Insel setzt klares Zeichen  Demo gegen Erdgas auf Borkum findet große Resonanz

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 11.08.2024 18:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Abschluss der Veranstaltung fand am Strand statt. Foto: Hock
Der Abschluss der Veranstaltung fand am Strand statt. Foto: Hock
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Laut Veranstalter Fridays for Future haben sich 2000 Teilnehmende am Samstag an dem Protest gegen die geplante Erdgasförderung vor Borkum beteiligt. Die Aussagen der Umweltschützer waren eindeutig.

Borkum - Hunderte Menschen demonstrierten am Samstag auf Borkum gegen eine geplante Erdgasförderung rund 20 Kilometer vor der ostfriesischen Insel. Angemeldet waren 50 Teilnehmer – es kamen aber mehr als 500. Die Veranstalter gehen sogar von 2000 Teilnehmern aus.

Die Polizei konnte die Zahl weder bestätigen noch dementieren: Es hätten sich immer wieder Menschen dem Zug angeschlossen und andere ihn verlassen, sodass eine Zahl schwer zu ermitteln gewesen sei, sagte ein Beamter gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace und Bürgerinitiativen beteiligten sich Fridays for Future zufolge.

Protest innerhalb einer Woche organisiert

Angeführt wurde der Protest, der innerhalb von nur knapp einer Woche organisiert wurde, von Luisa Neubauer. Die 28-Jährige ist Sprecherin von Fridays for Future Deutschland. Die Klima-Aktivistin kritisierte die Pläne zur Erdgasförderung vor der Nordseeinsel deutlich. Es sei ein Projekt „mit einem so immensen ökologischen und politischen Preis, ohne dass es irgendeine Notwendigkeit für dieses Gas gibt“, sagte Neubauer kurz vor Beginn der Demonstration.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer (Mitte) führte den Protestzug durch Borkum mit an. Foto: Hock
Klimaaktivistin Luisa Neubauer (Mitte) führte den Protestzug durch Borkum mit an. Foto: Hock

Das niederländische Unternehmen One-Dyas plant Ende des Jahres, aus einem Feld vor den beiden Wattenmeerinseln Borkum und Schiermonnikoog Erdgas zu fördern. Dazu soll eine Förderplattform auf niederländischem Hoheitsgebiet rund 23 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum errichtet werden. Gefördert werden soll den Plänen zufolge sowohl in niederländischen als auch in deutschen Hoheitsgebieten, nahe dem niedersächsischen Nationalpark Wattenmeer.

Deutliche Worte Richtung Landesregierung

Kritisiert wurde aber nicht nur das Vorhaben und vor allem das Vorgehen des Unternehmens One-Dyas, das aus Sicht der Demonstranten Drohbriefe an die deutsche Politik schickt. Deutliche Worte gab es auch in Richtung der niedersächsischen Landesregierung und auch der Bundespolitik. Im Ampel-Koalitionsvertrag von 2021 hatten SPD, Grüne und FDP vereinbart, „keine neuen Genehmigungen für Öl- und Gasbohrungen jenseits der erteilten Rahmenbetriebserlaubnisse für die deutsche Nord- und Ostsee“ auszustellen. „Entweder man stellt sich auf die Seite von diesem ausländischen Gaskonzern, der der einzige Gewinner bei dieser ganzen Sache ist“, sagte Neubauer. „Oder man stellt sich auf die Seite von allen anderen: der Insel Borkum, der Menschen, der Klimaziele, des Koalitionsvertrages, der Ökosysteme, der Riffe, der Kegelrobben und der internationalen Glaubwürdigkeit von Deutschland in der Energiewende.“

Das Land Niedersachsen hatte sich ursprünglich auch gegen das Vorhaben gestellt, angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine eine Kehrtwende vollzogen. Ob die Bohrungen erlaubt werden, ist aber noch offen, denn für die Erdgasförderung sind Genehmigungen der Niederlande und Deutschland erforderlich. Nele Evers, eine der Aktivistinnen von Fridays for Future, sagte dazu auf Borkum: „Wir fühlen uns von der Landesregierung betrogen!“

Abkommen wird benötigt

Wie es mit dem ganzen Projekt weitergeht, ist derweil noch offen. Die Erdgasförderplattform von One-Dyas ist zwar schon an Ort und Stelle. Auf deutscher Seite wird derzeit allerdings eine Entscheidung erwartet, ob das Niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie das Vorhaben genehmigt. Sollte die Genehmigung erteilt werden, will die Deutsche Umwelthilfe dagegen klagen. Zudem wird für die Bohrungen ein Abkommen zwischen Deutschland und den Niederlanden benötigt. Aus Sicht der Landesregierung hat daher die Bundesregierung das letzte Wort. Ein kürzlich genehmigtes Stromkabel darf nach einer Gerichtsentscheidung des Verwaltungsgerichts Oldenburg vorerst nicht verlegt werden. Den Eilantrag hatte die Deutsche Umwelthilfe gestellt.

Mit Material der DPA.

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