Hannover Gekämpft und doch verloren: Bernd Althusmann kehrt Landespolitik den Rücken
Er gehe nicht im Groll, versichert Bernd Althusmann. Zweimal scheiterte der CDU-Politiker im Wahlkampf an Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Nun zieht es Althusmann beruflich nach Kanada. Weil gratulierte bereits per SMS.
Bernd Althusmann ist gut gelaunt und wirkt zufrieden. Seit mehr als 20 Jahren ist der CDU-Politiker in der niedersächsischen Landespolitik aktiv. Althusmann war zunächst Kultusminister (2010 bis 2013) und später dann Wirtschaftsminister sowie stellvertretender Ministerpräsident (2017 bis 2022).
Dabei wäre Althusmann gern in die allererste Reihe aufgerückt, biss sich aber die Zähne an Ministerpräsident Stephan Weil aus. Zweimal trat Althusmann als Spitzenkandidat der CDU gegen Weil an – und verlor beide Male deutlich. „Ich habe nahezu alles erreicht, nur die Position des Ministerpräsidenten blieb mir leider verwehrt. Das wäre ich wirklich gern und mit Leidenschaft geworden“, resümiert Althusmann beim Gespräch am Maschsee in Hannover.
Nach der Wahlniederlage gegen Weil Ende 2022 zog der heute 57-jährige Althusmann schnell die Konsequenzen und machte den Weg für die nächste Generation frei. Sebastian Lechner (43) steht heute an der Spitze der CDU-Fraktion im Landtag und ist zudem Vorsitzender seiner Partei in Niedersachsen.
Althusmann nahm im Landtag weiter hinten Platz und kehrt dem Parlament demnächst ganz den Rücken, um die Büroleitung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Kanada zu übernehmen. Für ihn ist es nicht die erste Station bei der Stiftung. Althusmann leitete von 2013 bis 2016 das Auslandsbüro für Namibia und Angola.
Eine Trotzreaktion? „Ich gehe nicht im Groll“, versichert der Politiker. Er sei mit seinen 57 Jahren nur an den Punkt gelangt, an dem er sich gefragt habe, ob er noch einmal etwas Neues angehen wolle. Auch eine Kandidatur für den Bundestag habe er zwischenzeitlich in Betracht gezogen, aber verworfen. Voraussichtlich im November geht es also aus der Nähe von Lüneburg, wo Althusmann wohnt, ins ferne Ottawa. Zunächst alleine, auf absehbare Zeit soll seine Familie aber hinterherkommen.
Zu seinem einstigen Kontrahenten Stephan Weil hat Althusmann nach eigenen Worten noch immer einen guten Draht. Der Ministerpräsident habe ihm zu seinem beruflichen Schritt bereits gratuliert. „Stephan“ – die beiden duzen sich, seit sie Niedersachsen von 2017 bis 2022 gemeinsam in einer Großen Koalition regiert haben – habe ihm eine „außerordentlich nette SMS“ geschrieben und ihm viel Glück gewünscht, erzählt Althusmann.
Vielleicht, sagt Althusmann nachdenklich, sei ihm das gute Verhältnis zu Weil auch ein wenig zum Verhängnis geworden. „Möglicherweise hatte ich dadurch ein wenig Beißhemmungen im Wahlkampf“, sagt Althusmann. Auch habe er gelernt, dass weniger manchmal mehr sei. „Diverse Termine am Tag, mehr als 25.000 Auto-Kilometer quer durch Niedersachsen in den sechs bis acht Wochen vor der Wahl – das hat nicht gefruchtet und nicht funktioniert“, gibt Althusmann sich selbstkritisch.
Sei es drum. Seine Frau und seine Kinder hätten ihn nach den Wahlniederlagen immer wieder aufgebaut und ihm zu neuer Kraft verholfen, sagt Althusmann und sieht in Sebastian Lechner eine große Hoffnung. „Mit ihm haben wir alle Chancen, Niedersachsen ab 2027 wieder von einer Regierung mit der CDU an der Spitze regieren zu lassen“, betont Althusmann, der aus den vielen Jahren seiner politischen Arbeit noch eine wichtige Lehre zieht: „Zuhören ist ganz wichtig“. Er halte sich für einen „bodenständigen CDU-Politiker der Mitte.“ Häufig mangele es heute am nötigen Respekt vor anderen Meinungen.
Andere Positionen zulassen, in Ruhe darüber nachdenken und stets die eigene Haltung reflektieren: Bei ihm sei die Fähigkeit zur Selbstkritik über die Jahre gewachsen. Vielleicht, sagt er, hätte er auch schon die Reißleine ziehen sollen, als Weil schon in der Großen Koalition angekündigt habe, lieber wieder mit den Grünen regieren zu wollen.
Hat er aber nicht, sondern gekämpft – und verloren. „So ist das manchmal im Leben“, hat Althusmann abgeschlossen mit dem Ministerpräsidentenamt und freut sich nun auf seine neue Stelle in Kanada. „Das wird spannend“, ist er überzeugt.