Bauvorhaben Brookmerlander Politiker sehen bei Sportstätte rot
Angesichts steigender Kosten fordern BWG/SEB, BfB und CDU einen Stopp für den geplanten Sportplatz. Sie verweisen auf die alarmierende Haushaltssituation der Samtgemeinde.
Brookmerland - Angesichts einer offenbar alarmierenden Haushaltslage im Brookmerland haben BWG/SEB, BfB und CDU im Rat der Samtgemeinde ihre Forderung bekräftigt, die Bauleitplanung für die immer teurer werdende zentrale Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe umgehend zu beenden. „Das ist so nicht mehr finanzierbar“, stellte Harald Tammen (CDU) fest. Auch sei angesichts anderer ungelöster Probleme ein derart kostspieliges freiwilliges Vorhaben den Bürgern nicht mehr zu vermitteln. „Wir haben dafür schlicht kein Geld mehr“, sagte er.
Sieben Millionen Euro
Wie berichtet, steigen die Kosten für die Sportstätte in Marienhafe. Statt den von ihr bisher genannten 5,5 Millionen Euro kalkuliert die Verwaltung nach ON-Informationen inzwischen mit mehr als sieben Millionen Euro. Das geht dem Vernehmen nach aus einem Entwurf für den Doppelhaushalt für die Jahre 2024 und 2025 hervor, mit dem sich in dieser Woche letztmals eine Arbeitsgruppe aus Vertretern aller Ratsgruppen und -fraktionen befasst hat. Tammen sieht das Ende der Fahnenstange damit noch nicht erreicht. Er befürchtet, dass am Ende sogar ein zweistelliger Millionenbetrag stehen könnte. Und das trotz einer längst abgespeckten Version.
Bei einer feststehenden Fördersumme in Höhe von 2,5 Millionen Euro des Bundes treibt eine Kostensteigerung in jedem Fall den Eigenanteil der Samtgemeinde erheblich nach oben. Jeden Euro, den die Sportstätte mehr kostet, muss sie als freiwillige Ausgabe aus eigener Tasche bezahlen. „Das ist eine Wahnsinnssumme, die wir da stemmen sollen“, sagte Tammen. Angesichts der Haushaltslage wird das zur Herausforderung. Denn die ist, wie BWG/SEB, BfB und CDU schilderten, alles andere als rosig. Eines der Hauptprobleme sind die unerledigten Pflichtaufgaben: „Wir haben viele Baustellen, die alle Bürger betreffen“, sagte Gruppensprecherin Ida Bienhoff-Topp (BfB). Feuerwehr, Schulen und Kindertagesstätten müssten für die Zukunft fitgemacht werden. Von der Erneuerung der Kläranlage in Wirdum spreche auch niemand mehr. Das alles müsse man auf dem Schirm haben, sagte sie. Hinzu kämen marode Straßen, für deren Sanierung die Samtgemeinde künftig jährlich 1,9 Millionen Euro investieren will (wir berichteten). Man habe die berechtigte Sorge, das alles schon jetzt nicht mehr leisten zu können, hieß es.
Sorge um Handlungsfähigkeit
„Es sieht düster aus. Wir sorgen uns um die Handlungsfähigkeit der Samtgemeinde in den nächsten Jahren“, sagte Bienhoff-Topp. „Und wir werden immer häufiger gefragt, was der Unfug soll“, ergänzte Tammen. Das Verständnis schwinde spürbar. Die Stimmen der Befürworter würden leiser, dafür kritische immer lauter. Den Bürgern sei es „nicht mehr zu verkaufen“, eine teure Sportanlage auf die grüne Wiese zu zaubern, von der schon jetzt längst nicht alle überzeugt seien und mit der immer noch viele offene Fragen und Bedenken verbunden seien: Natur- und Landschaftsschutz, Verkehrsanbindung, Ausrichtung der Sportanlagen, Unterhaltungskonzept und Folgekosten – vieles sei noch immer nicht geklärt. Sportlern sei zudem leider nicht klar, was sie dort erwarten werde. Tribünen, Bandenwerbung, Container und Verkaufsstände – was bisher im Sportzentrum in Upgant-Schott Platz finde, sei am Moortun wohl nicht mehr unterzubringen, gab Bienhoff-Topp zu bedenken.
Angesichts der veränderten Vorzeichen fordern sie und ihre Mitstreiter daher, vom Bau der neuen Sportstätte in Marienhafe abzulassen und die Sanierung des alten Sportzentrums in Upgant-Schott wieder in den Blick zu nehmen. Auch die werde inzwischen im Preis gestiegen sein, am Ende aber immer noch günstiger und schneller zu haben sein als der Neubau.
Nein zum Haushaltangekündigt
Der wirke wie aus der Zeit gefallen. „Da hat sich über die Jahre etwas verselbstständigt, was nicht mehr der Realität entspricht“, sagte Bienhoff-Topp. Schon jetzt sei der politische Spielraum, etwas zu gestalten, gleich Null. „Wir appellieren an alle, die geringen Ressourcen optimal zu nutzen.“
Knackpunkt sei die neue Sportstätte. „Wenn wir die bauen, übernehmen wir uns schlichtweg“, so Tammen. Er empfahl daher, „innezuhalten und die Samtgemeinde nicht weiter in die missliche Lage zu manövrieren“.
BWG/SEB, BfB und CDU würden dem Doppelhaushalt unter diesen Bedingungen nicht zustimmen können, kündigten Tammen und Bienhoff-Topp dieses Mal frühzeitig an, um sich nicht wieder den Vorwurf der Verwaltung gefallen lassen zu müssen, mit Einwendungen zu spät zu kommen.