Kinderbetreuung Platz für neue Kita in Aurich gesucht
In Haxtum oder Rahe wird eine neue Kita benötigt. Der beste Standort steht nicht zur Verfügung – wegen eines Versäumnisses von Politik und Verwaltung.
Aurich - Einmal ja, einmal vielleicht: Die Auricher Stadtpolitik weiß noch nicht, wo die neue Kindertagesstätte gebaut werden soll. Der Auricher Finanzausschuss votierte am Dienstag dafür, einen verfallenen Hof an der Landesstraße 1 (Oldersumer Straße) in Höhe des Boomweges zu kaufen. Im Sozialausschuss einen Tag später gab es keinen Empfehlungsbeschluss. Zunächst müsse noch ein weiteres Grundstück geprüft werden, das nach der ersten Berichterstattung unserer Zeitung angeboten worden sei, befanden dessen Mitglieder.
Vor allem CDU und AWG üben Kritik am geplanten Standort in Rahe. Dort sei es gefährlich, meint Johann Reiter (AWG). Damit Eltern mit ihren Kindern dorthin gelangen könnten, müssten Verkehrsspiegel, wahrscheinlich aber eine Ampel aufgestellt werden. „Der Platz ist total falsch“, so Reiter im Sozialausschuss. Ein Eindruck, den auch Doris Löschen (AWG) teilt. Denn ein Fuß- und Radweg zum gewünschten Standort fehle. Das Grundstück an der Landesstraße sei weit entfernt vom großen Baugebiet Im Timp. „Die Realität wird sein, dass der überwiegende Teil der Eltern die Kinder mit dem Auto in die Kita bringt.“
Auf guten Willen des Investors angewiesen
Bereits im Finanzausschuss hatte Arnold Gossel (CDU) von einem neuen Grundstückangebot berichtet. Er wollte darüber im nicht öffentlichen Teil der Sitzung diskutieren. Das wurde aber nach heftiger Gegenwehr vonseiten der SPD verwehrt. Denn die Zeit dränge, sagte Antje Harms (SPD), die auch Ortsbürgermeisterin für Extum/Haxtum/Kirchdorf/Rahe ist.
Versäumt wurde es von Politik und Verwaltung, entweder im Bebauungsplan für „Im Timp“ oder wenigstens im städtebaulichen Vertrag mit dem Investor eine Fläche für eine Kindertagesstätte zwingend zu reservieren. So ist man auf den guten Willen des Investors angewiesen. Ein erstes Grundstück, das der Stadt für eine neue Kita angeboten wurde, wird durch einen Graben in zwei Teile getrennt. Brigitte Weber, Fachdienstleiterin im Bildungsbereich der Stadt, erläuterte, dass man dann auf der einen Seite das Kita-Gebäude und auf der anderen Seite des Grabens den Spielplatz einrichten könnte. „Der Graben müsste mit einem Zaun gesichert werden, beide Bereiche müssten durch eine Brücke verbunden werden.“ Die Verwaltung sehe das als nicht praktikabel an.
Drittes Angebot in der Nähe der Kita Upstalsboom
Angeboten wurde danach die Hofstelle an der Straße „Im Timp“. Der Haken daran: Für die Gebäude, die abgerissen werden müssten, sowie für das 3500 Quadratmeter große Grundstück sollte die Stadt 1,2 Millionen Euro zahlen. Zum Vergleich: Für das Abrisshaus an der Landesstraße samt 6200 Quadratmeter großem Grundstück sind 215.000 Euro plus Abrisskosten eingeplant. „Und der Hof ist noch nicht frei“, sagte Weber. Das bedeute, dass sich der Neubau weiter verzögern würde.
Die Zeit drängt, denn die neue Kita soll Krippe und Kindergarten in Extum ablösen. Dort ist es eng, und die Krippe ist in befristet gemieteten Containern untergebracht. Diese kosten zudem monatlich auch Geld. Dennoch wollte sich der Sozialausschuss im Gegensatz zum Finanzausschuss die Zeit nehmen, das dritte, von Arnold Gossel ins Spiel gebrachte, Grundstück wenigstens auf seine Eignung zu prüfen. Dabei handelt es sich auch um einen Resthof, der aber laut Weber relativ nah an der bestehenden Kita Upstalsboom liegt. Inwiefern das ein Problem sein könnte, führte sie nicht aus. Nach ON-Informationen liegt der Hof am Rahester Postweg neben dem Neubaugebiet „Müllers Kamp“.
Außerplanmäßige Sitzung soll Lösung bringen
Um schnell bauen zu können, müssen laut Verwaltung zwei Bedingungen erfüllt sein: Die Grundstücke müssen, bebaut oder unbebaut, sofort verfügbar sein. Und es muss einen gültigen Bebauungsplan geben. Denn müsste erst eine komplette Bauleitplanung durchlaufen werden, würde das den Kita-Bau lange verzögern. Geeignete Grundstücke im Baugebiet „Im Timp“ oder in unmittelbarer Nähe gibt es laut Brigitte Weber nicht.
Die Prüfung wird keine lange Zeit in Anspruch nehmen. Bereits am kommenden Montag, 19. August, gibt es eine außerplanmäßige Sitzung des Sozialausschusses. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr im Auricher Ratssaal. Einziger Tagesordnungspunkt ist der Ankauf eines Grundstücks für eine neue Kita. Am Donnerstag kommender Woche wird sich dann der Ortsrat Upstalsboom mit der Angelegenheit befassen. Der Ortsrat tagt ab 19.30 Uhr im Boßelheim in Kirchdorf.