Cambridge  Verkanntes Genie: Alan Turing, der die legendäre „Enigma“ entschlüsstele – und sein tragisches Schicksal

Ronald Feisel
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Von Ronald Feisel
| 02.08.2024 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Turing war ein mathematisches Genie und beendete frühzeitig den zweiten Weltkrieg. Trotzdem nahm er sich mit 42 Jahren das Leben. Was ist seine Geschichte? Foto: IMAGO / CPA Media
Turing war ein mathematisches Genie und beendete frühzeitig den zweiten Weltkrieg. Trotzdem nahm er sich mit 42 Jahren das Leben. Was ist seine Geschichte? Foto: IMAGO / CPA Media
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Enigma machte ihn zum weltbekannt: Alan Turing, der brillante Mathematiker, entschlüsselt im Zweiten Weltkrieg die deutsche Verschlüsselungsmaschine und entwickelt die Grundlagen des Computers. Doch statt Anerkennung erfuhr er Diskriminierung und Repression. Ein Leben zwischen Genialität und Tragik. Teil 20 unserer Sommerreihe: „Verrückte Geschichte(n)“.

Er war der Prototyp des sonderbaren Wissenschaftlers. Angeblich trug er gegen den Heuschnupfen eine Gasmaske und kettete seine Teetasse im Büro an. Alan Mathison Turing hat den Zweiten Weltkrieg verkürzt und viele Menschenleben gerettet. Doch sein Leben löschte er selbst aus.

Alan wird 1912 in London geboren. Der Junge ist unordentlich, hat mäßige Schulnoten und eine „Sauklaue“. Doch gerade rechtzeitig erkennt sein Mathe-Lehrer Alans Begabung. Schon mit 19 geht er ans King’s College in Cambridge. Dort entwickelt er die theoretischen Grundlagen für den Computer. Doch der Zweite Weltkrieg bringt die Computeridee erst einmal zum Absturz.

Großbritannien versammelt seine klügsten Köpfe in Bletchley Park. Auch Turing ist im „Club der lebenden Denker“. Er soll die deutsche Maschine Enigma, die alle wichtigen Nachrichten der Wehrmacht verschlüsselt, knacken. Sie hat knapp 160 Millionen Möglichkeiten. Die Polen haben erste Vorarbeit geleistet und Turing sagt kryptisch: „Wenn man erwartet, dass eine Maschine unfehlbar ist, kann sie nicht auch intelligent sein.“

Er entschlüsselt Enigma. Historiker sind überzeugt, dass der Krieg ohne die „Turing-Bombe“, wie sie unpassend bezeichnet wird, noch länger und damit blutiger gewesen wäre. Kurz vor Kriegsende fährt seine Computeridee wieder hoch, als er in den USA ein elektronisches Modell bestaunen darf. Die „mechanische Rechenmaschine“ von Turing ist nun reif für das Insel-Museum und Turing forscht an der Uni Manchester weiter in Richtung des PCs von heute.

Doch ausgerechnet sein Land, das dankbar sein müsste, bremst ihn aus. In England ist Homosexualität strafbar. Turing bekennt sich dazu, wird vom britischen Geheimdienst als Sicherheitsrisiko eingestuft und vor die Wahl gestellt: Entweder Gefängnis oder Hormonbehandlung. Er versucht letzteres, verzweifelt daran und nimmt sich in Erinnerung an Schneewittchen mit einem vergifteten Apfel das Leben.

Ein Verwandter dagegen meint, dass der Freitod des Briten nichts mit der staatlichen Erpressung und der Homosexualität zu tun hatte, sondern Turing einfach nur als kühl denkender Kopf sein Schicksal selbst bestimmen wollte. Kurz vor seinem 42. Geburtstag ein bisschen früh, oder?

Wie dem auch sei. Britischer Staat und Krone haben ihn inzwischen rehabilitiert. Seit 2021 ist sein Bild auf der 50-Pfund-Banknote. Alan Mathison Turing war ein wenig eigen, aber sicher auch einer der schlausten Menschen des 20. Jahrhunderts: „Wir können nur eine kurze Distanz in die Zukunft blicken, aber dort können wir eine Menge sehen, was getan werden muss.“

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