Landgericht Aurich Prozess um sexuelle Handlungen an Minderjährigen
Ein 59-Jähriger aus Aurich soll bei der Nachhilfe von zwei jugendlichen Schwestern wiederholt sexuelle Handlungen vorgenommen haben. Am Mittwoch war der Prozessauftakt.
Aurich - Sexuelle Handlungen bei Minderjährigen soll ein heute 59-jähriger Auricher Nachhilfelehrer in 35 Fällen begangen haben. Die Handlungen habe der Mann an zwei jugendlichen Schwestern im Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis zum 31. Dezember 2020 verübt, sagte die Staatsanwaltschaft vor dem Auricher Landgericht am Mittwoch. Der Mann habe die Mädchen zu ungewollten Umarmungen und Wangenküssen gedrängt. Außerdem habe er zumindest eines der Mädchen im Intimbereich, am Hintern unter der Hose und am Rücken unter der Kleidung angefasst und massiert. Zudem soll er den BH des Mädchens geöffnet haben. Unter dem Vorwand, dessen Qualität testen zu wollen, habe er an die Brust eines der Mädchen gefasst. Zu den Tatvorwürfen äußerte der Angeklagte sich nicht.
Eine 15-jährige Zeugin, die bei dem Mann von Dezember 2020 bis März 2021 Nachhilfe bekommen hat, sagte, ihr sei während des Unterrichts bei ihm kein sexualisiertes Verhalten oder eine entsprechende Sprache aufgefallen. Damals war das Mädchen zwölf Jahre alt. „An so etwas kann ich mich nicht erinnern“, sagte sie. Die Anzeige bei der Polizei wurde durch ihre Mutter aufgegeben. Diese hatte mit einem der mutmaßlichen Opfer telefoniert. Während des Gesprächs habe das Mädchen ihr rund 45 Minuten lang von Vorfällen berichtet, in denen der Lehrer sie belästigt und missbraucht habe, so die Mutter der Zeugin.
Telefonat führte zur Anzeige
Im Einzelnen könne sie die Taten nicht wiedergeben, sagte die Frau. Das Telefonat habe am 21. März 2021 stattgefunden. Die Erinnerungen seien nicht lückenlos. Doch einige Details habe sie sich aufgeschrieben. „Daraufhin habe ich dann auch die Anzeige gestellt“, sagte die Frau. „Mit der Familie hatte ich anschließend aber keinen Kontakt mehr. Es schien, als ob sie sauer auf mich wären.“
Der eigenen Mutter hätten die damals 14-jährige und ihre anderthalb Jahre ältere Schwester zunächst kaum etwas erzählt, so die 42-Jährige. Die Kinder seien irgendwann zu ihr gekommen und wollten die Nachhilfe abbrechen. „Ich dachte, das wäre normal. Welcher Teenie hat denn auch schon Lust, sich nachmittags mit der Schule zu beschäftigen? Sie haben mir damals keinen Grund genannt, warum sie das nicht wollten“, sagte sie. Deshalb habe sie die Nachhilfe auch erst einmal weiterlaufen lassen.
Mutter: Vater der mutmaßlichen Opfer wollte keine Anzeige
Anfang Januar 2021 hätten die Mädchen jedoch den Eltern gegenüber geöffnet: In einem Gespräch hätten die Mädchen erzählt, was alles vorgefallen sei, sagt die Mutter. Nach der Unterhaltung habe sie den Nachhilfeunterricht sofort gekündigt. Die 42-Jährige habe die Taten auch zur Anzeige bringen wollen. Doch ihr Mann habe sie davon abgehalten.
Der Vater habe die Sache unter den Tisch fallenlassen wollen, so die Mutter. Seine Beweggründe kenne sie nicht. „Vielleicht ist es Scham oder Angst. Ich kann es Ihnen nicht sagen.“ Von dem Gerichtstermin am Mittwoch, 7. August, habe der Vater nichts gewusst. Er und der Angeklagte würden sich aus früheren Jahren kennen, sagte die Mutter. Der Nachhilfelehrer ihr bis zu dem Unterricht 2020 nie begegnet.
Befragung unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Die Befragung der beiden Mädchen wurde in einem Saal des Auricher Landgerichtes per Videoübertragung gemacht. Sie dauerte etwas mehr als eine Stunde. Die Befragung erfolgte zum Schutz der Mädchen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Konkrete Aussagen der Mädchen sind der Redaktion deshalb nicht bekannt.
Zu dem nächsten Verhandlungstermin am 28. August wird der Vater der Mädchen erscheinen müssen. Das Gericht entschied, dass seine Aussage wichtig für die Verhandlungen sind.