Beaton anders tickt als der Durchschnittsmensch, zeigt sich schon bei der ersten Kontaktaufnahme. Auf eine erste E-Mail reagiert er in Sekundenschnelle. Auch das Interview selbst läuft dann wie im Schnelldurchlauf ab. Beaton beantwortet Fragen, als hätte jemand auf „Fast forward“ gedrückt.

Auch sein Leben scheint bisher in solch einem Schnelldurchlauf vonstatten zu gehen. Seit seinem Schulabschluss hakt der junge Mann einen Universitätsabschluss nach dem anderen ab. „Mein Favorit ist mein Harvard-Bachelor-Abschluss“, berichtet er im Interview. Von Neuseeland in die USA zu gehen, das alleine sei schon eine „verrückte, weltverändernde Erfahrung“ gewesen. Bei Harvard seien nicht nur die ehrgeizigsten Studenten der Welt („Etliche von ihnen wollten der nächste Präsident der USA werden“), sondern auch Professoren wie Larry Summers (ein früherer US-Finanzminister) gewesen. Dort sei er mit Themen wie Unternehmertum und Investieren konfrontiert worden, habe ein Programm für freie Künste belegt, aber auch Kurse zu Ethik, Philosophie, Mathematik, Wirtschaft, Statistik, Finanzen und Informatik.

Das insgesamt beste soziale Erlebnis sei dann aber die Stanford Business School gewesen. „Die Leute dort hatten eine Leidenschaft für Wirtschaft und Unternehmertum und kamen aus der ganzen Welt.“ Das akademisch anspruchsvollste und strengste Umfeld habe er dagegen bei der Yale Law School vorgefunden. Zudem hat Beaton am Rhodes Scholars-Programm in Oxford teilgenommen, wo er seinen Doktortitel abschloss. „Während der Corona-Krise nutzte ich dann das Online-Lernen, um das Schwarzman Scholars-Programm an der Tsinghua University in China zu absolvieren.“ Auch an der University of Pennsylvania und bei Princeton sicherte sich der ehrgeizige Neuseeländer Abschlüsse. Augenblicklich studiert er Militärwissenschaften am Kings College in London.

Seine Liebe zum Lernen startete bereits in jungen Jahren. „Meine Mutter war sehr viel am Thema Bildung gelegen“, sagte er. Er habe Nachhilfe in Fächern wie Mathematik und Englisch gehabt und sie selbst habe ihm Dinge beigebracht wie Geschichte und Latein. Auch seine Mutter machte – ähnlich wie er jetzt und obwohl sie alleinerziehend war – einen MBA sowie Abschlüsse in BWL und Jura und als Wirtschaftsprüfer. „Alle ihre Abschlüsse hingen an der Wand meines Kinderzimmers“, erzählte er. „In den ersten Jahren, als ich auf die Highschool kam, haben wir fast wie ein Team zusammengearbeitet.“ Ihn habe ihre Tatkraft, Hartnäckigkeit und Entschlossenheit inspiriert, aber auch die Art und Weise, wie sie sich um ihre Familie und den Großvater kümmerte, der mit im Haus lebte.

Bereits für seinen Highschool-Abschluss habe er so viele Fächer wie nur möglich belegt. „Die meisten Schüler machen drei oder vier, ich habe zehn gemacht.“ Diese zusätzlichen Fächer hätten es ihm dann ermöglicht, bei seinem Studium in Harvard viele Kurse zu überspringen. Außerdem war er häufig in zwei Programme zur gleichen Zeit eingeschrieben. Viele Pausen habe er sich nicht gegönnt.

Die Idee, überhaupt nach mehr als nur nach einem Studium in der Heimat zu streben, habe ihm eine Begegnung im Zug gegeben – ein Passagier, der ihm von seinem eigenen Studium an der Yale University berichtete. Im Alter von 13 bis 18 unternahm Beaton dann, wie er selbst sagt „große Anstrengungen“, um an eine der Eliteunis zu gelangen – mit akademischen wie außerschulischen Aktivitäten und Engagement im Bereich „Leadership“. Letztendlich bewarb er sich im letzten Schuljahr bei 25 Universitäten, darunter Harvard, Princeton, Stanford, Columbia und Cambridge und erhielt letztendlich ein Angebot von allen 25.

Finanzieren konnte Beaton die teils extrem teuren Abschlüsse zunächst dank Finanzhilfen und Stipendien der Universitäten. Noch als Teenager gründete er eine Firma namens Crimson Education, die sich auf seine Passion der Bildung konzentriert und ausländischen Schülerinnen und Schülern dabei hilft, in die Top-Universitäten der Welt zu gelangen. Außerdem arbeitete er in seinen 20ern als Hedgefonds-Analyst. Diese beruflichen Ambitionen sowie ein Buch, das er über seine akademischen Erfolgsrezepte geschrieben hat (mit einem Vorwort des ehemaligen neuseeländischen Premierministers John Key), halfen ihm ebenfalls, immer mehr Abschlüsse zu finanzieren. Heute mangelt es dem 29-Jährigen aber ohnehin nicht mehr an finanziellen Mitteln – seine Firma ist inzwischen nach seinen eigenen Angaben in 20 Ländern vertreten und hat fast tausend Vollzeitmitarbeiter.

Obwohl der finanzielle Erfolg Beaton, der in einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist, ohne Frage am Herzen liegt, ist es in erster Linie die Liebe zum Lernen, die ihn anzutreiben scheint. Auf die Frage, welche Ratschläge er für junge Leute habe, die heute zur Schule gehen, wird Beaton fast emotional. Ihm sei wichtig, jungen Leute zu sagen, dass es ein Riesen-Irrtum sei, dass die Highschool oder die Universität keine Rolle spielten. Es werde immer auf Leute wie Bill Gates oder Mark Zuckerberg verwiesen. Doch das seien Ausnahmefälle. „Glauben Sie nicht, wenn Ihnen jemand sagt, Bildung spielt keine Rolle“, sagte er. Was er bei sich selbst und auch bei den Tausenden Schülerinnen und Schülern gesehen habe, die die Nachhilfeprogramme seiner Firma durchlaufen haben, sei, dass diese Jahre „unglaublich prägend sind“ und ihnen die Türen zu Karrieren bei Google und anderen Firmen im Silicon Valley öffneten.

„Wenn ihr jetzt gerade in der Highschool seid, baut gute Grundlagen, gute Disziplin, gute Motivation und ein gutes Selbstbewusstsein auf“, ist seine Botschaft. „Nehmt die Highschool wirklich ernst.“ Genau das ermögliche dann gute Universitätsprogramme und einen erfolgreichen Berufseinstieg. Außerdem ist Beaton ein Befürworter des lebenslangen Lernens. Nur so sei einem der Erfolg sicher, wenn es künftig in vielen beruflichen Feldern zu enormen Störungen durch künstliche Intelligenz kommen werde, meinte er.

Außerdem rät er: „Strebt wirklich danach, der Beste der Welt in einem Bereich zu sein, auch wenn es sich um eine unglaublich winzige Nische handelt.“ Man müsse nicht unbedingt immer der Masse hinterherschwimmen, sondern vielmehr seine ganz eigene Bahn finden, die die persönliche Stärke widerspiegele.

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