Hannover Die Förderung von Auszubildenden darf keine Einbahnstraße sein
Wer heute eine Ausbildung machen möchte, hat beste Bedingungen. Das bringt aber auch Verpflichtungen mit sich, denn gestern wie heute gilt: Von nichts kommt nichts.
Die Zeiten haben sich gewandelt: Mussten Schulabgänger vor einigen Jahren noch bangen, ob sie überhaupt einen Ausbildungsplatz bekommen, haben sie heute nahezu freie Auswahl.
Überspitzt gesagt: Nicht mehr die jungen Menschen bewerben sich bei Firmen, sondern die Unternehmen beim Nachwuchs. Wenngleich das etwas übertrieben ist, müssen Betriebe sich im Buhlen um frische Köpfe einiges einfallen lassen. Und das tun sie auch.
Der Malereibetrieb, der viel Geld in die Hand nimmt, um mit einem eigenen Ausbildungszentrum schulische Defizite aufzufangen, der Mittelständler, der im Betrieb Englischunterricht anbietet und das Außengelände auch fürs Lernen im Freien aufpeppt, der Handwerksbetrieb, der mit einer Vier-Tage-Woche wirbt: Selten waren die Ausbildungsbedingungen für junge Leute so attraktiv wie heute.
Das bedeutet andererseits aber nicht, dass Azubis sich zurücklehnen können, weil ihnen alles auf dem Silbertablett serviert wird und sie förmlich durch die Ausbildung getragen werden.
Ganz im Gegenteil: Dass Arbeitgeber viel in den Nachwuchs investieren, darf keine Einbahnstraße sein. Die Betriebe dürfen zu Recht erwarten, dass ihre Bemühungen sich auszahlen. Durch gute Noten, durch motivierte Mitarbeiter, durch eine hohe Loyalität zur Firma und im besten Fall eben auch durch eine langjährige Bindung des Beschäftigten ans Unternehmen. Als Lehrling oder auch Mitarbeiter blendende Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen vorzufinden, ist ein Geschenk – und gleichzeitig eine Verpflichtung.
So sehr sich die Zeiten auf dem Arbeitsmarkt auch gewandelt haben und weiter ändern werden, eines gilt damals wie heute: Von nichts kommt nichts.