Unwetter in Aurich  Eine Badewanne Wasser pro Quadratmeter

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 14.08.2024 13:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Nacht zu Mittwoch wurden Parkplatz und Tankstelle am E-Center „Parkkauf“ überflutet. Foto: Holger Janssen
In der Nacht zu Mittwoch wurden Parkplatz und Tankstelle am E-Center „Parkkauf“ überflutet. Foto: Holger Janssen
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Viel Regen in kurzer Zeit brachte das Unwetter am Dienstagabend. Bis zu 160 Liter Wasser gab es pro Quadratmeter. Das war aber nicht die einzige Ursache für die Überflutungen.

Aurich - Zahlreiche Straßen in der Auricher Innenstadt wurden am Dienstagabend innerhalb kurzer Zeit überflutet. Ein Geschehen, das laut Ehlke Ubben, Leiter der Auricher Stadtentwässerung, nicht zu vermeiden gewesen sei. Denn es habe sich bei dem Unwetter schon um ein außergewöhnliches Ereignis gehandelt. Zuletzt habe es Anfang der 2000er-Jahre solche starken Regenmengen gegeben.

Gerade saniert wurde die Popenser Straße. Der Kreisel am Awo-Heim war dennoch überflutet. Foto: Volker Altrock
Gerade saniert wurde die Popenser Straße. Der Kreisel am Awo-Heim war dennoch überflutet. Foto: Volker Altrock

Das dokumentieren laut Ubben die Messstationen im Auricher Stadtgebiet. Der Spitzenwert wurde am Westgaster Weg in Höhe des Ems-Jade-Kanals gemessen. Dort fielen 163 Millimeter Niederschlag. Das bedeutet, dass dort auf einen Quadratmeter 163 Liter Wasser gefallen sind – eine Badewanne voll. Auch in Popens und an der Haxtumer Kläranlage gab es viel Niederschlag mit jeweils rund 100 Millimeter. In Middels oder Brockzetel hingegen kamen die Anwohner relativ glimpflich davon. Nur 40 Liter pro Quadratmeter wurden in den beiden Ortsteilen registriert.

Seit 2006 wurde viel in Kanäle investiert

Natürlich habe es in den vergangenen Jahren weitere Starkregenereignisse gegeben, sagt Ubben. Diese seien aber meist nur über einzelnen Ortsteilen, nicht gleichzeitig über große Teile des Auricher Stadtgebietes aufgetreten. „Das war aber am Dienstagabend der Fall.“ Flächendeckend und vor allem sehr stationär habe es die Regenmengen gegeben. Das habe zu den Problemen geführt.

Eine Seenlandschaft war 2006 der Parkplatz bei Edeka „Parkkauf“. Die Feuerwehr musste die Gullys unter Wasser erst einmal finden. Danach wurde viel in die Entwässerung investiert. Foto: Nigel Treblin
Eine Seenlandschaft war 2006 der Parkplatz bei Edeka „Parkkauf“. Die Feuerwehr musste die Gullys unter Wasser erst einmal finden. Danach wurde viel in die Entwässerung investiert. Foto: Nigel Treblin

Viel sei investiert worden in den vergangenen 20 Jahren. Ein Beispiel dafür gebe es an der Bundesstraße 72, beim E-Center Parkkauf. Dort wurde am Dienstagabend der Parkplatz samt Tankstelle überflutet. Noch am Mittwochvormittag war der Betrieb geschlossen, weil zunächst die Pumpen bei den Treibstofftanks vom Wasser befreit und überprüft werden mussten. Die Überflutung erinnerte an das Unwetter im Jahr 2006. Damals stand der Markt unter Wasser. In der Folge wurde dort ein Regenrückhaltebecken gebaut. Auf der Fläche „In der Diere“ ist laut Ubben ein Polder angelegt worden. Und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) habe den Durchlass des Molkereischloots zum Ems-Jade-Kanal vergrößert.

100 Pumpen wurden manuell justiert

Ohne diese Maßnahmen wäre es am Dienstag wohl noch schlimmer gekommen, sagt Ubben. „Und wir hatten Ruhe.“ Hätte man vor knapp 20 Jahren nicht die Entwässerung neu geregelt, würde es solche Überschwemmungen im Gebiet Parkkauf/Raiffeisenstraße wohl des Öfteren geben.

Die Tankstelle blieb am Mittwoch vorübergehend geschlossen. Foto: Romuald Banik
Die Tankstelle blieb am Mittwoch vorübergehend geschlossen. Foto: Romuald Banik

Relativ hoch habe das Wasser in der Nacht im Auricher Hafen gestanden. Die Folge sei ein Rückstau im System gewesen. Deshalb seien Mitarbeiter der Stadtentwässerung unterwegs gewesen, um die rund 100 Pumpen der Kanalisation zu justieren. Sie wurden laut Ubben an den Stellen gedrosselt, an denen es nicht ganz so viel geregnet habe. So habe man für etwas Entlastung sorgen können.

Blätter verstopften Gullys

Normalerweise läuft das Oberflächenwasser nicht zur Kläranlage, sondern direkt in den Ems-Jade-Kanal. Weil aber die Straßen überflutet waren, lief auch die getrennte Schmutzwasserkanalisation voll. In der Folge wurden in der Kläranlage in Haxtum Spitzenwerte gemessen, wie Ubben sagt.

In der Fockenbollwerkstraße war die Feuerwehr am Mittwochvormittag noch im Einsatz. Foto: Romuald Banik
In der Fockenbollwerkstraße war die Feuerwehr am Mittwochvormittag noch im Einsatz. Foto: Romuald Banik

Teilweise überschwemmt wurde auch die grade erst sanierte Fockenbollwerkstraße. Ausgerechnet wegen des Einbaus neuer Kanäle hatte sich die Bauzeit dort verlängert. Laut Ubben kann der neue Kanal aber nicht die Ursache für die Überschwemmung sein. Vermutet wird vielmehr auch dort ein Rückstau. Denn das Wasser wird von der Fockenbollwerkstraße weiter über den Fischteichweg und die Julianenburger Straße zum Hafen geleitet. „Das ist tiefliegendes Gebiet“, so Ubben. Die genaue Ursache werde noch geklärt.

Ein Problem, das alle Straßen im Stadtgebiet betraf, waren Blätter. Durch Sturm, Starkregen und Hagel wurden viele Blätter von den Bäumen abgerissen und setzten sich vor die Gullys. Das hemmte den Wasserabfluss zusätzlich und sorgte für hohe Wasserstände auf den Straßen. Gut funktioniert habe aber die neue Abflussrinne in der frisch sanierten Fußgängerzone, so Ubben.

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