Papenburg  Rettung in Sicht? Meyer Werft in Papenburg wohl vor Woche der Entscheidung

Dirk Fisser, Nina Kallmeier
|
Von Dirk Fisser, Nina Kallmeier
| 19.08.2024 08:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Disney-Schiff hat die Papenburger Meyer Werft gerade ausgedockt. Die Entscheidung darüber, wie es am Standort weitergeht, scheint auf der Zielgeraden. Foto: Lars Schroer
Ein Disney-Schiff hat die Papenburger Meyer Werft gerade ausgedockt. Die Entscheidung darüber, wie es am Standort weitergeht, scheint auf der Zielgeraden. Foto: Lars Schroer
Artikel teilen:

Die Verhandlungen um die Rettung der Meyer Werft gehen auf die Zielgeraden. Noch diese Woche könnte ein Rettungsplan stehen, der den Bankrott von Deutschlands größtem Werften-Konzern abwenden soll. Für die Mitarbeiter gibt es derweil bereits eine vorläufige gute Nachricht – auch wenn betriebsbedingte Kündigungen noch nicht abgewendet sind.

Die Gespräche zur Zukunft der Meyer Werft seien „sehr, sehr intensiv“, heißt es aus informierten Kreisen. Aber „weißer Rauch“ sei noch nicht in Sicht, sprich: Es zeichnet sich immer deutlicher ab, wie die Werft und damit Tausende Arbeitsplätze gerettet werden könnten, nur ist noch nichts spruchreif. In dieser Woche könnte es so weit sein.

So sollen sich die Beteiligten bereits auf Eckpunkte geeinigt haben. Zunächst hatte darüber das „Handelsblatt“ berichtet. Der Bund und das Land Niedersachsen werden demnach Mehrheitseigentümer der Meyer Werft und das Eigenkapital um 400 Millionen Euro aufstocken. Mit 80 bis 90 Prozent wird die Dimension der Staatsbeteiligung am Unternehmen taxiert, die durch eine gemeinsame Beteiligungsgesellschaft realisiert werden könnte. 

Damit einher könnte ein weitgehender Machtverlust der Familie gehen, in deren Besitz sich die Werft bislang befindet. Bernard Meyer ist nach wie vor Geschäftsführer. Es heißt: Der Familie soll ein Rückkaufsrecht zugesichert werden, wenn die kritische Phase überstanden ist.  

Als problematisch gilt die rechtliche Stellung der Werft im finnischen Turku, die sich ebenfalls im Besitz der Familie Meyer befindet. Allerdings steht Turku weitgehend außerhalb des weitverzweigten Unternehmensnetzes, das in den vergangenen Jahren um die Werftstandorte Papenburg und Rostock gestrickt wurde. 

Turku ist für das Gesamtgefüge allerdings wichtig. An dem Standort können deutlich größere Kreuzfahrtschiffe als am Stammsitz in Papenburg gebaut werden, wie zuletzt die „Icons of the Seas“, die als größtes Kreuzfahrtschiff der Welt gilt. Möglicherweise, das berichtet auch das „Handelsblatt“, müsste eine neue Unternehmensstruktur geschaffen werden, die den Meyer-Standort in Finnland einbezieht. 

Eine Lösung ohne Turku gilt als unwahrscheinlich.

Es wird damit gerechnet, dass noch in dieser Woche eine Lösung präsentiert werden könnte. Auch dem Haushaltsausschuss und seinen Pendant im Landtag von Niedersachsen muss das Rettungskonzept voraussichtlich noch vorgelegt werden.

Die Zeit drängt, das Unternehmen steuert auf eine riesige Finanzierungslücke zu. Bis zum 15. September muss eine Lösung her, damit die Werft wieder an frisches Geld kommt. Im Kern geht es dabei um die Aufstockung des Eigenkapitals, die Bund und Land Niedersachsen einbringen sollen. Dieses sei notwendig, damit Banken wieder Kredite geben würden.

Während auf eine endgültige Entscheidung zum Einstieg von Bund und Land in die Werft gewartet wird, gibt es für die Mitarbeiter der Meyer Werft in Papenburg gute Nachrichten – zumindest vorläufig. Zwar wird trotz der neuen Disney-Aufträge an der Vereinbarung zum Stellenabbau zwischen Werft und Arbeitnehmerseite festgehalten. Betriebsbedingte Kündigungen sind aber „nach hinten verschoben“, sagt Thomas Gelder von der IG Metall Leer. Bis März 2025 soll demnach zunächst ein Freiwilligenprogramm greifen. Außerdem sieht die Vereinbarung vor, dass 100 befristete Stellen nicht verlängert werden

Dennoch kommen die milliardenschweren Aufträge für die Gewerkschaft „genau zum richtigen Zeitpunkt“. Sie sollten „Minister und Abgeordnete überzeugen, dass die Werft zukunftsfähig ist“, sagt Gelder. „Die Belegschaft erwartet von der Politik ein Signal, dass es nach vorne geht.“

Dieses Signal könnte bereits in dieser Woche kommen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) formulierte es am Montag auf dem Stoppelmarkt in Vechta wie folgt: „Der Ball ist noch nicht im Tor, aber es sieht sehr gut aus“.

Ähnliche Artikel