Gäste in Aurich  Touristiker träumen von Investitionen in Ems-Jade-Kanal

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 10.08.2024 10:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
7000 Gäste sind im vergangenen Jahr mit der MS „Stadt Aurich“ über den Ems-Jade-Kanal geschippert. Foto: Archiv/Ortgies
7000 Gäste sind im vergangenen Jahr mit der MS „Stadt Aurich“ über den Ems-Jade-Kanal geschippert. Foto: Archiv/Ortgies
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Aurich hat viel in den Wassertourismus investiert und profitiert davon. Doch ganz ausgeschöpft wurde das Potenzial nach Meinung des Verkehrsverein-Chefs nicht.

Aurich - Im Sommer gibt es für viele Deutsche im Urlaub oder der Freizeit nur eine Richtung: hin zum Wasser, egal in welcher Form. Zur Not tut es auch ein Baggersee, höhere Priorität hat aber das Meer. Die Statistiker wissen über die Zahlen genau Bescheid: Ein Drittel aller Urlaubsreisen im Inland führt die Deutschen an die Nord- und Ostsee. Rund 20 Millionen Menschen verbringen ihren Urlaub oder ihre Freizeit rund ums Wasser. Ein riesiges Potential, sagen Tourismusexperten. Nicht zuletzt weil das Geld bei Bootstouristen – Studien zufolge – sehr locker sitzt, sie geben pro Tag bis zu 100 Euro pro Person aus. Es lohnt sich also für Städte und Kommunen, in ihre Wasserfront zu investieren, sie so attraktiv wie möglich zu machen. Wie gut macht das die Stadt Aurich? Das wollte die Redaktion von Menschen wissen, die ihr Geld mit dem touristischen Geschäft verdienen.

„Wasser ist ein elementarer Bestandteil unserer Kulturlandschaft und spielt für unsere Gäste eine sehr große Rolle“, sagt Marco Bordasch. Der Chef des Auricher Verkehrsvereins ist dafür zuständig, dass dieser Anspruch eingelöst wird. Vor 20 Jahren, als er die touristische Verantwortung in der Stadt übernommen hat, sorgte er für eine klare Akzentverschiebung: „Bis dato wurde das Geld nach dem Gießkannenprinzip auf alle 16 Ortsteile in Aurich verteilt. Ich habe drei Leuchttürme gesetzt: den Hafen, den Badesee in Tannenhausen und die Innenstadt“, sagt Marco Bordasch. Alleine diese Bereiche haben seit 2004 rasante Entwicklungssprünge gemacht.

Große Sett ist auch modernisiert worden

Der Auricher Hafen wurde 2018 für 650.000 Euro mit einer neuen Steganlage ausgestattet. Das abgeranzte Hafen-Restaurant wurde modernisiert, das an den Hafen angrenzende Große Sett ertüchtigt und mit einem Toilettengebäude für die Bootjefahrer ausgestattet. Am Hafen kann der Gast aktuell Fahrten mit der MS „Aurich“ buchen. Er kann sich Kanus, Elektro- und Tretboote ausleihen, was laut Marco Bordasch im Schnitt im Jahr 2500 Gäste machen. Zur Verfügung steht aber auch eine Tour mit dem Hausboot MS „Ochtelbur“.

Marco Bordasch möchte den Wassertourismus für Aurich noch mehr ausbauen. Foto: Boschbach
Marco Bordasch möchte den Wassertourismus für Aurich noch mehr ausbauen. Foto: Boschbach

Die touristische Infrastruktur ist stark verbessert worden, das gilt auch für den Badesee in Tannenhausen, wo die Firma North Bound eine Wakeboard-und Wasserski-Anlage sowie einen Aquapark betreibt. Dieser besteht aus aufblasbaren Modulen, die miteinander verbunden werden. Julian Berg, einer der Geschäftsführer von North Bound, sagte, dass man das Angebot so stark ausgeweitet habe, weil die Badegäste Spaß und Action in und auf dem Wasser suchten. Die Nachfrage sei nach wie vor sehr groß. Dafür müsse er keine große Werbung machen, das Angebot spreche sich herum. Das bestätigt auch Marco Bordasch, der den Badesee wegen seines Alleinstellungsmerkmals in Ostfriesland für einen großen Anziehungspunkt hält: „Den müssen wir nicht noch offensiv vermarkten. Zu den Gästen zählen einfach auch viele, die Naherholung suchen.“

Potenzial des Kanals bleibt auf der Strecke

Wenn es nach Marco Bordasch ginge, müsste man das Engagement für den Wassertourismus in Aurich noch verstärken, und zwar in einem ganz entscheidenden Punkt: Das Potenzial des Ems-Jade-Kanals werde zu wenig genutzt, so Bordasch. Der Kanal sei für die Freizeitskipper von überall her gut erreichbar. Erforderlich seien aber erhebliche Investitionen, um marode Schleusen zu modernisieren und veraltete Technik auszutauschen. Auf diesem Sektor bewege sich zu wenig, kritisiert der Geschäftsführer des Verkehrsvereins. Gefragt sei bei diesem Projekt weniger die Stadt Aurich, sondern der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der den Kanal betreibt und unterhält.

Vielfach sorgten die geringen Durchfahrhöhen an den Brücken und unzureichende Betriebszeiten für die Öffnung der Brücken bei Bootsfahrern für Unzufriedenheit. Die Touren des Fahrgastschiffs MS „Stadt Aurich“ würden dadurch ebenfalls eingeschränkt. Gerne denkt Marco Bordasch an den 3. Juni 2005 zurück. Damals hatte der Verkehrsverein eine Nostalgiefahrt mit der MS „Aurich“ von Aurich nach Wilhelmshaven organisiert, die auf sehr großen Zuspruch gestoßen war. Seine Utopie: Irgendwann Rundfahrten anbieten zu können, indem man auch über den Nordgeorgsfehnkanal schippern kann und über das Leda-Jümme-Gebiet, die Ems und den Kanal wieder nach Aurich zurück gelange. Um den Wassertourismus aber tatsächlich wirkungsvoll aufzupeppen, fehle das nötige Geld.

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