Menschen in der Gastronomie  Ein Hotelier und Wirt mit dem richtigen Riecher für Trends

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 05.08.2024 19:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Jürgen Garrels hat in Aurich Gastronomie-Geschichte geschrieben. Foto: Ortgies
Jürgen Garrels hat in Aurich Gastronomie-Geschichte geschrieben. Foto: Ortgies
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Jürgen Garrels hat 34 Jahre lang das Hotel-Restaurant Brems Garten betrieben. In seiner kargen Freizeit engagierte er sich für den Verband seiner Branche. Er brachte etwas völlig Neues nach Aurich.

Aurich - In Aurich schrieb man das Jahr 1984. Jürgen Garrels betrieb zu dem Zeitpunkt in der Kreisstadt das Hotel-Restaurant Brems Garten an der Kirchdorfer Straße, das er 1971 eröffnet hatte. Er war ein junger aufstrebender Gastronom, der seine Branche nach vorne bringen wollte, nicht nur durch seine Arbeit als Kreis-Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Auch für sein Haus war er immer auf der Suche nach neuen Ideen, immer erfüllt von dem Wunsch, Trends aufzugreifen und die Gäste zu befeuern. So wurde er hellhörig, als ein Gast 1984 von einer Reise in die Schweiz schwärmte. Dort habe er Brunch kennengelernt. „,Brunch? Brunch? Was ist das?`, habe ich gefragt“, erinnert sich Jürgen Garrels. „Das müssen Sie mal machen. Fangen Sie um 11 Uhr an, das geht dann bis 14 Uhr“, riet ihm der Gast. Der Hotelier war zunächst skeptisch wegen dieser in seinen Augen nicht passenden Kombination aus Frühstück und Mittagessen. Doch er ließ sich darauf ein. Und der Erfolg gab ihm recht. „Das war der Renner, die Leute waren wie verrückt“, erinnert er sich. Schließlich war er einer der Ersten, wenn nicht sogar der Erste, der diese Darreichungsform in der Region anbot. Das war auch bei „Scholle zum Sattessen“ der Fall, die er ebenfalls Anfang der 80er Jahre ins Programm nahm.

Zu Nahrungsmitteln hatte Jürgen Garrels schon als Junge eine Verbindung, wenn auch eine, bei der man keine Bückhemmung haben durfte. Er verdiente sein erstes Geld bei der Kartoffelernte auf einem Acker in seiner Heimat im Artland zwischen Quakenbrück und Osnabrück. Weil seine Eltern aus beruflichen Gründen nach Aurich gezogen waren, da sein Vater die Kantine der Blücherkaserne leiten sollte, verschlug es auch Jürgen Garrels in die Region. Von 1959 bis 1962 machte er im Restaurant Am Südstrand in Wilhelmshaven eine Ausbildung als Koch. Schnell war für den jungen Mann klar, dass er nicht immer als Angestellter, also abhängig, arbeiten wollte. Sein Ziel war es, selbst etwas zu gestalten, Einfluss zu haben, sowohl auf die Prozesse in der Branche als auch auf das, womit man Gäste glücklich machen kann.

Schauplatz großer Theaterabende

Brems Garten war damals eine Institution, erbaut 1903 von dem Bäcker, Konditor und Senator Johann Brems, der den Saal mit einer Bühne ausstattete. Diese sei Schauplatz großer Theaterabende, politischer Raubeinigkeiten und herrlicher Tanzvergnügen gewesen, schreibt der Journalist und ehemalige ON-Redakteur Gerd Gauger in seinem Buch „Aurich − alte Residenz in neuem Rhythmus“. Ab 1949 sei die Gaststätte von Wille und Gré Weiser mit Stil geführt worden. 1969 wollte Eigentümer Dr. Heinrich Brems den Betrieb verkaufen. Emil Garrels, der Vater von Jürgen Garrels, ersteigerte das Gebäude im Bieterduell.

Im Brems Garten hatte die Familie Garrels ein breites Portfolio an Möglichkeiten, um die Freizeit abwechslungsreich zu gestalten. Es gab Kegelbahnen, einen Bankettsaal, der alleine 450 Menschen Platz bot, ein Restaurant und dann die Stadthalle, die der Gastronom im Auftrag der Stadt mit seinen 50 Mitarbeitern ebenfalls bewirtschaftete. „Wir haben die Stadthalle so gemanagt, als wäre sie unser eigener Betrieb. Dass eine kommunale Einrichtung privat geführt wurde, war seinerzeit extrem ungewöhnlich“, berichtet Jürgen Garrels.

Andere Geselligkeitskultur

„Wir hatten 20 bis 25 Veranstaltungen im Monat“, sagt der 82-Jährige. Betriebe buchten den Saal für Feiern. Es gab Grünkohlessen, Tagungen, Kongresse − und Bälle ohne Zahl. Den Presseball, den Juristenball, den großen Manöverball, um nur einige aufzuzählen. Der Betrieb brummte, war ein Selbstläufer. Die Geselligkeitskultur sei ganz anders gewesen. „Damals musste man nach draußen gehen, wenn man etwas erfahren wollte. Heute zückt man sein Smartphone, schaut, ob sich der Whatsapp-Status von Freunden und Bekannten verändert hat, dann meint man, schon das Wichtigste zu wissen“, sagt Mareike Zägel. Die Inhaberin des Hotels Stadt Aurich macht als Vorsitzende des Kreis-Verbandes des Deutschen Hotels- und Gaststättenverbands (Dehoga) den Job, den Jürgen Garrels jahrzehntelang innehatte.

Im Juli ist ihm für seine 50-jährige Verbandsmitgliedschaft bei der Jahreshauptversammlung des Dehoga eine Auszeichnung verliehen worden. Er hat gegen die Dorfgemeinschaftshäuser gekämpft, weil diese nach seiner Auffassung eine vom Staat geförderte Konkurrenz zu den Gastronomen darstellen. Er hat Front gegen das ebenfalls mit öffentlichen Mitteln bezuschusste Seminarhotel in Aurich gemacht. Und das Wichtigste: Er hat der Region in der Gastronomie eine starke Stimme verliehen. Damals gab es nach seinem Dafürhalten viele gute Aktionen. So ist etwa 1983 der Gäste-Bummelpass in einer Auflage von 10.000 Stück herausgebracht worden.

Im Sommer 2005 hat Jürgen Garrels den Betrieb von Brems Garten aufgegeben. Sein Nachfolger war Günther Held, der Betreiber des Hotels Waldhof Wiesens. Den Dehoga-Vorsitz hat er noch zehn Jahre weitergeführt, bevor er 2015 von Kolb-Binder (Langeoog) und Erich Wagner (Wiesmoor) abgelöst wurde. Seither kann er sich seinen vielen Hobbys widmen, der Jagd, dem Reisen und der Pflege seines großen Gartens in Aurich.

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