Hamburg  „Die Meyer Werft untergehen zu lassen, wäre denkbar größter industriepolitischer Fehler“

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 12.08.2024 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
07082024, Papenburg, Meyer Werft Foto: Lars Schroer
07082024, Papenburg, Meyer Werft Foto: Lars Schroer
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Die Meyer Werft in Papenburg steckt in der Krise. Das Unternehmen braucht Geld, der Staat könnte helfen. Der Dachverband der Schiffbauindustrie mahnt dazu, Meyer sei von nationalem Interesse. Aber welche Fehler führten zu der Krise?

Die Schiffbauindustrie hat die Politik aufgefordert, der Meyer Werft in der aktuellen Krise zügig zu helfen. Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik, sagte unserer Redaktion: „Die Meyer Werft ist eine der produktivsten Werften der Welt und ein Glanzstück der Schiffbautechnik. Sie untergehen zu lassen, wäre der denkbar größte industriepolitische Fehler.“

Lüken verwies darauf, dass die Meyer Werft „der dominante Faktor“ im zivilen Schiffbau in Deutschland sei und mit den Standorten in Papenburg, Rostock und dem finnischen Turku wichtige Teile der europäischen Schiffbaukapazität vorhalte. „Schon jetzt ist die chinesische Dominanz in dem Sektor riesig. Europa begibt sich mehr und mehr in eine totale maritime Abhängigkeit“, sagte Lüken. Dies sei angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen hochriskant, warnte der Verbandsvertreter und betonte: „Der Erhalt der Meyer Werft ist im nationalen Interesse.“

Das Traditionsunternehmen mit Stammsitz in Papenburg steckt derzeit in ernsthaften Schwierigkeiten. Bis Mitte September muss nach Werftangaben frisches Geld her, sonst droht das Aus. Im Gespräch ist dabei, dass der Bund und das Land Niedersachsen der Werft helfen. Sie sollen zum einen Bürgschaften für Kredite übernehmen und zum anderen durch einen Einstieg in das Unternehmen dafür sorgen, dass das Eigenkapital steigt. Dieses muss nach früheren Angaben um bis zu 400 Millionen Euro erhöht werden, damit Banken wieder Kredite geben.

In dem Zuge war immer wieder über mögliche Fehler der Werft spekuliert worden, die die aktuelle Krise verursacht haben sollen. Verbandsgeschäftsführer Lüken sagte dazu: „Im Kern ist das Problem nicht selbstverschuldet, auch wenn natürlich auch auf der Werft Fehler gemacht wurden.“ Die zuletzt häufig kritisierten Vertragskonditionen, wonach die Werft 80 Prozent des Preises für ein Kreuzfahrtschiff erst nach Ablieferung erhält, seien „absolut branchenüblich“. Lüken sagte: „Wer das heute als Fehler darstellt, hat schlichtweg keine Ahnung vom Geschäft.“

Ein Zwischengutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hatte der Werft zuletzt nach deren Angaben eine grundsätzliche Sanierbarkeit attestiert – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass überhaupt Geld fließt. Die Bundesregierung und die Landesregierung hatten Unterstützung zugesagt. Im Hintergrund wird um die Ausgestaltung gerungen.

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