Prozess vor Landgericht Aurich  Vorwurf – Mann soll Jugendliche sexuell belästigt haben

Christiane Norda
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Von Christiane Norda
| 13.08.2024 11:43 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Über die Handy-Anwendung Whatsapp kommunizierte der Angeklagte mit den mutmaßlichen Opfern. Foto: DPA
Über die Handy-Anwendung Whatsapp kommunizierte der Angeklagte mit den mutmaßlichen Opfern. Foto: DPA
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Er soll einem 13-Jährigen Sex für Geld geboten und einem 14-Jährigen Fotos von Geschlechtsorganen geschickt haben. Nun muss sich ein 44-Jähriger aus dem Altkreis Norden vor Gericht verantworten.

Aurich - Weil er sich im Frühjahr 2022 an drei Jungen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren vergriffen und einem vierten über WhatsApp anzügliche Fotos geschickt haben soll, muss sich seit Montag ein 44-Jähriger aus dem Altkreis Norden vor dem Landgericht verantworten.

Laut Anklage soll er sich mit Plaudereien und Versprechungen das Vertrauen der Minderjährigen erschlichen haben. Weil sich die Jugendlichen bis heute von den Vorfällen schwer beeinträchtigt zeigten, ließ die Vorsitzende der Vierten Großen Strafkammer Richterin Rickels-Havemann einen Sichtschutz zwischen dem Angeklagten und dem Zeugentisch aufstellen.

Am Busbahnhof Marienhafe kennengelernt

Ein heute 17-Jähriger berichtete, er habe den Angeklagten am Busbahnhof in Marienhafe kennengelernt. Man habe sich unterhalten, der Mann habe einen Burger spendiert, zum Schluss habe man die Telefonnummern ausgetauscht. Man habe per WhatsApp kommuniziert, er habe den Mann einige Male besucht, bis dieser damit begonnen habe, sich ihm körperlich zu nähern und ihn zu küssen. Er habe die Flucht nach Hause ergriffen, wo ihn der Angeklagte angerufen und ihn aufgefordert habe, ihren Chat zu löschen. Nachdem er sich seinen Eltern offenbart habe, sei man am nächsten Tag zur Polizei gegangen.

Ein zur Tatzeit 13-Jähriger hatte den Angeklagten an einer Schule in Westerholt nach einer Zigarette gefragt, woraufhin der Angeklagte ihn hinter das Gebäude gelotst habe. Zunächst habe man sich unterhalten, dann sei der Mann „immer dreckiger“ geworden, habe ihm Geld für Sex geboten. Er habe sich „ganz ekelhaft“ gefühlt, beschrieb der heute 15-Jährige das Geschehene in der Verhandlung. Ein damals 17-Jähriger berichtete dem Gericht zitternd und verstört von seiner Begegnung mit dem Angeklagten. Den habe er über dessen Neffen kennengelernt. Auch er habe den Angeklagten zu Hause besucht, wo sich dieser ihm sexuell genähert habe. „Ich war im Schock“, erklärte der heute 19-Jährige, er sei dem Mann vollständig ausgeliefert gewesen, weil er sich nicht habe wehren können. Er sei nach Hause gestürmt und habe sich seiner Mutter anvertraut.

Fotos von Geschlechtsorganen geschickt

Einem damals 14-Jährigen, den er über WhatsApp kontaktiert hatte, hatte der Angeklagte laut Staatsanwältin mindestens zehn Fotos von männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen geschickt und den Jungen mehrfach aufgefordert, bei ihm zu übernachten.

Der Angeklagte äußerte sich zwar nicht zu den Vorwürfen. Dennoch ließ er im Laufe der Verhandlung keine Zweifel offen, dass er sich zu Unrecht beschuldigt sieht. Wie es dazu gekommen ist, konnte er sich nicht erklären. Er versicherte, kein „Pädo“ zu sein. Er kenne nicht einmal alle Namen der Zeugen. „Ich verstehe das nicht“, beteuerte er ungeduldig. Derzeit verbüßt er eine Haftstrafe in anderer Sache, eine weitere schließt sich im Anschluss daran an.

Die Verhandlung wird am 19. August ab 9 Uhr fortgesetzt.

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