Dorfregion-Projekt auf der Kippe  „Haus für alle“ in Marienhafe vor dem Aus

| | 03.08.2024 09:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das alte Marienhafer Bahnhofsgebäude gehört der Samtgemeinde. Sie hatte es 2013 bei einer Auktion für 36.500 Euro erworben. Foto: Thomas Dirks
Das alte Marienhafer Bahnhofsgebäude gehört der Samtgemeinde. Sie hatte es 2013 bei einer Auktion für 36.500 Euro erworben. Foto: Thomas Dirks
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Überlegt wird, die 1,2 Millionen Euro teure Umgestaltung des alten Marienhafer Bahnhofs auf Eis zu legen. Welche Hintergründe das hat.

Marienhafe - Kippt das nächste Dorfentwicklungsprojekt im Brookmerland? Nach der rund 600.000 Euro teuren Umgestaltung des Leezdorfer Dorfplatzes steht nun auch die künftige Nutzung des alten Bahnhofs in Marienhafe als Mehrgenerationenhaus (Arbeitstitel: Haus für alle) vor dem Aus. Wie Brookmerlands Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) auf Anfrage bestätigte, gibt es Überlegungen, die Umsetzung des Projekts zu verschieben beziehungsweise ganz auf Eis zu legen.

Befürworter und Kritiker des 1,2 Millionen Euro teuren Vorhabens streiten schon lange und heftig um dessen Verwirklichung. Während SPD, deren Juniorenpartner, die Wählergruppe „Moin“, und die Grünen im Samtgemeinderat bisher vehement an dem Projekt festhielten, lehnte die Ratsgruppe aus BWG/SEB, BfB, CDU es kategorisch ab und begründet dies mit dem Eigenanteil der Samtgemeinde in Höhe von 400.000 Euro. 800.000 Euro sollen laut Ihmels aus Fördertöpfen fließen.

So sollte, von den Gleisen aus gesehen, der alte Marienhafer Bahnhofs künftig aussehen. Ganz rechts: Der Gebäudeteil, in dem sich noch die Stellwerktechnik der Bahn befindet. Links: Ein Anbau für den Fahrstuhl. Grafik: Samtgemeinde Brookmerland
So sollte, von den Gleisen aus gesehen, der alte Marienhafer Bahnhofs künftig aussehen. Ganz rechts: Der Gebäudeteil, in dem sich noch die Stellwerktechnik der Bahn befindet. Links: Ein Anbau für den Fahrstuhl. Grafik: Samtgemeinde Brookmerland

Zuletzt flammte die Kontroverse im September vergangenen Jahres in der Debatte um den Nachtragshaushalt der Samtgemeinde auf. Neben der inzwischen 7,5 Millionen Euro teuren Sportstätte in Marienhafe und der Erweiterung des Rathauses gehöre die Bahnhof-Sanierung zu jenen Maßnahmen, die überflüssig oder im geplanten Umfang nicht notwendig seien, stellte Gruppensprecherin Ida Bienhoff-Topp (BfB) seinerzeit fest. Nach wie vor habe man Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Investition und warne vor den Folgekosten. „Wir bleiben bei unserer Kritik“, pflichtete Harald Tammen (CDU) ihr bei.

Kompromissvorschlag im Arbeitskreis Finanzen

Die örtlichen Vereine hätten kaum oder nur geringes Interesse an dem Gebäude, da sie über eigene Heime oder Räume verfügten. Für das geplante Jugendzentrum fehle schlicht das Konzept.

In der aktuellen, bisher nur hinter verschlossenen Türen geführten Diskussion um den neuen Doppelhaushalt für die Jahre 2024/2025 setzt sich dieser Streit offenbar fort. Mit dem Zahlenwerk im Doppelpack hat sich in der Sommerpause ein Arbeitskreis aus Politik und Verwaltung befasst, der, so betont die Verwaltung, kein Beschlussgremium sei.

Das alte Bahnhofsgebäude, an dem hier im Juli 2020 erstmals ein ICE vorbeifährt, soll unter Denkmalschutz gestellt werden. Archivfoto: Dirks
Das alte Bahnhofsgebäude, an dem hier im Juli 2020 erstmals ein ICE vorbeifährt, soll unter Denkmalschutz gestellt werden. Archivfoto: Dirks

Um für den Doppelhaushalt eine möglichst breite Zustimmung zu erreichen, sei dort in einer längeren Diskussion der Kompromissvorschlag einwickelt worden, das Projekt zu verschieben, teilte Ihmels mit. „Ob dies gelingt und ob das Vorhaben tatsächlich aus dem Haushalt genommen wird, ist von dem Kompromisswillen aller Ratsfraktionen abhängig und müssen die Diskussionen im Samtgemeindeausschuss beziehungsweise im Samtgemeinderat zeigen“, so Ihmels. Eine Diskussion in öffentlichen Fachgremien wie dem Finanzausschuss erwähnte Ihmels nicht. Der Haushaltsentwurf, der in Kürze vorgelegt werden solle, enthalte die Ansätze für die Maßnahme noch, teilte er mit.

Dem widersprechen Darstellungen aus politischen Kreisen, in denen von einem gemeinsam erarbeiteten Kompromissvorschlag nichts bekannt ist.

WidersprechendeDarstellungen

Von dort heißt es, dass die Vertreter der Kämmerei im Arbeitskreis den Vorschlag unterbreiteten hätten, sich von dem Projekt „Alter Bahnhof“ zu verabschieden und die dafür vorgesehenen Haushaltsansätze zu streichen, was in einigen Unterlagen auch bereits entsprechend gekennzeichnet worden sei. Begründet worden sei der Vorschlag damit, dass sich Verhandlungen mit der Bahn, die in dem Gebäude als Mieter immer noch ihr Stellwerk betreibt, als schwierig gestalteten und sich das Dorfregion-Projekt nicht in der geplanten Zeit verwirklichen lasse.

Einig sind sich alle Beteiligten immerhin darin, dass der alte Marienhafer Bahnhof ein ortsbildprägendes und geschichtlich bedeutsames Gebäude ist, das es zu erhalten gilt.

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