Osnabrück Apachen-Häuptling Geronimo: Gegen den Rest der weißen Welt
Mehrere Jahrzehnte entwischte der Apachen-Häuptling Geronimo einer deutlichen Übermacht. Was trieb ihn an und wie endete seine Geschichte, die auch posthum noch für Schlagzeilen sorgte? Teil 19 unserer Sommerreihe: „Verrückte Geschichte(n)“.
Er hieß eigentlich Gokhlayeh, „der der gähnt“, weil er als Kind oft sehr müde war. Wie schaffte es der Häuptling der Chiricahua-Apachen, einer deutlichen Übermacht über Jahrzehnte zu entwischen?
Als kleiner Junge muss er 1837 miterleben, wie skrupellose Skalp-Jäger seine Eltern ermorden. 1851 ist er gerade unterwegs, als mexikanische Truppen sein Lager bei Casa Grande in Arizona überfallen. Diesmal sterben seine Stiefmutter, seine Frau und seine drei Kinder. „Das Leben hatte für mich keinen Sinn mehr und mein Herz füllte sich mit Gedanken der Rache“, sagt der Apachen-Häuptling, nennt sich Geronimo und beginnt einen brutalen Guerilla-Krieg: „Wir können mit ihnen das Gleiche tun wie sie mit uns. Gehen wir los und spüren sie auf!“
Er raubt und mordet. Mit verbündeten Indianerstämmen liefert er sich über viele Jahre blutige Kämpfe mit der mexikanischen und der US-Armee in Arizona und New Mexico.
Nach über 20 Jahren, „ich bewegte mich wie der Wind“, stellt er sich im April 1877 und wird mit dem Rest seines Stammes im Reservat San Carlos entsorgt, das er so beschreibt: „Nimm Steine, Asche und Dornen, füge Skorpione und Klapperschlangen hinzu, kippe das alles aus, erhitze die Steine, bis sie glühen und du hast San Carlos.“
Immer wieder flieht er mit immer weniger Getreuen, wird gefangen und haut erneut ab. Am Ende werden 37 Indianer von 10.000 amerikanischen und mexikanischen Soldaten sowie zahlreichen Scouts gejagt. US-General Crook weiß, wie wichtig diese indigenen Scouts für ihn sind: „Man braucht einen Apachen, um einen Apachen zu kriegen. Ein Weißer allein kriegt ihn niemals!“
Sie kriegen ihn auch nicht, denn 1886, also nach 35 Jahren, ergibt sich Geronimo mit den letzten Getreuen. Die US-Regierung klagt ihn an, er verteidigt sich so: „Sagt mir, was daran Unrechtes ist! Ihr sagt selbst, dass ein Mensch, der einen anderen tötet, getötet werden muss. Seht, wie zahlreich der Rote Mann war, bevor ihr kamt, und seht, wie viele Rote Menschen ihr getötet habt.“
Geronimo kommt in eine Art offenen Strafvollzug, wird Christ und Bauer. Er stirbt 1909 an einer Lungenentzündung. Doch das Drama geht posthum weiter. Angeblich sollen Vorfahren der Präsidentenfamilie Bush sein Grab beraubt und seinen Schädel in ein Museum gebracht haben. Es gab mehrere Prozesse, am Ende aber keine eindeutigen Beweise. Dieser Kopf hinterließ uns in seinen Lebenserinnerungen: „Ich wurde in der Prärie geboren, wo der Wind frei blies und es keine Zäune gab.“